Heute bin ich gut ausgerüstet. Mit stabilen Uster Bräu-Bierdosen bin ich in Thun. Leck ausgeschlossen. Und Aussenseitersieg ebenfalls. Eigentlich hätte ich für heute ein Billett für den Hockeymatch Langnau gegen Gottéron, gekauft schon letzten August. Aber das kurzfristig angesetzte Spitzenspiel Thun gegen St. Gallen geht vor. Auch weil Ostschweizer Freunde angereist sind. Gemeinsam geniessen wir den lauen Frühlingsabend auf der Esplanade vor dem Stadion. Und ich betätige mich als Hobbyfotograf, weil alle ein Erinnerungsfoto mit Thun-Maskottchen Münggu wollen. Nur als das Blick-Team bei uns vorbeikommt für ein Meister-Interview, gehe ich in Deckung. Ich war schon in der gestrigen Ausgabe auf Seite 6 als Motzki erwähnt. Party-Kernen springt ein und gibt das Interview. Die vielen Jahre Matchprognosen machen sich bezahlt.
Ein milder Frühlingsabend liegt über der Stockhorn Arena, als der Spitzenkampf zwischen dem FC Thun und dem FC St. Gallen angepfiffen wird. Leader gegen Verfolger, Berner Oberländer gegen Ostschweizer. Und gleich nach Spielbeginn geht es richtig los. Schon in der 2. Minute bebt die Stockhorn Arena zum ersten Mal. Nach einem Einwurf landet der Ball über Bertone und Labeau bei Kastriot Imeri. Der Thuner zieht im Strafraum ab, der Ball klatscht an die Lattenunterkante und springt ins Tor. Jubel bei den Berner Oberländern. Doch der Linienrichter hebt die Fahne. Labeau stand zuvor knapp im Abseits. Das vermeintliche 1:0 zählt nicht.
In der 3. Minute folgt gleich die nächste Szene. Imeri geht im Mittelfeld hart ins Duell mit Vandermersch und sieht früh die Gelbe Karte. Die Partie ist also von Beginn weg intensiv. Es wird viel gekämpft, viel diskutiert. In der 12. Minute geraten die Emotionen erneut hoch. Baldé trifft Montolio mit dem Fuss im Gesicht. Beide Teams geraten aneinander. Ab diesem Moment ist Baldé unser Buhmann. Schiedsrichter Johannes von Mandach zeigt Baldé und auch Bürki Gelb.
Die Partie bleibt physisch. Bereits nach gut zwanzig Minuten sind mehrere Spieler verwarnt. Die St. Galler kommen nun besser ins Spiel. In der 21. Minute tunnelt Baldé seinen Gegenspieler und holt einen Eckball heraus. Kurz darauf wird es gefährlich im Thuner Strafraum, doch die Berner Oberländer klären gemeinsam.
In der 31. Minute dann die grosse Chance für Thun. Rastoder dribbelt sich stark über die linke Seite durch und spielt in die Mitte zu Matoshi. Doch im entscheidenden Moment wird der Thuner gestört und verpasst den Ball.
Die Quittung folgt wenig später. In der 38. Minute entwischt ausgerechnet Baldé der Thuner Defensive. Montolio geht im Strafraum etwas zu ungestüm in den Zweikampf. Der VAR meldet sich, der Schiedsrichter zeigt auf den Punkt. Lukas Görtler tritt an und schiebt den Ball souverän ins Eck. In der 38. Minute führt St. Gallen mit 1:0. Wir toben.
Thun versucht vor der Pause zu reagieren. In der 46. Minute der vierminüttigen Nachspielzeit rutscht Rastoder nur knapp an einer Hereingabe vorbei. Kurz darauf zieht Imeri aus der Distanz ab, der Ball geht knapp am Pfosten vorbei. Wenig später zieht Vogt alleine auf Steffen los, doch der Thuner Keeper bleibt Sieger im Duell und verhindert den zweiten Gegentreffer. Dann ist Pause. Bier holen.
Nach dem Seitenwechsel drehen die Berner Oberländer auf. In der 48. Minute versucht es Bertone aus der Distanz, St. Gallen-Goalie Zigi pariert. In der 49. Minute zappelt der Ball erneut im Netz der St. Galler. Labeau schiebt ein, doch auch dieses Tor wird wegen Abseits aberkannt.
Der Druck der Thuner wird immer grösser. In der 54. Minute landet ein weiter Einwurf über Matoshi am ausgestreckten Arm von Gaal. Schiedsrichter von Mandach zeigt sofort auf den Punkt. Penalty für Thun. In der 55. Minute tritt Leonardo Bertone an. Der Mittelfeldspieler bleibt cool und schiebt den Ball sicher in die rechte Ecke. Keine Chance für Zigi. 1:1 für Thun.
Die Gastgeber bleiben am Drücker. In der 57. Minute wirbelt Rastoder durch die Abwehr der Gäste, wenig später scheitert Matoshi aus kurzer Distanz am stark reagierenden Zigi.
Dann fällt die verdiente Führung. In der 62. Minute bringt Imeri einen Eckball perfekt in den Strafraum. Genis Montolio löst sich von seinem Gegenspieler und köpft den Ball unhaltbar ins Netz. Die Stockhorn Arena explodiert. Thun führt 2:1.
Die Berner Oberländer kontrollieren danach das Spiel. St. Gallen findet lange kein Durchkommen. In der 66. Minute klärt Bamert stark gegen Vogt. In der 79. Minute kombinieren sich Ibayi und Rastoder sehenswert durch die Gästeabwehr, doch der Abschluss wird geblockt.
In der 88. Minute hat Thun die grosse Chance zur Entscheidung. Ibayi kommt aus nächster Nähe zum Abschluss, doch Zigi pariert. Sekunden später wird ein spektakulärer Fallrückzieher auf der Linie geklärt.
Die reguläre Spielzeit läuft ab. Vier Minuten Nachspielzeit werden angezeigt. Thun scheint den elften Sieg in Serie festzuhalten. Doch dann kommt die 95. Minute. Der Ball landet nach einer unübersichtlichen Szene plötzlich im Strafraum vor Christian Witzig. Der St. Galler zieht direkt per Dropkick ab. Der Ball fliegt unhaltbar ins rechte Eck. Keine Chance für Goalie Steffen. 2:2 in der allerletzten Sekunde.
Wenig später pfeift Schiedsrichter von Mandach die Partie ab. Nach einem wilden Schlagabtausch endet das Spitzenspiel zwischen Leader Thun und Verfolger St. Gallen 2:2. Bitter für die Berner Oberländer, die den Sieg schon vor Augen hatten. Der Vorsprung an der Tabellenspitze bleibt dennoch komfortabel bei 14 Punkten. Deshalb kann ich auch Party-Kernen beruhigen, der schon an den fussballerischen Weltuntergang denkt. Wir vereinbarten ein Oben-Ohne, falls Thun am nächsten Match im Wankdorf 3:0 in Führung geht. So wie unser Team aktuell aufgestellt ist, ist die Gefahr gross, dass es tatsächlich zu dieser Stripteaseeinlage kommt. Wir bitten jetzt schon um Entschuldigung.