- Season 2025 - 2026
- GC – Thun
- |
- 1:3
- 18/01/2026
Ticket eingescannt, kurz weggesteckt, das Drehkreuz bewegt sich, nur nicht mit mir. Und ich stecke fest im Stadioneingang. Denn Zürich ist zu schnell für mich. Eine Securityfrau befragt mich erst kurz und befreit mich dann aus der misslichen Situation. Willkommen im Letzigrund. Anders als in Winterthur gestern kann hier gespielt werden. Frostig ist der Januartag nicht, aber es zieht mal wieder ordentlich im Leichtathletikstadion. Wegen des Windschattens würde man sich mehr Zuschauer wünschen, doch abgesehen vom Gästesektor und der GC-Fanecke ist das Stadion kaum gefüllt. Offizielle Zuschauerzahl 4000. Immerhin Kaffee Lutz und Rumpusch gibt es als Gegenmittel gegen das garstige Wetter, aber nur gegen Twint- oder Kreditkartenguthaben. Womit der normalerweise doch so digitale Party-Kernen nicht mehr nur bei WhatsApp, sondern gleich auch noch am Getränkestand gesperrt ist. Dry January für unseren FCT-Influencer.
Doch was ist das schon im Vergleich zu einer richtigen Tragödie. In einer Trauerminute gedenken wir den Opfern der Brandkatastrophe von Crans-Montana. Es herrscht bedrückende Stille, ehe Schiedsrichter Luca Cibelli den Anpfiff freigibt und die Fankurven stimmungsmässig loslegen. Thun erwischt den deutlich besseren Start. Bereits nach fünf Minuten reicht ein langer Ball von Goalie Niklas Steffen, um die Zürcher Abwehr zu knacken. Rastoder setzt sich durch und lupft den Ball sehenswert über Hammel zum 0:1. Die Zürcher sind noch nicht sortiert und werden nur wenig später erneut kalt erwischt. In der 9. Minute kombinieren sich die Thuner fast widerstandslos durch die GC-Abwehr, Rastoder legt quer, Imeri schiebt überlegt zum 0:2 ein.
Nun greifen die GC-Fans zu Papier und Filzstift. Sie halten zwei Spruchbänder hoch. «Wer glaubt en Berner Oberländer chan Business in Züri leite het selber kei Ahnig vo sim Business!» Eine Nostaligiechoreo gegen Budi Latour, der vor 20 Jahren GC-Trainer war? Oder welcher Berner Oberländer wird da gedisst?
GC wirkt auch auf dem Platz verunsichert. Als ich kurz nicht hinschaue, jubeln die Thuner bereits wieder. Doch der Treffer von Bamert zählt in der 20. Minute wegen Offside nicht. Thun gibt weiter Gas. Labeau scheitert nach 22 Minuten an Hammels Fuss, wenig später streift ein Abschluss von Imeri am Tor vorbei.
Offensiv kommt von GC wenig. Ein einsamer Distanzschuss von Jonathan Asp Jensen bleibt harmlos. Thun macht es besser und schnuppert kurz vor der Pause erneut am dritten Treffer. Zuerst pariert Hammel stark gegen Matoshi, Sekunden später klatscht Labeaus Abschluss an den Pfosten. GC übersteht auch diese Druckphase mit viel Glück, weshalb das Pausenresultat ein viel zu knappes 0:2 ist.
Die Statistik spricht Bände: Sechs Thuner Abschlüsse auf das GC-Tor, kein einziger der Zürcher auf Steffen. Und doch wird es kurz noch einmal spannend. In der 50. Minute kommt GC nach einem Einwurf aus dem Nichts zum Anschlusstreffer, als Abels via Pfosten und Steffen trifft. Es bleibt jedoch ein Strohfeuer.
Thun übernimmt sofort wieder das Kommando. Wieder schaue ich kurz nicht hin, wieder jubeln die Thuner und wieder zählt der Treffer nicht.
Rastoder stand in der 52. Minute beim vermeintlichen 1:3 knapp im Abseits. In der 69. Minute belohnen sich die Berner Oberländer dann aber endlich wieder für ihre Dominanz: Rastoder tanzt Abels auf engstem Raum aus und legt von der Grundlinie zurück auf Fehr, der mit einem satten Abschluss trifft. Jetzt steht es wirklich 1:3. Und bald darauf 1:4, doch der VAR annuliert das Tor von Rastoder. Der Zähler wird zurückgedreht auf 1:3. Das Spiel lebt heute irgendwie nur von der Spannung, welche Thuner Tore zählen und welche nicht.
Thun drückt als eiskalter Leader weiter auf die Entscheidung. GC kommt kaum noch aus der eigenen Hälfte, Goalie Hammel steht im Dauereinsatz. In der Schlussphase sorgt eine weitere VAR-Intervention für Spannung. Platzverweis gehen Ismajl Beka oder nicht? Das Warten dauert lange. Dann ist klar: Der GC-Spieler erhält nach einem rüden Foul an Roth statt Gelb doch noch Rot. In der Nachspielzeit hat Thun schliesslich nochmals Pech. Erst trifft Tausendsassa Rastoder die Latte, dann sollte Thun einen Penalty kriegen. Der VAR prüft und entdeckt mal wieder ein Offside. Langweilig! Der erhoffte Penaltypfiff bleibt also aus, stattdessen beendet wenig später der Schlusspfiff die Partie. Wir Thuner jubeln über einen hochverdienten Erfolg, der bei besserer Chancenverwertung und mit etwas mehr Präzision bei den Offsideszenen viel deutlicher hätte ausfallen können. Denn Thun ist zu schnell für GC.
- Season 2025 - 2026
- Thun – FCZ
- |
- 4:2
- 20/12/2025
Die Stockhorn Arena vibriert schon lange vor dem Anpfiff. Es ist kalt, die Tribünen sind voll, und über allem liegt diese besondere Spannung eines letzten Spiels vor der Winterpause. Für Thun geht es um die Wintermeisterschaft, für den FC Zürich um Stabilität, um Luft, um Hoffnung. Im FCZ-Forum ist man nervös, skeptisch, fast schon vorbelastet.
„Mit dieser Abwehr kann das brutal werden.“
„Wenn wir hier punkten, dann nur mit viel Glück.“
Die Zweifel der Gästefans sind da, noch bevor der Ball rollt. Und bevor dieser rollt, gibt es auf beiden Seiten viel Pyros und entsprechend viel Rauch. Der FC Zürich beginnt trotz allen Nebelschwaden konzentriert. Die Mannschaft steht kompakt, spielt ruhig, fast abgeklärt. Thun hat den Ball, aber Zürich die Kontrolle. In der 12. Minute fällt das 0:1: Lindrit Kamberi steigt nach einem ruhenden Ball am höchsten und nickt ein. Im Gästeblock Jubel, im FCZ-Forum vorsichtige Erleichterung.
„Gut verteidigt bisher. Genau so weitermachen.“
„Endlich mal ein Standardtor für uns.»
Zürich bleibt präsent, lauert, lässt Thun laufen. In der 25. Minute schlägt man erneut zu. Phaëton schliesst entschlossen ab, der Ball liegt im Netz, 0:2. Jetzt fühlt es sich kurz so an, als hätte der FCZ dieses Spiel im Griff. Als könne man den Abend sauber, unspektakulär, professionell zu Ende bringen.
Doch selbst jetzt mischt sich Misstrauen ins FCZ-Forum:
„Thun kommt nach der Pause wie die Feuerwehr, wartet ab.“
„Wir ziehen uns zu weit zurück.“
Die Führung beruhigt die FCZ-Fans – aber sie überzeugt nicht.
Dann die zweite Halbzeit. Thun kommt verändert aus der Kabine. Aggressiver, direkter, lauter. Zürich wirkt plötzlich passiv, verliert zweite Bälle, steht tiefer. In der 53. Minute fällt der Anschlusstreffer: Rastoder trifft, und mit dem Tor erwacht das Stadion.
Im Forum kippt die Stimmung sofort:
„Das war absehbar.»
„Warum greifen wir nicht früher an?»
„Jetzt wird’s ungemütlich.»
Thun drückt weiter, der FCZ findet keinen Rhythmus mehr. Die Abwehr wackelt, das Mittelfeld kommt nicht mehr nach. Nach einem Eckball ist es Bürki, der zum 2:2 einköpft. Die Stockhorn Arena explodiert. Und im FCZ-Forum herrscht Fassungslosigkeit.
„Komplett offen hinten.“
„Brecher ohne Unterstützung.“
„Das passiert, wenn du aufhörtst, Fussball zu spielen.»
Der FCZ ist jetzt nur noch Reaktion. Keine Kontrolle, keine Ruhe, kein Zugriff.
Thun glaubt jetzt an alles. Der FCZ wirkt müde, mental wie körperlich. In der 85. Minute passiert das, was viele kommen sehen: Ibayi schliesst einen schnellen Angriff ab – 3:2. Die Führung für Thun. Wintermeisterschaft zum Greifen nah.
Im FCZ-Forum entlädt sich der Frust:
„Wie kann man so ein Spiel herschenken?“
„Das ist mental schwach.“
„Zwei Gesichter, aber das zweite ist peinlich.»
Zürich wirft noch einmal alles nach vorne, doch ohne Struktur. Und dann, kurz vor Schluss, der endgültige Stich: Fabio Fehr trifft zum 4:2. Das Stadion bebt. Das Spiel ist entschieden.
Während Thun feiert, herrscht bei den Zürcher Fans nach Abpfiff Leere. Im Forum analysiert man, kritisiert, hadert.
„Nicht wegen einzelner Szenen verloren, sondern wegen fehlender Konsequenz.“
„Abwehr, Mentalität, Spielmanagement – alles Thema.“
„Winterpause kommt gerade recht.»
Es ist kein unglückliches Spiel, das Zürich hier verliert. Es ist ein Spiel, das man aus der Hand gibt. Eine starke erste Halbzeit reicht nicht, wenn danach Mut, Ordnung und Präsenz verschwinden.
Dieses Spiel erzählt keine Geschichte von Pech, sondern von Dynamik. Vom Moment, in dem Thun spürt, dass mehr möglich ist – und vom Moment, in dem Zürich beginnt zu zweifeln. Der FC Thun spielt sich mit Energie, Glauben und Wucht zur Wintermeisterschaft. Der FCZ steht daneben und fragt sich einmal mehr, warum Stabilität so schwer zu finden ist.
Ein Abend, der zeigt:
Fussball entscheidet sich nicht bei 0:2 – sondern bei der Frage, was danach kommt.
- Season 2025 - 2026
- Winterthur – Thun
- |
- 1:4
- 16/12/2025
Schützenwiese Winterthur. Der richtige Ort für ein Schützenfest? Gut, zuerst müssen wir erst mal reinkommen ins Stadion. Zwischen Heimsektor und Gästesektor stehen mehr Polizisten als an einer 1. Mai-Demo in Zürich. Dafür sitzt an der Abendkasse genau eine Dame. Die druckt jedes Ticket einzeln aus. Und das dauert. Auch weil der FCW vor dem Spiel keine Tickets ins Berner Oberland geschickt hat. Und selbst wenn man ein Ticket ergattert hat, kommt man nicht einfach rein. «Ticket ungültig» heisst es bei mir am Screen am Eingang. Das Ticket muss erst noch warm werden, wird mir erklärt. Und das dauert seine Zeit so kurz vor dem 4. Advent. Doch schliesslich klappts und ich bin in der Kurve und als Erstes am Bierstand. Hier gibts Bier mit Schuss. Also mit einem Schuss Rapsound, denn wer beim Bierkauf den QR-Code einscannt, landet nicht etwa auf Twint, sondern bekommt einen Rapsong den Bierverkäufers vorgespielt. Das nenne ich Marketing. Und ich ziehe gleich mit, in dem ich am roten Anschlagebrett neben dem Bierstand etwas Wahlwerbung in eigener Sache anhefte. Winti ist schliesslich Agglo Zürich.
Das Spiel beginnt verhalten. Das Heimteam hat in der Anfangsphase häufiger den Ball, weiss aber wenig damit anzufangen. Um so eindrücklicher ist es, als der FC Thun mit seiner Druckphase beginnt. In der 20. Minute setzt sich Meichtry setzt sich im Laufduell gegen Durrer durch und lässt anschliessend Diaby aussteigen. Dann schlenzt der Thuner den Ball zum 1:0 ins Tor. Ein motivierter Thunfan zündet auf dem Zaun eine Pyro. In der 22. Minute wird eine Hereingabe von Heule noch abgelenkt und landet in hohem Bogen hinter Winti-Keeper Kapino im Tor. Offizieller Torschütze Rastoder 2:0. Und noch eine Pyro des motivierten Thunfans. Für den Farbtupfer sorgt der Winti-Captain. In der 26. Minute Arnold zupft als letzter Mann am Trikot von Rastoder. Der Schiedsrichter entscheidet auf Notbremse und Rot.
Nun könnte es ein ruhiger Abend werden, doch Winti gibt dich nicht geschlagen. Vor allem die Angriffe über den rechten Flügel sibd gefährlich. Und tatsächlich gelingt dem Team in Unterzahl ein Tor. Hunziker schiesst in der 38. Minute zum 1:2 ein. Doch Thun lässt sich nicht beirren. Ein schöner Distanzschuss von Roth und schon führt Thun wieder mit zwei Toren. Wir jubeln laut. Auch weil es der allererste NLA-Treffer von Roth ist. Nur Pyros hat selbst der motivierte Thunfan keine mehr.
So gehts in die Pause und wieder ins Bier. Die Rap-Zugabe lassen wir dieses Mal sein.
Im der 2. Halbzeit nimmt Thun das Tempo aus dem Spiel. In keiner Phase läuft man Gefahr, den Sieg noch aus der Hand zu geben. Winti ist zwar bemüht, kommt aber nicht wirklich zu Chancen. Das Spiel knorzt, was für uns okay ist. Mit dieser Gemütlichkeit landen wir in der vierminütigen Nachspielzeit. Hier fasst sich der spät eingewechselte Ibayi ein Herz und schiesst zum 1:4 ein. Es ist die letzte Szene des Spiels. «Wintermeister! Wintermeister!» schreien wir. Wobei das etwas übermütig ist, weil gleichzeitig St. Gallen 3:1 gegen Sion gewinnt. Eine Runde vor dem Winterpause ist es somit drei Punkte plus ein knapp besseres Torverhältnis Vorsprung auf die Ostschweizer. Wir feiern trotzdem. Für uns war das heute hier in Winterthur ein perfektes Schützenfest.
- Thun – St. Gallen
- |
- 0:2
- 13/12/2025
Luca Piccolo heisst der Mann, der uns heute als Schiedsrichter durch den Abend in Thun begleitet. Und zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass heute schon vor Anpfiff die Sicht schlecht ist im Oberland. Nebel. Und schlecht ist auch die Stimmung. «Mä chönnt meine, hütt heimer ihr Clubgschicht nid di eimaligi Chance, Gschicht z’schribe u Wintermeister z’wärde». Das steht gemeinsam mit viel mehr Text an den Wänden der geschlossenen Vorplatzbar. Und das steht auf einem Flyer, der an die 9200 Matchbesucher verteilt wird. Die Kurve vermisst d’Wärtschetzig von der Vereinsführung und verzichtet deswegen auf den organisierten Support in den ersten 12 Spielminuten. Keine Gesänge, keine Fahnen, keine Stimmung. Wir von thunfans.ch können das nachvollziehen und kritisieren höchstens, dass dieses Zeichen schon im Winter 2019 hätte gesetzt werden können. Vielleicht fällt ein amateurhaftes Verhalten eines Klubs einfach besser auf, wenn man Tabellenführer in der Super League ist.
So sind es die zahlreichen Gästefans, die in den Startminuten die Farbtupfer setzen. Mit Pyros. Ist klar. Aber auch mit Buchstaben-Choreos. Die vier Buchstaben F, C, S und G sind dabei weniger unser Ding als die Buchstaben A, C, A und B. Weil heute der 13.12. ist. Es ist ein Statement «gege Bulle», wie mit einem Spruchband allen Stadionneulingen erklärt wird. Dann sind die 12 Minuten Wartezeit im Block Süd um, worauf auch die Thunfans erst mit Konfetti und dann mit Pyros Farben ins Spiel bringen. Sieht gut aus alles. Nur der Nebel wird so halt dicker. Wobei in der 22. Minute die Sicht eigentlich noch gut wäre. Okoroji passt geschickt zu Baldé, der zum 0:1 einschiesst. Doch der steht im Abseits. Der Treffer zählt nicht. Zuerst jedenfalls. Weil es meldet sich der VAR. Zwei Minuten Zeit lässt er sich und dann entscheidet er auf Tor. Ein Entscheid, der auch mit Fernsehbildern schlecht zu erklären ist. Thun liegt also im Rückstand. Und erspielt sich bald darauf mehrere Chancen. Nach einem Freistoss von Fehr scheitert Bertone nach einem Abpraller. Auch der nachfolgende Eckball wird gefährlich, aber Neziri stürzt sich in den Schussversuch eines Thuners. Und der Schiedsrichter entscheidet auf Freistoss St. Gallen. Nicht die einzige sonderbare Entscheidung heute Abend. Weil später auch Meichtry scheitert, geht Thun nach dreiminütiger Nachspielzeit mit einem Rückstand in die Pause.
Die zweite Halbzeit ist auf den Rängen spektakulärer als auf dem Feld. Erst zünden die Stadionverbötler aus der Ostschweiz draussen ein Feuerwerk, das man aber im Nebel nur erahnen kann. Dann feuert die Gästekurve und schliesslich auch wieder die Thunfans. Nun ist die Sicht definitiv am Arsch. Und mitten im Nebel jubeln die St. Galler. Tor? Nein Penalty! Bamert hat angeblich Efekele gefoult. Boukhalfa läuft an und trifft. 77 Minuten sind da gespielt. Und kurz darauf wird gar nicht mehr gespielt. Zu viel Nebel. Es ist schon der zweite nebelbedingte Spielunterbruch heute Abend. Hinzu kommen viele Unterbrüche wegen Schauspieldarbietungen der St. Galler Spieler. Luca Piccolo hat das Spiel nicht im Griff.
Irgendwie erreichen wir doch die 90. Minute. Und da gibt es passend zum heutigen Abend 12 Nachspielminuten. Selten gesehen.
Thun kämpft weiter. Doch der Ball ist selten im Spiel. Heute gibts wirklich viel Schauspielerei. Zugegenermassen sind aber die Thuner Angriffe auch recht schwach. Da reichen 12 Minuten nicht für einen Treffer und auch nicht die 13 Minuten, die es schliesslich werden bis zum Schlusspfiff. Thun verliert und ist doch nicht Wintermeister. Noch nicht. Aber der Vorsprung auf den FCSG beträgt immer noch drei Punkte. Ein auf Wiedersehen an Luca Piccolo und an alle andren, die heute im Stadion häufig nicht den Durchblick hatten.
- Season 2025 - 2026
- Thun – Luzern
- |
- 4:1
- 06/12/2025
Der heutige Spielbericht wird euch präsentiert von der Visana. Nein, Stopp, so weit sind wir noch nicht mit der Werbung auf thunfans.ch. Aber tatsächlich bin ich heute von einer Vidana-Schlüsselfigur eingeladen, um mir die Logen im Stadion anzusehen. Bei dieser kleinen Stadionführung sind ein Bier und eine Wurst inbegriffen. Wenn auch ohne Senf, vermutlich will man mich aufs Spitzenspiel vom nächsten Wochenende einstimmen. Ich schüttle in der weiss dekorierten Loge Fahrni die Hand und im Greenroom der Thuner Freunde Käppeli. Letzterer ist weit aus der gesprächiger der Beiden. Nur der anonyme Investor Mister X stellt sich mir nicht vor. Im Gespräch mit den Visana-Leuten muss ich erst mal erklären, was Stadionverbötler sind. Einer vermutet hinter diesem Begriff doch tatsächlich eine Polizistenbezeichnung. Einigkeit herrscht dagegen in unserer Gesprächsrunde, dass ein rotes Thun-Dress mit Visana-Logo jederzeit einem gelben Thun-Dress mit Härzbluet-Aufdruck vorzuziehen ist. Sorry Härzbluet-Geldeintreiber. Dann endet mein Abstecher in die Geheimlogen des FC Thun. Die Logen sind überbucht und einen Sitzplatz auf der Haupttribüne finde ich trotz Aussicht auf Gratisbier und Wurst ohne Senf mässig interessant.
Also rüber in die Stehkurve, wo sich ein Drama abspielt. Ein Influencer eines zweitklassigen Vereins wird von den Block Süd-Chefs am Eingang abgewiesen, trotz oder vielleicht gerade wegen des alibimässig im Fanshop gekauften Thun-Schals. Tralalavideos über den FC Thun brauchen wir echt nicht, da haben wir genug aus Eigenproduktion. Kriens-Abobesitzer werden dagegen geduldet, solange sie dort an jedem Spiel brav bei den Scheiss-Luzern-Rufen mitmachen und nicht zu Kurvengängern werden.
Das Spiel beginnt farbig. Die FCL-Kurve zeigt eine grosse Choreo und die FCT-Kurve feuert in Farbe und bunt. Selbstgedrehte Videos gibt es von beiden Aktionen nicht, wir sind schliesslich keine Influencer. Thun beginnt so stark, dass sich in der Kurve das Hochziehen der Blockfahne um mehrere Minuten verzögert. Sie kommt erst nach sieben Minuten zum Einsatz. Da könnte Thun schon mit zwei oder drei Toren führen. Thun spielt weiter stark. In der 16. Minute erobert Montolio energisch den Ball für Thun. Anschliessend lupft Ibayi das Spielgerät präzise auf Labeau, der es mit der Brust kontrolliert und per spektakulärem Fallrückzieher zum 1:0 vollendet. Echt stark. Und weiter gehts mit den tollen Thuner Aktionen. Erst ein Pfostenschuss von Ibayi, dann ein harter Schuss von Labeau. Und schliesslich wieder ein Tor. In der 34. Minute tritt Fehr einen Freistoss, den Montolio zum 2:0 verwertet. Und kurz darauf noch ein Tor. Bei einem der vielen Eckbällen heute steigt Bamert am höchsten und trifft zum 3:0. 36 Minuten sind da gespielt. Und noch vor der Pause hat Reichmuth das 4:0 auf dem Fuss, doch er setzt den Ball an die Latte.
In der Pause starten wir eine Fahndung nach dem Influencer aus der Fremde. Doch der ist noch schwieriger in die Hand zu kriegen als ein Bier am Getränkestand. Ohne zweitklassige Verstärkung, aber immerhin mit Bier kommen wir knapp auf Wiederanpfiff in die Kurve zurück.
Die Luzerner drücken nun auf den Ehrentreffer, doch sie kämpfen unglücklich. Stattdessen nutzt Thun die frei gewordenen Räume zum 4:0. Wobei die Szene in der 58. Minute ziemlich kurios ist. Meichtry wird auf der linken Seite mit einem langen Ball lanciert. Seine Flanke auf Reichmuth landet erst am Pfosten und danach in den Händen von FCL-Goalie Loretz. Kurze Irritation, dann zeigt der Schiedsrichter Tor an. Der Ball war hinter der Linie. Was die Stadionverantwortlichen so irritiert, dass sie auf dem Videowürfel ein 3:1 einblenden. Das wird dann wieder korrigiert, auch weil sich der VAR einschaltet. Doch auch dieser ist bald mal einverstanden. Und so bricht lauter Jubel aus, als es endlich 4:0 steht auf dem Videowürfel. Wirklich Gegenwehr kommt nun nicht mehr von der Luzernern. Ein Treffer fällt zwar noch, aber der ist ein Zufallsprodukt. In der 92. Minute schiesst Villiger der Ball knapp ins Tor, wobei der Schuss nicht unhaltbar scheint. Steffen wird es verkraften. Wir Fans sowieso.
Thun hat noch eine Chance zum 5:1, aber es endet beim 4:1. Der Jubel ist trotzdem gross, ob in der Stehkurve oder bei der Visana in der Loge. Oops, schon wieder Werbung gemacht.
- Season 2025 - 2026
- Lausanne – Thun
- |
- 2:1
- 30/11/2025
They call me the wanderer
Yeah, the wanderer
I roam around, around, around.
Heute will ich mir einen neuen Ground sichern. Im Stade de la Tuilière war ich noch nie. Die Herausforderung ist, dass die Lausanner Verkehrsbetriebe den Gästefans keinen ÖV zur Verfügung stellen. Was bei einem Spiel in der neuen Heimstätte von Lausanne-Sport besonders nervt, denn diese ist eine Stunde zu Fuss vom Bahnhof entfernt. Alles bergauf. Die Pontaise ist ein Katzensprung dagegen. Und so nehme ich mit dem Block Süd eine Wanderung in Angriff, die für Ü40-Leute eine ziemliche Herausforderung ist. Wobei die Jungs in so einem Laufschritt unterwegs sind, dass ich früh den Anschluss verliere. Es ist wie eine Bergetappe der Tour de France. Kollege Wyttenbach bleibt bald mal im Strassengraben liegen. Nein, er kippt schon nicht ganz um. Aber er röchelt so stark, dass er nicht mal mehr mit mir mithalten kann. Mit Ex-Fanarbeiter Dave entklimme ich die Hügel von Lausanne weiter, wobei wir mit Ausnahme eines WC-Zwischenhaltes in einem Stadtpark einigermassen gut vorankommen. Dass es da auch noch zu regnen beginnt, schlägt zusätzlich auf die Stimmung. Nach 60 Minuten erreichen wir das Stadion, wo wir erst noch mit der Polizei diskutieren, in welcher Ecke der Tuilière-Stadionanlage wir überhaupt willkommen sind. Nach 60 Minuten Fussmarsch haben wir unser Ziel erreicht. Wobei noch nicht ganz. Der Gästesektor ist von unten bis oben voller Querstangen, was für das Erreichen der Stehplatzreihen mehr Turnübungen verlangt, als wir es aus den Turnstunden im Schadau-Gymer gewonnen sind. So wird jeder von uns zum Donghua Li.
Das Spiel beginnt mit viel Feuer und Rauch. Auf den Thuner Rängen wird nämlich ordentlich eingeheizt. Die Sicht ist entsprechend schlecht. Aber auch im Nebel von Lausanne können wir bruchstückhaft erkennen, dass das Heimteam den besseren Start erwischt. In der 13. Minute flankt Diakité auf Lekoueiry, der per Kopf zum 1:0 einschiesst. In der 16. Minute der nächste gefährliche Schuss von Diakité. Bamert geht dazwischen, kommt aber mit der Hand an den Ball. Penalty. Bair läuft an und trifft. 2:0. Dann aber Aufregung bei einem Thuner Angriff. Sigua bringt Roth zu Fall. Penalty. Oder nicht? Der VAR schaut sich die Szene lange an. Aber er gibt den Penalty nicht.
Drama gibt es auch neben uns im Heimsektor, in dem die Sanitäterinnen eine sichtlich unterkühlte Anhängerin von Thun pflegen müssen. Das kalte Winterwetter geht an die Substanz, da können die beiden Kurven noch so viel zünden.
Mit dem 2:0 geht es in die Pause. Die Wartezeit am Verpflegungsstand ist lang. Es wird mit jedem Kunden ausführlich diskutiert, dass die Hamburger ausverkauft sind. Dabei wollen die meisten von uns doch nur ein Bier.
Die zweite Halbzeit beginnt mit viel Emotionen, auch weil sich die Lausanner immer wieder hinlegen. So auch ein Verteidiger in der 50. Minute. Es herrscht Uneinigkeit bei den Thunern, ob man den Ball ins Aus spielen will. Es kommt zum Techtelmechtel zwischen dem Lausanner Goalie und Rastoder. Der schubst und kassiert dafür die Gelbe Karte. Weil es seine Zweite ist, muss er vom Platz. Ein harter Entscheid.
Thun lässt trotz Unterzahl nicht locker. Und erkämpft sich schliesslich einen Penalty. Soppy stoppt Heule grenzwertig. Der VAR schaltet sich ein. Und entscheidet dieses Mal auf Elfmeter. Bertone setzt sich den Ball und trifft. 67 Minuten sind da gespielt. Thun macht die Räume trotz Untetzahl eng. Reichmuth hat eine gute Chance, wenig später auch Montolio. Aber der Ball will nicht rein.
Dann ist Schluss. Es regnet in Strömen. Was für eine Ausgangslage für die Wanderung zurück an den Bahnhof. Ich überlege kurz die Sinnhaftigkeit und ziehe dann den Extrajoker. Ich nehme den Bus 1 zum Stadion. Solange keine Fans auf der Strasse sind, gilt freie Fahrt. Und so trete ich im Trockenen die Heimreise an.
- Season 2025 - 2026
- Thun – Lugano
- |
- 0:1
- 22/11/2025
Minus sechs Grad. Kein Wetter, um Fussball zu spielen. Aber als Fan des Super-League-Leaders lässt man sich nicht so leicht beirren und ist eiskalt. Wir wärmen uns mit Glühwein auf. Als Erstes im Glühweinhaus am Bahnhof, wo Kollege Party-Kernen schon wieder einen vollen Sammelpass einlöst. Bei mir ist es Glühwein Nummer Zwei im ganzen Winter. Topseriös nehme ich den Glühwein ohne Schuss, worauf mir der Kollege aus Oberdiessbach aus seinem Flachmann ordentlich viel Schnaps reinschüttet. Das gibt warm ums Herz. Weniger Glück habe ich an der Block Süd-Bar vor dem Stadion. Der Glühwein ist bereits ausverkauft. Dafür erhalte ich drinnen im Stadion an der Theke noch den allerletzten Becher aus dem Glühweintank. So viel Glück hatte ich in den letzten Jahren selten beim FC Thun. Nur zittert in der Fankurve meine errötete Hand so sehr, dass ich immer wieder Glühwein ausschütte. Ich werde alt und kalt. Um so erwärmender, dass erst die Thunfans eine erste Pyro zünden noch vor Anpfiff und dann auch die kompakte, aber laute Lugano-Kurve mit einer Rakete mitzieht. Hier hat niemand vor, mit leeren und kalten Händen das Stadion zu verlassen.
Lugano startet besser ins Spiel, aber Steffen hält stark. Mit fortlaufendem Spielverlauf kommt auch Thun zu Chancen. Statt passend zum Wetter eiskalt verwertet zu werden, werden sie vergeben. Besonders eine Szene sorgt für hitzige Diskussionen: Kurz vor der Pause scheitert Imeri mit einem Abschluss an Lugano-Verteidiger Zanotti. Doch hat der den Versuch mit dem Ellbogen abgewehrt? Der VAR meldet sich nicht. 0:0 steht es nach 45 Minuten.
In der Bier-Warteschlange wärmen wir uns kurz auf, bevor es wieder in die Kühlbox zurückgeht. Dort gefallen uns die Thuner. Imeri spielt stark, Heule vergibt eine Topchance, Roth scheitert, dann wieder Imeri. Das Auslassen der Chancen ist zum Haareraufen. Gut trägt heute jeder eine Kappe. Dann die 74. Minute. Bei einem Angriff gräscht Bislemi Thun-Goalie Steffen um. Stürmerfoul, klar. Aber auch Rot. Ein harter Entscheid.
Thun somit in Überzahl. Und weiter in der Offensive. Doch der Ball will nicht rein. Das rächt sich normalerweise. Und auch heute. In der 84. Minute gewinnt Koutsias das Duell gegen Dähler durch und lanciert Cassano. Der ist wirklich eiskalt und wuchtet den Ball ins Netz. 0:1. Thun hat noch Zeit, auch weil sechs Nachspielminuten angezeigt werden. Rupp versucht es, auch Meichtry. Aber dann ist Schluss. Thun verliert das Spiel in der Kühlbox Stockhorn Arena und bleibt doch Leader. Eigentlich wäre da der Wintermeistertitel verdient, aber die Super League will trotz der eisigen Temperaturen noch einen ganzen Monat lang weiterspielen. Ja dann hoffen wir mal, dass bis zum nächsten Match die Glühweintanks wieder aufgefüllt sind.
- Season 2025 - 2026
- Servette – Thun
- |
- 0:1
- 08/11/2025
Heute Abend spielt Thun gegen Servette. Party-Kernen und ich treffen uns, um das Spiel gemeinsam zu verfolgen. Er kommt direkt von einer Fussballspritztour. Im Wankdorf hat YB, die Zweite, gegen Cham 1:1 gespielt. Ich komme vom Bundesligaschauen vor dem Fernseher, wo Bayern und der HSV mal wieder bewiesen haben, dass sich im Fussball das Fighten bis ganz zum Schluss lohnt. Unser Treffpunkt ist nicht das Stade de Genève, sondern das Hallenstadion, das sich fürs Wochenende den Namen «Heubode» gegeben hat. Trauffer ist on tour und Party-Kernen und ich mittendrin im Musikspektakel. Die Verbindung nach Genf ist durch unsere Handys sichergestellt. Und während Trauffer zu singen beginnt über idyllische Orte am Brienzersee oder unter Zwetschgenbäumen, passt das Verfolgen des Spiels am Bildschirm perfekt. Denn auch in Genf wird in der Startviertelstunde vor allem auf den Bildschirm gestarrt. Dem VAR sei Dank.
In der 10. Minute erobert sich Roth den Ball und zieht direkt auf das Tor von Servette los. Douline bringt den Thuner zu Fall – und Schiedsrichterin Blanco zeigt auf den Punkt! Penalty? Oder doch Freistoss? Die Entscheidung dauert lange. Weil sich der VAR einschaltet, gibt es schlussendlich doch nur einen Freistoss für Thun.
Nur drei Minuten später, in der 13. Minute, wiederholt sich das Ganze beinahe eins zu eins: Nach einem weiten Einwurf von Heule springt der Ball an die Hand von Servette-Verteidiger Bronn – und erneut zeigt Schiedsrichterin Blanco auf den Punkt! Penalty? Oder wieder nicht? Die Entscheidung dauert lange. Der VAR meldet sich und nimmt auch diesen Penalty für Thun zurück: Unabsichtliche Handberührung, also doch Abstoss.
Zum Glück stimmt Trauffer ein Gute-Laune-Feuerwerk an, sonst würden sich Party-Kernen und ich uns wohl nur noch mehr ärgern. Und wie passend: Ein ganzer 15-Minuten-Block Italosongs! Wer, wenn nicht die Italiener, weiss besser, wie es ist, vom Schiri-Team übervorteilt zu werden?
Bis zur Pause übernimmt mit Servette vor allem das Heimteam zunehmend die Kontrolle. Das Spiel wird körperbetonter, doch zwingende Torchancen bleiben aus.
Während sich unsere Jungs in Genf verpflegen können, ist für uns in Zürich der Weg zum Bier zu weit. Pausen? Fehlanzeige. Nur zwei Mal scheint das Konzert vorzeitig zu enden, doch das Publikum hebt in bester VAR-Manier den Entscheid auf und erzwingt mit lautem «Zugabe, Zugabe!» die Fortsetzung. Und noch eine Szene im Konzertsaal, der ans Fussballstadion erinnert. Plötzlich springt ein junger Mann oben ohne auf die Bühne. Ganz wie bei den Ultras gehört die Sixpack-Show offenbar dazu, sie ist das Startsignal für den nächsten Fangesang. «Das chuunt eus spanisch vor.» Mit Ehrengast Maja Brunner in ganz breitem Züridütsch. Kurz habe ich als Stadtzürcher meinen Heimatmoment, doch schon folgt für Party-Kernen die nächste Hymne aufs Berner Oberland. Die Stimmung ist ausgelassen, wird aber plötzlich getrübt. «1:0 für Servette» wird aus Genf gemeldet.
Über Stevanovic kommt der Ball zu Antunes, der sich dreht und abschliesst. Bamert fälscht noch entscheidend ab und so zappelt nach rund einer Stunde der Ball im Netz. Doch es ist nicht die Führung für Servette: Wieder meldet sich der VAR und pocht darauf, dass Stevanovic rund 30 Sekunden zuvor im Abseits stand. Es bleibt beim 0:0.
In Zürich werden für die zweite Konzertzugabe Plastikkühe verteilt. Und das ganze Stadion singt: «Doch Sie het Müeh mit de Chüeh, Müeh mit de Chüeh, Müeh mit de Chüeh, Müeh mit de Chüeh.»
Zugleich könnte man in Genf singen: «Doch er het Müeh mit däm Ball, Müeh mit däm Ball, Müeh mit däm Ball, Müeh mit däm Ball.» Mit Fingerzeig auf Servette-Goalie Mall. Kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit wird der aufgerückte Bürki in Strafraumnähe gefoult. Bertone legt sich den Ball zurecht, er tut das nur, weil Imeri, Freistoss-Spezialist Nummer eins, kurz zuvor ausgewechselt worden ist. Rund 23 Meter beträgt die Distanz. Bertone nimmt nur kurzen Anlauf, der Ball steigt über die Mauer und senkt sich im richtigen Moment oben links ins Netz. Servette-Goalie Mall zuckt nicht mal und schaut ziemlich verdutzt in die Genfer Nacht.
Die Thuner Fankurve bejubelt zur 90. Minute die Führung und ist in diesem Moment wohl noch lauter als die Trauffersche Fankurve im Hallenstadion. Und dann enden um 22:23 Uhr beide Spektakel nahezu zeitgleich. Hier das tolle Konzert, dort das tolle Spiel. Was beiden Veranstaltungen zugleich ist: In Zürich, wie in Genf gehen Berner Oberländer als viel umjubelte Sieger vom Platz.
- Season 2025 - 2026
- Thun – Sion
- |
- 2:1
- 01/11/2025
Luxusprobleme an Allerheiligen: Soll ich mir den Match ansehen, in dem Kriens die Tabellenspitze verteidigt? Oder soll ich mir den Match ansehen, in dem Thun die Tabellenspitze verteidigt? Da mir U21-Teams ziemlich auf den Wecker gehen, entscheide ich mich gegen Kriens gegen FCB, die Zweite und für Thun gegen Sion, die Erste. Doch kaum sitze ich mit meinem Promotion League-erfahrenen Trio an der Schiffsländte in Thun, spricht uns die Polizei an. Ob wir wirklich hier sitzen bleiben wollen, wenn sogleich der Extrazug aus dem Wallis ankommt? «Ja, bis uns die Polizei sagt, wir sollen uns entfernen.» Der Polizist antwortet staubtrocken: «Ja, das wäre jetzt der Moment.» Und so verziehen wir uns halt auf die andere Seite des Aarebeckens. Von hier aus verfolgen wir die Ankunft der Sionfans, wir sind gut getarnt mit Cardinal-Bierflaschen. Alles verläuft friedlich.
Im Stadion ist es eng, wie es sich bei einem Leader gehört. Zwar wird erst die Zuschauerzahl 7000 auf dem Stadionscreen eingeblendet, was aber nur ein Fehler sein kann. Und tatsächlich wird die Zahl kurz darauf auf 9500 korrigiert. Beeindruckend. Muss ja nicht jeder wissen, dass hunderte Tickets für 11 Franken verkauft worden sind.
Sion startet besser ins Spiel, Costa hat nach 9 Minuten eine Topchance. Doch Steffen wehrt gekonnt ab. In der 15. Minute geht das gleiche Duell aber anders aus. Costa hämmert den Ball volley unter die Latte. 0:1. Sion hat das Spiel nun im Griff. Und wie. In der 27. Minute weiss sich Dähler gegen Nivokaci nur mit einem Foul zu helfen. Schiedsrichter Drmic zögert nicht und zeigt auf den Punkt. Kabacalman läuft an und schiesst den Ball knapp übers Tor. Die Latte wohl vor noch in Spiel, aber Hauptsache nicht das Tornetz. Es bleibt beim 0:1.
Für Aufregung sorgt nun aber Kusi, der Unscheinbare aus unserem Fussballexpertentrio. Es kommt mit sechs Bier von einen Abstecher an den Verpflegungsstand zurück. Doch Party-Kernen und ich gehen beide leer aus, weil der Kusi der halben Kurve ein Bier zu Schulden scheint. Wie süffig war wohl das Spiel letztes Wochenende im Wallis für ihn? An was wir uns erinnern können: Vor Wochenfrist hat Thun gehen Sion gewonnen. Und auch heute bessert sich die Situation noch vor der Pause. In der 39. Minute ist Thun endlich gut im Schuss. Eine Flanke von Heule, welche Ibayi verwertet. Doch der VAR meldet sich. War da irgendwo eine Abseitsposition? Doch Nein, der Treffer zählt. 1:1.
Mit diesem Resultat geht es in die Pause. Wie schreibt der Liveticker-Schreiberling des Thuner Tagblatts passend: «Thun und Sion gehen mit einem 1:1-Unentschieden in die Kabine. Puh, durchatmen, kühles Bier holen.» Und tatsächlich holen Party-Kernen und ich uns nun die Bierrunde, für die es vor Anpfiff wegen der langen Warteschlange nicht gereicht hat. Was auch jetzt viel Zeit in Anspruch nimnt.Gut zündet der Block Süd zu Wiederanpfiff jede Menge Pyros, ansonsten hätten wir wohl die ersten paar Spielszenen verpasst. Wobei Kollege Kusi trotzdem erst nach 58 Spielminuten den Weg zurück in die Kurve findet. Und das nur mit einem Bier statt einem Sechserpack. Da kommt zumindest kein Neid auf.
Sion ist zeitweise nahe am Führungstreffer. Doch Thun kämpft mit dem Glück eines Leaders. Und nutzt eiskalt die eigene Grosschance. Rastoder setzt sich mit vollem Körpereinsatz gegen Kronig durch und schiebt zum 2:1 ein. 65 Minuten sind da gespielt. Doch der Match dauert noch eine halbe Stunde. Es ist ein ständiges Hin und Her. Mit leichten Vorteilen für Sion. Aber genauso gut könnte der eingewechselte Gutbub mit seinem 3:1 alles klar machen. Aber er setzt den Ball knapp nebens Tor.
Dann ist Schluss und Thun bejubelt den dritten Sieg von der Tabellenspitze aus. Angesichts des hart umkämpften Spiels müssen sich Fans und Spieler erst einmal hinsetzen, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor die grosse Stadionparty steigen kann. Hat YB das Hinsetzen vor der Kurve erfunden, wie auf dem 1898er-Forum behauptet wird? Nein! «Die Nummer 1 von Bern sind wir!» Fehlt noch der Handyblick Richtung Kriens. 3:2-Sieg gegen FCB, die Zweite. Führung ausgebaut. Es läuft an Allerheiligen.
- Season 2025 - 2026
- Thun – Winterthur
- |
- 3:0
- 28/10/2025
«Zürcher halten FC Thun-Fanblog im Schuss»: So titelt das Onlineportal Klein Report zum Neustart von thunfans.ch. Danke für die Vorschussloorbeeren. Aber für das Aufblühen der Website mit lustigen Anekdoten und lesenswerten Erfolgsmeldungen müssen schon die Thuner selbst besorgt werden. Vor allem jene auf dem Platz mittels fleissigem Punktesammeln. Da trifft es sich gut, kommt heute eines der schwachen Zürcher Teams ins Berner Oberland. Oder wie es der Klein Report so passend beschreibt: «Während die abstiegsgefährdeten Zürcher Fussballklubs FCZ und GC auf dem Spielfeld Tipps vom Tabellenführer FC Thun gut gebrauchen könnten, lief es im Internet bei einer Rettungsaktion für die Website thunfans.ch in den vergangenen Monaten genau umgekehrt.» Und neben beziehungsweise unter diesen beiden Stadtklubs gibt es den Aggloklub FC Winti, der noch ohne Saisonsieg dasteht. Ein direkter Gegner des FC Thun? Mit Abstrichen.
Ist es schon die Arroganz des Leaders, dass wir beim Eintrinken auf das Spiel nicht etwa über die Tabellensituation diskutieren, sondern über die Glühweinstatistik von Party-Kernen. Können seine Besuche im Glühweinhaus vor und nach dem Servettespiel doppelt gezählt werden oder doch nur einfach? Kein VAR zur Hand, der hier endgültig und falsch klären könnte. Und so prosten wir uns mit dem Glühweinglas zu beim wahlweise vierten oder fünften Glühweintrip von Party-Kernen. Zeit bleibt genug zum Trinken und Fachsimplen, denn Thun spielt heute ganz schön spät gegen Winterthur. Anpfiff ist um 20:30 Uhr, was vor der Zeitumstellung vom Wochenende 21:30 Uhr gewesen wäre. Ich habe mir vorsorglich eine Übernachtungsmöglichkeit in Thun organisiert.
Als es endlich losgeht drüben im Stadion, sind erstaunliche 7000 Zuschauer anwesend. Darunter selbst eine Hundertschaft Winterthurer. Das Spiel beginnt mit einer Wintichance und flacht dann ab. Ich lästere schon, dass wir uns hier für ein 0:0 in der Kälte eingefunden haben. Erst nach einer Viertelstunde kommt Thun durch Ibayi zu einer ersten Chance, doch Winti-Goalie Kapino kann den Ball entschärfen. Was Silea-Goalie Party-Kernen ins Schwärmen bringt, der entgegen seiner Fanbiografie die Aktionen des Winti-Goalies abfeiert. Und irgendwie verläuft diese positive Einzelkritik auch entgegen dem Spielverlauf. In der 20. Minute verwertet Dähler einen Abpraller, der bei einem weiteren guten Antritt von Ibayi entstanden ist. In der 33. Minute schiesst Thun den Ball ein zweites Mal über die Linie, doch Schiedsrichter Piccolo entscheidet auf Abseits. Und in der 36. Minute wuchet Bertone den Ball an der Strafraumgrenze aus spitzem Winkel in die lange Ecke. Damit steht es 2:0. Und fast alle im Stadion feiern die Thuner Elf statt den Winti-Goalie.
Wenn es denn weiter elf wären auf dem Platz. In der 38. Minute tritt Matoshi im Duell Sahitaj auf den Knöchel. Ein dummes Missgeschick. Für uns in den Fanrängen höchstens ein gelbwürdiges Foul, doch Schiedsrichter Piccolo stellt gemeinsam mit dem VAR Matoshi vom Platz. Thun in Unterzahl und das Spiel dauert noch fast eine Stunde. Das Stadion tobt. Dass in den wenigen Minuten bis zur Pause auch noch Ibayi und Bertone Gelb sehen nach Zweikämpfen, heizt die Stimmung zusätzlich an. Wir sind froh, dass Thun den Zwei-Tore-Vorsprung in die Pause rettet.
Kaum läuft das Spiel wieder, gibt es den nächsten grossen Auftritt für das Duo Piccolo VAR. Ein weiterer bissiger Zweikampf, wobei dieses Mal der Winterthurer Durrer einem Thuner auf den Fuss tritt. Wieder wird die Rote Karte gezückt, doch der VAR legt sein Veto ein. Piccolo nimmt den Entscheid zurück, nur Gelb gegen Durrer und Thun weiter in Unterzahl. Säb isch nöd suuber!
Bei all dem Ärger fällt erst spät auf, dass Winti so gar nichts mit der numerischen Überlegenheit anzufangen weiss. Der Ball wird hin und her geschoben, bei den spärlichen Angriffsversuchen fliegt der Ball weit am Tor vorbei. Nach einer Stunde lege ich mich fest: Der FCW wird hier kein Tor schiessen. Stattdessen hat Party-Kernen in der Schlussphase des Spiels wieder vermehrt die Gelegenheit, die Heldentaten des No-Party-Kapino zu bewundern. Thun übernimmt nämlich wieder das Spieldiktat, kommt zu einigen guten Schüssen und schliesslich zum Tor. In der 82. Minute schiesst Rastoder zum 3:0 ein. Zugleich das Schlussresultat.
Bleibt die Frage, was für Tipps wir von thunfans.ch eigentlich diesem Zürcher Aggloklub geben könnten. Party-Kernen schwankt zwischen den beiden Ratschlägen 10-Spiele-Boykott und Verkauf von Kapino an Thun. Ich dagegen rege an, dass ein Fanblog namens wintifans.ch mit gepfefferten Spielberichten ein erster Schritt aus der Krise sein könnte. Ganz ironiefrei natürlich.