«Zürcher halten FC Thun-Fanblog im Schuss»: So titelt das Onlineportal Klein Report zum Neustart von thunfans.ch. Danke für die Vorschussloorbeeren. Aber für das Aufblühen der Website mit lustigen Anekdoten und lesenswerten Erfolgsmeldungen müssen schon die Thuner selbst besorgt werden. Vor allem jene auf dem Platz mittels fleissigem Punktesammeln. Da trifft es sich gut, kommt heute eines der schwachen Zürcher Teams ins Berner Oberland. Oder wie es der Klein Report so passend beschreibt: «Während die abstiegsgefährdeten Zürcher Fussballklubs FCZ und GC auf dem Spielfeld Tipps vom Tabellenführer FC Thun gut gebrauchen könnten, lief es im Internet bei einer Rettungsaktion für die Website thunfans.ch in den vergangenen Monaten genau umgekehrt.» Und neben beziehungsweise unter diesen beiden Stadtklubs gibt es den Aggloklub FC Winti, der noch ohne Saisonsieg dasteht. Ein direkter Gegner des FC Thun? Mit Abstrichen.
Ist es schon die Arroganz des Leaders, dass wir beim Eintrinken auf das Spiel nicht etwa über die Tabellensituation diskutieren, sondern über die Glühweinstatistik von Party-Kernen. Können seine Besuche im Glühweinhaus vor und nach dem Servettespiel doppelt gezählt werden oder doch nur einfach? Kein VAR zur Hand, der hier endgültig und falsch klären könnte. Und so prosten wir uns mit dem Glühweinglas zu beim wahlweise vierten oder fünften Glühweintrip von Party-Kernen. Zeit bleibt genug zum Trinken und Fachsimplen, denn Thun spielt heute ganz schön spät gegen Winterthur. Anpfiff ist um 20:30 Uhr, was vor der Zeitumstellung vom Wochenende 21:30 Uhr gewesen wäre. Ich habe mir vorsorglich eine Übernachtungsmöglichkeit in Thun organisiert.
Als es endlich losgeht drüben im Stadion, sind erstaunliche 7000 Zuschauer anwesend. Darunter selbst eine Hundertschaft Winterthurer. Das Spiel beginnt mit einer Wintichance und flacht dann ab. Ich lästere schon, dass wir uns hier für ein 0:0 in der Kälte eingefunden haben. Erst nach einer Viertelstunde kommt Thun durch Ibayi zu einer ersten Chance, doch Winti-Goalie Kapino kann den Ball entschärfen. Was Silea-Goalie Party-Kernen ins Schwärmen bringt, der entgegen seiner Fanbiografie die Aktionen des Winti-Goalies abfeiert. Und irgendwie verläuft diese positive Einzelkritik auch entgegen dem Spielverlauf. In der 20. Minute verwertet Dähler einen Abpraller, der bei einem weiteren guten Antritt von Ibayi entstanden ist. In der 33. Minute schiesst Thun den Ball ein zweites Mal über die Linie, doch Schiedsrichter Piccolo entscheidet auf Abseits. Und in der 36. Minute wuchet Bertone den Ball an der Strafraumgrenze aus spitzem Winkel in die lange Ecke. Damit steht es 2:0. Und fast alle im Stadion feiern die Thuner Elf statt den Winti-Goalie.
Wenn es denn weiter elf wären auf dem Platz. In der 38. Minute tritt Matoshi im Duell Sahitaj auf den Knöchel. Ein dummes Missgeschick. Für uns in den Fanrängen höchstens ein gelbwürdiges Foul, doch Schiedsrichter Piccolo stellt gemeinsam mit dem VAR Matoshi vom Platz. Thun in Unterzahl und das Spiel dauert noch fast eine Stunde. Das Stadion tobt. Dass in den wenigen Minuten bis zur Pause auch noch Ibayi und Bertone Gelb sehen nach Zweikämpfen, heizt die Stimmung zusätzlich an. Wir sind froh, dass Thun den Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause rettet.
Kaum läuft das Spiel wieder, gibt es den nächsten grossen Auftritt für das Duo Piccolo VAR. Ein weiterer bissiger Zweikampf, wobei dieses Mal der Winterthurer Durrer einem Thuner auf den Fuss tritt. Wieder wird die Rote Karte gezückt, doch der VAR legt sein Veto ein. Piccolo nimmt den Entscheid zurück, nur Gelb gegen Durrer und Thun weiter in Unterzahl. Säb isch nöd suuber!
Bei all dem Ärger fällt erst spät auf, dass Winti so gar nichts mit der numerischen Überlegenheit anzufangen weiss. Der Ball wird hin und her geschoben, bei den spärlichen Angriffsversuchen fliegt der Ball weit am Tor vorbei. Nach einer Stunde lege ich mich fest: Der FCW wird hier kein Tor schiessen. Stattdessen hat Party-Kernen in der Schlussphase des Spiels wieder vermehrt die Gelegenheit, die Heldentaten des No-Party-Kapino zu bewundern. Thun übernimmt nämlich wieder das Spieldiktat, kommt zu einigen guten Schüssen und schliesslich zum Tor. In der 82. Minute schiesst Rastoder zum 3:0 ein. Zugleich das Schlussresultat.
Bleibt die Frage, was für Tipps wir von thunfans.ch eigentlich diesem Zürcher Aggloklub geben könnten. Party-Kernen schwankt zwischen den beiden Ratschlägen 10-Spiele-Boykott und Verkauf von Kapino an Thun. Ich dagegen rege an, dass ein Fanblog namens wintifans.ch mit gepfefferten Spielberichten ein erster Schritt aus der Krise sein könnte. Ganz ironiefrei natürlich.