FCZ – Thun

FCZ – Thun

Fuer einmal bleibt es ruhig an Zuerich gefaehrlichster Tramstelle. Hier am Kappeli haut schon mal Brian alias Carlos andere Trampassagiere um, waehrend vor GC-Spielen Gaestefans bruellend auf ihrem Fanmarsch durch die Strasse ziehen. Wie etwa die Thuner vor einem Jahr in der Barrage. Doch heute sind die Thunfans nur ganz weit im Hintergrund zu hoeren; um die Suedkurve nicht zu kreuzen, marschieren sie auf weiter stadteinwaerts liegenden Parallelstrassen Richtung Letzigrund. Dabei haette ich heute gerne am Kappeli kurz das Megafon uebernommen. Mitzuteilen haette ich naemlich, dass die Rechnung fuer die thunfans.ch-Reparatur ausgerechnet an den Exil-Thuner in Zuerich geschickt worden ist. 7750 Franken soll die Wiederherstellung kosten, das ist mehr als der gesamte Monatslohn der FC Breitenrain-Stammelf. Wenn das nicht Anlass genug ist fuer gelegentliche Bierspenden an uns thunfans.ch-Schreiberlinge.

Statt in den Gaestesektor verschlaegt es mich heute in den Sektor A7. Ich habe einen FCZ-Fan im Schlepptau. In den Reihen vor mir hat es auch andere Thunfans, mehrheitlich Familienmitglieder und Kollegen von Spielern. Auch wenn es die Plaetze nahe am Spielfeldrand zulassen wuerden, bleibt keine Zeit fuer ein Meet und Greet. Die Thuner spielen sich vollkonzentriert fuer die Partie ein, so wie es sich fuer ein Team gehoert, dass mit einem Punktgewinn die Tabellenspitze uebernehmen koennte. Auf den Raengen ist es ebenfalls schon ueberraschend laut, wobei die Thunfans aehnlich viele Schlachtrufe anstimmen wie die Suedkurve. Beim Einlauf der Teams sammeln die Gaestefans gleich noch mehr Ultrapunkte. Fuenf rote Pyros erleuchten Zuerich, so gut es an einem hellen Sommernachmittag um 18 Uhr eben moeglich ist. Obwohl es das ganze Spiel durch nicht eindunkelt, werden auf beiden Fanseiten weitere Pyros folgen.

Der FCZ startet mit mehr Ballbesitz in die Partie, waehrend Thun kompakt verteidigt und auf Konter lauert. In der 10. Minute setzt Umeh Emmanuel das erste Ausrufezeichen: Sein Schlenzer streicht nur knapp am rechten Pfosten vorbei. Meine FCZ-Begleitung schoepft Hoffnung. Doch unmittelbar nach der Zuercher Druckphase schlagen die Thuner eiskalt zu. In der 14. Minute leitet Ibayi den Ball an der Mittellinie perfekt weiter auf Rastoder, der frei auf FCZ-Goalie Brecher zulaeuft. Die FCZ-Versuche, den Angreifer doch noch zu stoppen, schlagen fehl. Rastoder schiesst zum 0:1 ein. Kurz darauf bietet sich Meichtry die grosse Chance zum Doppelschlag, doch Brecher pariert stark. Auf der Gegenseite landet wenig spaeter eine Flanke von Rodic an der Torumrandung. Im Stadion selbst schwoere ich, dass es der Innenpfosten war. Gemaess Party-Kernen-Faktencheck bei der TV-Zusammenhang wars die Latte. In der 41. Minute kommts dann noch besser fuer Thun. Meichtry tanzt im Strafraum seinen Gegenspieler aus und schlenzt den Ball gekonnt in die rechte Ecke, ein Traumtor.

Meine FCZ-Begleitung ist ziemlich bedient zur Pause. Und bedient mich zum zweiten Mal heute mit einem Bier. Das nenne ich Gastfreundschaft. Und Respekt vor dem virtuellen Tabellenfuehrer. Als ich noch raetsle, warum hier ein Thun-Fan im A7 sich fuer dieses Spiel ein Edelweisshemd angezogen hat (trotz harten Einsaetzen der Thuner Spieler bei den Zweikaempfen ist das hier doch kein Aelplerfest) kommen die beiden Teams schon zurueck auf den Platz. Nach dem Seitenwechsel erhoeht der FC Zuerich den Druck, doch Thun ist erweist sich weiterhin als das cleverere Team. In der 59. Minute erobern die Berner Oberlaender den Ball in der eigenen Haelfte. Rastoder zieht Richtung Strafraum und legt quer auf Ibayi, der aus 16 Metern Entfernung zum 0:3 trifft.

Die Reaktionen der Leute im Stadion sind mittlerweile eingeuebt. Die FCZ-Fans verwerfen die Haende, meine Begleitung flucht. Die Thunfans zuenden Pyros und jubeln lautstark. Die Euphorie hat viele von ihnen laengst so erhitzt, dass sie oben Ohne ohne auf und ab springen. Nur mit der Spielintelligenz haben es die Thunfans nicht so ganz. Als in der 87. Minute nach einem Zuercher Angriff der VAR den Schiedsrichter Marijan Drmic zum Red Car Check aufruft, starten Block Sued und Co. ein lautes Pfeifkonzert. Dabei wurde doch Bertone per Ellbogencheck zu Boden gedrueckt. Ein Stuermerfoul, das eine Rote Karte wert waere. Und tatsaechlich: Am TV-Bildschirm kommt der Schiedsrichter zur selben Erkenntnis und schickt FCZ-Keny vom Platz.

Nun hat meine FCZ-Begleitung genug. Wie so viele Zuercherinnen und Zuercher verlaesst sie schon vor Beginn der Nachspielzeit das Letzigrund. Auf Wiedersehen, auf Wiedersehen! Und eigentlich schade, denn Thun setzt auf und neben dem Platz nochmals einen Farbtupfer. In der 92. Minute klaert die Zuercher Abwehr eine Flanke unzureichend, Matoshi steht goldrichtig und trifft zum 0:4-Endstand. Kurz darauf ist Schluss. Der Pfiff des Schiedsrichters bleibt bei weitem nicht der einzige. Es folgt ein ohrenbetaeubendes Pfeifkonzert im Letzigrund. Nicht mal die Suedkurve will zur traditionellen Welle mit der FCZ-Elf ansetzen. Die Welle gibt es dagegen auf Thuner Seite, wieder mit vielen roten Rauchzeichen. Wir von thunfans.ch haben die Zeichen der Zeit verstanden. Wenn Thun tatsaechlich als Tabellenfuehrer die Super League rockt, kommen wir nicht darum herum, unsere Website zu reparieren. Also zahlen wir die 7750-Franken-Rechnung und planen fuer das Fulehung-Wochenende den Neustart von thunfans.ch.

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