Thun – Lugano

Thun – Lugano

Der nächste Versuch, endlich ein Heimspiel zu gewinnen, will gut vorbereitet sein. Auf leeren Magen lässt sich schliesslich schlecht leiden. Also geht es zuerst in den Kebab-Laden und danach ins Glühweindörfli. Weihnachten kann man schliesslich nie früh genug vorbereiten. Dass neben Party-Kernen und mir keine zehn Leute Lust auf einen Glühwein haben, ist mit Blick auf den Kalender verständlich. Oder liegt es doch eher an der Nervosität vor dem Spiel? Um 13.30 Uhr machen auch wir uns auf Richtung Stadion, das bereits ordentlich gefüllt ist. Vielleicht liegt das an der Biertrophy im Panorama Center, wo sich mit dem Einkauf von Bier und anderen Produkten Gratistickets ergattern liessen. Der Marktwert von Tickets für das Duell zwischen dem amtierenden und dem nächsten Meister scheint überschaubar.
Mit dem Anpfiff geht es munter los. In der 5. Minute zieht Moncada aus der Distanz ab, Bürgy hält den Fuss dazwischen. Zwei Minuten später schenkt Steffen den Ball Bislimi praktisch auf dem Silbertablett. Der will Moncada bedienen, doch Behrens steht zufällig in der Passlinie und entschärft die Situation unfreiwillig. Kurz darauf verschätzt sich Steffen bei einem langen Ball komplett, Bislimis Lupfer landet aber neben dem Tor. In der 15. Minute verschafft sich Reichmuth mit einer feinen Finte Platz und zieht ab. Von Ballmoos muss sich strecken, um den abgefälschten Schuss zu parieren. In der 31. Minute fehlt Karimov nach einem Doppelpass mit Bislimi nur ein Meter zum Traumtor. Drei Minuten später wird es dann chaotisch. Moncada schüttelt Bürgy nach einem hohen Steilpass ab und schlenzt den Ball an Steffen vorbei ins Netz. Der Linienrichter hebt die Fahne und entscheidet auf Abseits. Die Wiederholung zeigt allerdings eindeutig, dass Moncada nicht im Abseits gestanden hat. Der Treffer zählt, Lugano führt 0:1. Immerhin folgt die Antwort prompt. In der 37. Minute wirbelt Labeau über den rechten Flügel, zieht ab und zwingt von Ballmoos zur Parade. Der Goalie lässt den Ball nach vorne prallen, Zoukit rauscht heran und schiebt zum 1:1 ein. Geht doch!
In der Pause fällt unsere Analyse eher verhalten aus. Die Kadenz der Spiele ist inzwischen so hoch, dass sich eine gewisse Lethargie breitmacht. Auf dem Platz sehen wir die immer gleichen Fehler, daneben irgendwie auch. Daran ändert selbst das Regenwetter nichts. Ein Lob verdienen immerhin die Ultras auf beiden Seiten. Thun und Lugano verzichten auf Pyros, die bei diesen garstigen Bedingungen wohl ohnehin nur für zusätzliche Nebelschwaden mit entsprechenden Verzögerungen gesorgt.
Nach der Pause legt Lugano gleich los. Cimignani trifft in der 46. Minute nur das Aussennetz, drei Minuten später klingelt es dann tatsächlich. Nach einem Eckball landet der Ball bei Bislimi, der aus der Distanz abzieht. Der Schuss kommt zentral auf Steffen, ist weder abgefälscht noch besonders platziert, findet aber trotzdem den Weg ins Tor. 1:2. Thun sucht die Antwort. In der 56. Minute entscheidet sich Labeau im Strafraum für einen kunstvollen Abschluss mit dem Aussenrist statt für die einfache Variante. Der Ball fliegt über das Tor. Zwei Minuten später liegt Maier im Strafraum, doch der Pfiff bleibt aus. Im Gegenzug prüft Moncada Steffen, diesmal bleibt der Thuner Schlussmann Sieger. In der 73. Minute setzt Labeau nach einer Ecke zum Seitfallzieher an und verfehlt das Tor knapp. Es wäre ein Treffer gewesen, der den Nachmittag gerettet hätte. Stattdessen folgt drei Minuten später der nächste Nackenschlag. Bürgy schlägt bei einem hohen Ball ein gewaltiges Luftloch, Ajeti bedankt sich, läuft alleine auf Steffen zu und schiebt flach zum 1:3 ein. Das sieht dann doch sehr nach Vorentscheidung aus. Doch dann kommt mein Lieblingsitaliener Braschi ins Spiel. In der 87. Minute wird Zanotti aus kurzer Distanz am Arm getroffen. Der Arm befindet sich zwar weitgehend hinter dem Rücken, der Ellenbogen ragt aber noch hervor. Der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt. Ein umstrittener Elfmeter, aber in unserer Lage nehmen wir natürlich auch Geschenke. Braschi übernimmt in der 88. Minute die Verantwortung und verwandelt eiskalt zum 2:3. Plötzlich ist die Hoffnung zurück. Unter lautstarken Fangesängen wirft Thun nochmals alles nach vorne. In der 92. Minute lässt von Ballmoos eine Flanke fallen. Braschi lauert schon, doch der Lugano-Keeper macht seinen Fehler mit einer starken Parade wieder gut. Das wäre die Geschichte gewesen, die wir uns gewünscht hätten. Stattdessen pfeift der Schiedsrichter wenig später ab.
Lugano gewinnt 3:2, Thun bleibt ohne Heimsieg. Die Berner Oberländer zeigen gegen den Leader zwar eine engagierte Leistung, belohnen sich aber erneut nicht. Wir verlassen das Stadion mit dem Gefühl, dass mehr drin gewesen wäre. Vielleicht braucht es für den nächsten Anlauf zum Heimsieg nicht nur einen Kebab und einen Glühwein, sondern langsam auch ein kleines Fussballwunder.

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