Thun – Luzern

Thun – Luzern

Der heutige Spielbericht wird euch präsentiert von der Visana. Nein, Stopp, so weit sind wir noch nicht mit der Werbung auf thunfans.ch. Aber tatsächlich bin ich heute von einer Vidana-Schlüsselfigur eingeladen, um mir die Logen im Stadion anzusehen. Bei dieser kleinen Stadionführung sind ein Bier und eine Wurst inbegriffen. Wenn auch ohne Senf, vermutlich will man mich aufs Spitzenspiel vom nächsten Wochenende einstimmen. Ich schüttle in der weiss dekorierten Loge Fahrni die Hand und im Greenroom der Thuner Freunde Käppeli. Letzterer ist weit aus der gesprächiger der Beiden. Nur der anonyme Investor Mister X stellt sich mir nicht vor. Im Gespräch mit den Visana-Leuten muss ich erst mal erklären, was Stadionverbötler sind. Einer vermutet hinter diesem Begriff doch tatsächlich eine Polizistenbezeichnung. Einigkeit herrscht dagegen in unserer Gesprächsrunde, dass ein rotes Thun-Dress mit Visana-Logo jederzeit einem gelben Thun-Dress mit Härzbluet-Aufdruck vorzuziehen ist. Sorry Härzbluet-Geldeintreiber. Dann endet mein Abstecher in die Geheimlogen des FC Thun. Die Logen sind überbucht und einen Sitzplatz auf der Haupttribüne finde ich trotz Aussicht auf Gratisbier und Wurst ohne Senf mässig interessant.
Also rüber in die Stehkurve, wo sich ein Drama abspielt. Ein Influencer eines zweitklassigen Vereins wird von den Block Süd-Chefs am Eingang abgewiesen, trotz oder vielleicht gerade wegen des alibimässig im Fanshop gekauften Thun-Schals. Tralalavideos über den FC Thun brauchen wir echt nicht, da haben wir genug aus Eigenproduktion. Kriens-Abobesitzer werden dagegen geduldet, solange sie dort an jedem Spiel brav bei den Scheiss-Luzern-Rufen mitmachen und nicht zu Kurvengängern werden.
Das Spiel beginnt farbig. Die FCL-Kurve zeigt eine grosse Choreo und die FCT-Kurve feuert in Farbe und bunt. Selbstgedrehte Videos gibt es von beiden Aktionen nicht, wir sind schliesslich keine Influencer. Thun beginnt so stark, dass sich in der Kurve das Hochziehen der Blockfahne um mehrere Minuten verzögert. Sie kommt erst nach sieben Minuten zum Einsatz. Da könnte Thun schon mit zwei oder drei Toren führen. Thun spielt weiter stark. In der 16. Minute erobert Montolio energisch den Ball für Thun. Anschliessend lupft Ibayi das Spielgerät präzise auf Labeau, der es mit der Brust kontrolliert und per spektakulärem Fallrückzieher zum 1:0 vollendet. Echt stark. Und weiter gehts mit den tollen Thuner Aktionen. Erst ein Pfostenschuss von Ibayi, dann ein harter Schuss von Labeau. Und schliesslich wieder ein Tor. In der 34. Minute tritt Fehr einen Freistoss, den Montolio zum 2:0 verwertet. Und kurz darauf noch ein Tor. Bei einem der vielen Eckbällen heute steigt Bamert am höchsten und trifft zum 3:0. 36 Minuten sind da gespielt. Und noch vor der Pause hat Reichmuth das 4:0 auf dem Fuss, doch er setzt den Ball an die Latte.
In der Pause starten wir eine Fahndung nach dem Influencer aus der Fremde. Doch der ist noch schwieriger in die Hand zu kriegen als ein Bier am Getränkestand. Ohne zweitklassige Verstärkung, aber immerhin mit Bier kommen wir knapp auf Wiederanpfiff in die Kurve zurück.
Die Luzerner drücken nun auf den Ehrentreffer, doch sie kämpfen unglücklich. Stattdessen nutzt Thun die frei gewordenen Räume zum 4:0. Wobei die Szene in der 58. Minute ziemlich kurios ist. Meichtry wird auf der linken Seite mit einem langen Ball lanciert. Seine Flanke auf Reichmuth landet erst am Pfosten und danach in den Händen von FCL-Goalie Loretz. Kurze Irritation, dann zeigt der Schiedsrichter Tor an. Der Ball war hinter der Linie. Was die Stadionverantwortlichen so irritiert, dass sie auf dem Videowürfel ein 3:1 einblenden. Das wird dann wieder korrigiert, auch weil sich der VAR einschaltet. Doch auch dieser ist bald mal einverstanden. Und so bricht lauter Jubel aus, als es endlich 4:0 steht auf dem Videowürfel. Wirklich Gegenwehr kommt nun nicht mehr von der Luzernern. Ein Treffer fällt zwar noch, aber der ist ein Zufallsprodukt. In der 92. Minute schiesst Villiger der Ball knapp ins Tor, wobei der Schuss nicht unhaltbar scheint. Steffen wird es verkraften. Wir Fans sowieso.
Thun hat noch eine Chance zum 5:1, aber es endet beim 4:1. Der Jubel ist trotzdem gross, ob in der Stehkurve oder bei der Visana in der Loge. Oops, schon wieder Werbung gemacht.

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