Treffpunkt Olten. Es tauchen auf: Ein Goalie, der in Oberburg an einem ganztägigen Fussballturnier einen einzigen Gegentreffer kassiert hat. Und ein Gottéron-Fan, der mit seinem Verein den ersten Meistertitel der Klubgeschichte geholt hat und nach der Freinacht von Donnerstag auf Freitag übermüdet ist. Wenn das nicht doppelt Glück bringt, heute Grossartiges mit dem FC Thun zu erleben. Und als zusätzlichen Glückbringer trinken wir auf dem Fahrt nach Basel ein Six Pack Züri Hell. Schliesslich war es der FCZ, der vor Jahren mal im Joggeli Meister geworden ist. Bitte nachmachen, wenn auch ohne Gewaltszenen aus dem Rasen. Fantechnisch stehen die Voraussetzungen für einen gemütlichen Abend gut, im Joggeli Shuttle unterhalten sich FCB-Fans und Thunfans freundlich. Wenn auch die Einheimischen der Meinung, dass die Meisterfeier nochmals vertagt werden sollte.
Ausverkauft ist das Stadion nicht, aber der Gästesektor ist oben wie unten sehr gut gefüllt. Viele Fahnen, viele Pyros, viel Gesang und auch viel Nervosität. Der FC Thun startet mutig in diese Partie und weiss, dass er heute Geschichte schreiben kann. Doch in der Anfangsphase bestimmen die Basler das Geschehen. In der 9. Minute rettet Torhüter Steffen seine Farben gleich doppelt, nachdem Traore nur den Pfosten trifft und Leroy aus kürzester Distanz scheitert. Thun hält dagegen und kommt in der 5. Minute zu einer ersten Möglichkeit, als Ibayi nach einer Flanke von Fehr zum Kopfball kommt, doch Salvi lenkt den Ball über die Latte. Mit zunehmender Dauer finden die Berner Oberländer besser ins Spiel. In der 28. Minute schaltet Thun schnell um, Imeri kommt zum Abschluss, bleibt aber zu ungenau. Die Partie bleibt insgesamt zerfahren, geprägt von vielen Zweikämpfen und Verwarnungen. In der 41. Minute belohnt sich der FC Thun für seine Effizienz. Heule und Imeri kombinieren sich auf der linken Seite sehenswert durch, spielen einen präzisen Doppelpass. Heule bringt den Ball scharf ins Zentrum, wo Matoshi im richtigen Moment einläuft und technisch stark abschliesst. Der Ball schlägt unhaltbar im Netz ein, Thun führt 1:0 und ist zu diesem Zeitpunkt virtuell Meister. Party-Kernen tüftelt schon an einer Ideallinie für den Platzsturm.
Doch die Freude hält nur kurz. In der 44. Minute gleicht Basel aus. Metinho fasst sich aus rund 20 Metern ein Herz und zieht wuchtig ab. Der Ball fliegt mit Tempo aufs Tor, Steffen streckt sich vergeblich, die Kugel schlägt im Eck ein. 1:1, ein bitterer Moment für uns Thunfans, haben wir die Führung doch kaum geniessen können. Die Stimmung in der Pause könnte besser sein.
Nach Wiederanpfiff erhöht Basel den Druck. Thun wirkt passiver und kommt kaum noch zu Entlastungsangriffen. In der 65. Minute bietet sich eine grosse Chance per Freistoss aus 18 Metern, doch Bertone verzieht deutlich. Die Partie kippt endgültig in der Schlussphase. In der 81. Minute schwächt sich Thun selbst entscheidend. Fehr geht ungeschickt in ein Duell mit Ajeti, sieht Gelb und da er bereits verwarnt ist, folgt Gelb-Rot. Thun muss die letzten Minuten zu zehnt bestreiten, ein schwerer Rückschlag im Meisterrennen.
Basel nutzt die Überzahl konsequent. In der 87. Minute fällt das 2:1. Salah zieht aus halbrechter Position ab, Steffen kann den Ball nicht festhalten. Ajeti steht goldrichtig, bekommt noch entscheidend den Fuss dazwischen und lenkt den Ball ins Tor. Die Partie ist gedreht, Thun liegt erstmals zurück. Die Nerven liegen nun blank. Nicht nur in der Kurve, sondern auch auf dem Platz. In der 89. Minute sieht Ibayi die Rote Karte, obwohl er sich bereits auf der Ersatzbank befindet. Nach einem unsportlichen Verhalten ausserhalb des Feldes wird er vom Schiedsrichter des Innenraums verwiesen. Es ist der zweite Platzverweis innert kürzester Zeit und unterstreicht die aufgeladene Schlussphase. In der 91. Minute entscheidet Basel die Partie endgültig. Der eingewechselte Koindredi kommt aus rund 17 Metern zum Abschluss und trifft präzise. Der Ball schlägt im Netz ein, 3:1. Spätestens jetzt ist klar, dass der FC Thun heute nicht Meister wird. Die letzten Minuten laufen, doch die Hoffnung ist verflogen.
Schlusspfiff und somit noch kein Titel für Thun. Applaus gibt es trotzdem für die Thuner aus der Kurve, so rasch lassen wir die Köpfe nicht hängen. Jedenfalls nicht wegen dem Spiel. Dagegen löst das heutige Sicherheits- und ÖV-Konzept in Basel doch ziemlich viel Frust aus bei uns Exil-Thunern. Erst ein unangekündigter Fanrückhalt bis gegen 23 Uhr und dann ein Verbot für Thunfans, vor Dreispitz irgendein ÖV-Fahrzeug betreten zu dürfen. Wer denkt sich so etwas aus? Wir sind weder der FCZ, noch sind wir Meister geworden heute. Und das in einem Fussballzeitalter, in dem die Spiele wegen der Fernsehrechte immer später angepfiffen werden. Bin ich halt erst um 2 Uhr Zuhause. Wer braucht schon frühen Schlaf als Meisteranwärter, trainieren wir schon mal für die nächste Freinacht.
Fortsetzung folgt!