- Season 2025 - 2026
- St. Gallen – Thun
- |
- 1:1
- 17/05/2026
Sonne. Und das in der häufig verregneten Ostschweiz. Das tut unserer Seele gut, nachdem wir in dieser Woche bei all den Feiern etwa 3 Liter Regenwasser schlucken mussten. Und natürlich noch mehr Bier. Ausser wettertechnisch reitet Thun immer noch auf der Erfolgswelle. Nicht direkt resultstmässig, aber tabellenmässig. Heute gehts nur noch darum, nachträglich den Titel aus eigener Kraft zu schaffen. Ein Unentschieden braucht es dafür in der virtuellen Finallissima gegen den Cupfinalist FCSG.
Die Gastgeber starten druckvoll in die Partie. Bereits in der 3. Minute tänzelt sich Besio im Strafraum durch, doch Thun-Ersatzgoalie Tim Spycher reagiert blitzschnell und verhindert den frühen Rückstand. Die Thuner haben zunächst Mühe, sich aus der Umklammerung der Ostschweizer zu lösen. In der 8. Minute prüft Stevanovic Spycher mit einem Distanzschuss, doch der junge Keeper hält sicher. Kurz darauf taucht Rastoder erstmals gefährlich für Thun auf. Sein wuchtiger Abschluss wird zwar spektakulär von Zigi pariert, doch die Aktion wird wegen Abseits zurückgepfiffen. Die Berner Oberländer treten nun mutiger auf. In der 17. Minute schnüren sie St. Gallen im eigenen Strafraum ein, finden aber noch keine Lücke. Drei Minuten später setzt sich Heule stark gegen Besio durch und verhindert einen gefährlichen Angriff. Nach 22 Minuten überrascht Imeri die St. Galler mit einem schnell ausgeführten Freistoss. Sein Lupfer findet Rastoder, dessen Abschluss jedoch nur im Aussennetz landet. Die beste Phase der Gäste folgt kurz vor der Pause. In der 28. Minute tankt sich Labeau gegen mehrere Gegenspieler durch und holt einen Corner heraus. Danach sorgt Imeri mehrfach für Gefahr. In der 32. Minute versucht er es frech mit der Hacke, wenig später scheitert er nach einem Sololauf an Stanic. Doch auch die Gastgeber kommen zu grossen Chancen. In der 36. Minute rettet Spycher gegen Stevanovic mirakulös aus nächster Nähe, Roth klärt anschliessend. Nur wenige Minuten später vergibt Boukhalfa aus kürzester Distanz die Führung für die Ostschweizer. Kurz vor dem Pausenpfiff wird es nochmals brenzlig: Nach einem Fehler von Dähler kommt Stevanovic frei zum Abschluss und hämmert den Ball an die Latte. Spycher scheint den Ball noch leicht abzulenken. So bleibt es zur Pause beim 0:0.
Bier holen. Auch wenn es Schügga ist. Quasi die Ostschweizer Antwort auf Oberländer Regenwasser. Aber wir brauchen nun mal einen vollen Becher, um auf den Meistertitel anzustossen.
Nach dem Seitenwechsel bleibt die Partie intensiv. In der 47. Minute versucht sich Matoshi aus grosser Distanz, nachdem Zigi weit vor seinem Tor steht, verzieht aber. Danach prägen Fouls und Unterbrüche das Geschehen. Rastoder sorgt in der 58. Minute für die bis dahin grösste Thuner Chance der zweiten Halbzeit. Der Topskorer setzt sich stark durch und schliesst aus spitzem Winkel mit einer Spitzguuge ab. Der Ball kracht an den Pfosten. Die Strafe des Fussballgotts folgt wenig später. In der 65. Minute kombinieren sich die St. Galler nach vorne. Zunächst verpasst Vogt gegen Frank noch den Querpass, doch Konietzke rauscht heran und versenkt den Ball eiskalt gegen Spycher zur 1:0-Führung für die Gastgeber.
Die Thuner reagieren sofort. Aushilfetrainer Yves Zahnd bringt frische Kräfte und unsere Mannschaft wirft nun alles nach vorne. In der 69. Minute zieht Rupp nach einem Eckball per Volley ab, der Ball zischt knapp vorbei. Die Berner Oberländer drücken auf den Ausgleich. Dann folgt der grosse Auftritt von Heule, Michi Heule. In der 75. Minute segelt eine weite Flanke via Labeau in den Strafraum. Heule nimmt den Ball stark an, zieht aus spitzem Winkel kompromisslos ab und hämmert ihn mit voller Wucht ins Lattenkreuz. Zigi bleibt ohne jede Abwehrchance. Ein Traumtor des Thuner Verteidigers bringt den verdienten Ausgleich zum 1:1. Thun wäre mit diesem Resultat Meister aus eigener Kraft. Doch nicht nur deshalb sind wir kurz etwas emotional. Es könnte die letzte Glanztat von Heule für Thun gewesen sein. Was würden wir uns freuen, ihn mach der Sommerpause wieder für den FCT auflaufen zu sehen.
Die Schlussphase gehört den Gästen. In der 79. Minute rauscht Heule nach einem Doppelpass in den Strafraum, rutscht aber im entscheidenden Moment aus. Kurz darauf verpasst Quintilla auf der Gegenseite die erneute Führung für St. Gallen nur knapp. Die Thuner drücken weiter. In der 87. Minute erobern sie den Ball hoch in der gegnerischen Hälfte, können daraus aber kein Kapital schlagen. In der Nachspielzeit schnuppern die Berner Oberländer tatsächlich am Sieg. In der 91. Minute kommt Joker Gutbub zu einer guten Möglichkeit, scheitert aber ebenso wie Rupp im Nachschuss. Zwei Minuten später versucht es auf der Gegenseite Fazliji aus der Distanz, doch Spycher hält sicher. Danach schnüren die Gäste die St. Galler nochmals ein. Okoroji rettet in höchster Not zur Ecke. Nach dem folgenden Corner scheitert Heule mit seinem Abschluss ein letztes Mal.
Dann ist Schluss. Der FC Thun verabschiedet sich mit einem engagierten Auftritt und einem verdienten Punktgewinn aus der Saison. Besonders Heules Traumtor und die starke Leistung von Ersatzkeeper Spycher sorgen dafür, dass die Berner Oberländer dem Meisterschaftsende ein positives Kapitel hinzufügen. Wir sind Meister und das nicht einfach nur so vom Sofa aus. Wir sind Meister aus eigener Kraft. Euch allen eine schöne Sommerpause. Und nicht vergessen: «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
- Season 2025 - 2026
- Thun – YB
- |
- 3:8
- 14/05/2026
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» Das ganze Stadion singt und jubelt, als Budi Latour den Meisterpokal ins Stadion trägt. Spötter lästern, dass der resultsmässig doch nur der achtbeste Trainer der Klubgeschichte war. Für Nostalgiker ist es dagegen ein sehr emotionaler Moment und eine späte Genugtuung. Thun hätte schon zwei Jahrzehnte früher Meister werden können, wenn Latour den Verein nicht an Weihnachten 2004 im Stich gelassen hätte und zu GC gewechselt wäre. Damals lagen wir knapp hinter Basel auf Meisterkurs, einundzwanzigeinhalb Jahre später ist der Meisterpokal unser. Die Namen des ganzen Betreuerstabs werden aufgerufen und dann auch jeder einzelne Spielername. Und dann ist der grossartige Moment da. Captain Bürki stemmt den Pokal nach oben. Konfettiregen, der We are the Champions-Song von Queen und tausende Fans, die lauthals schreien. Was für ein tolles Gefühl. Und dann die Ehrenrunde der Spieler und gleich noch eine zweite, die vor dem Block Süd endet. Alle aus dem Betreuerteam und alle Spieler stemmen nacheinander den Pokal in die Höhe. Etwas, dass wir letzten Frühling schon mit dem Aufstiegspokal zelebriert haben. Aber hier und jetzt mit dem Meisterpokal hat die Feier eine ganz andere Grössenordnung. Wir werden uns noch auf dem Totenbett daran erinnern. Und wie wir so an unsere hoffentlich ganz ferne Zukunft denken, kommt die Trauer über uns, dass ein grosser Thuner heute nicht unter uns ist. Der langjährige Präsident Kurt Weder ist diese Woche 82-jährig verstorben. Es war ein Schockmoment, als vor Spielbeginn ein schwarzweisses Porträtbild von ihm für eine Trauerminute eingeblendet wurde. Das wäre heute auch sein grosser Tag gewesen. YB-Fans sind bei all diesen emotionalen Szenen keine mehr im Stadion. Das ist schwach, wir Gottéron-Fans sind damals auch im Stadion geblieben, als der SCB 2013 Meister wurde gegen uns. Und es liegt auch an den YB-Fans, dass der Tag vorzeitig endet. Die Kantonspolizei hat keine Erlaubnis erteilt, heute die offizielle Meisterfeier durchzuführen. Das sei zu gefährlich mit all den Gelb-Schwarzen in der Stadt. Ja dann kehren wir halt morgen zum Stadion zurück, um den FC Thun und uns alle nochmals hochleben zu lassen.
Doch weil hier sicher auch viele Fussballexperten aus dem 1898-Forum mitlesen, wollen wir den Spielbericht nicht mit YB-Bashing beenden, sondern noch ein paar Worte zum Spiel verlieren. Die Thunfans klinken sich hier besser aus dem Text aus, denn die zweite Partie von Ersatztrainer Zahnd war spielerisch ein Debakel. Etwa so wie an jenem Tag weit weg in der Vergangenheit, als Thun im Wankdorf in Unterzahl 2:8 verloren hat. Damals war ich mit Fanclublegende, dem legendären Initiator von thunfans.ch, unterwegs. Wie auch heute wieder. Manchmal schliesst sich der Kreis.
Der Meister erlebt bei der Einweihung der neu Visana Stadion benannten Arena einen Nachmittag, den im Berner Oberland nicht nur wegen dem Pokal niemand so schnell vergisst. Der FC Thun verliert ein wildes Berner Derby gegen die YB zwar mit 3:8, liefert dem eigenen Anhang aber trotz Unterzahl und mehreren umstrittenen Schiedsrichterentscheiden ein Spektakel voller Emotionen, Tore und Diskussionen. Dabei beginnt der Match denkbar schlecht für die Berner Oberländer. Bereits in der 1. Minute profitiert YB-Stürmer Essende von einem Missverständnis zwischen Bürki und Goalie Steffen. Essende stösst Bürki weg, spitzelt den Ball unter Steffen hindurch und trifft nach nur 50 Sekunden zur Führung. Aus Thuner Sicht bleibt dabei ein bitterer Nachgeschmack, weil der Körpereinsatz gegen Bürki durchaus als Foul hätte taxiert werden können. Die Antwort des Meisters folgt eindrücklich. In der 12. Minute lanciert Ibayi seinen Sturmpartner Rastoder perfekt hinter die YB-Abwehr. Rastoder bleibt cool, spaziert an Lauper vorbei und schiebt souverän zum 1:1 ein. Nur eine Minute später steht das Visana Stadion Kopf: Nach einer Flanke steigt Rastoder völlig frei hoch und köpft den Ball zum 2:1 in die Maschen. Der Meister spielt mutig nach vorne und drückt YB in dieser Phase regelrecht zurück.
Doch die Gelb-Schwarzen profitieren danach erneut von einem umstrittenen Entscheid. In der 24. Minute sucht Males im Strafraum den Kontakt mit Imeri und geht zu Boden. Schiedsrichter Kanagasingam zeigt sofort auf den Punkt. Eine harte Entscheidung gegen die Thuner, denn der Kontakt wirkt minimal. Essende nimmt das Geschenk dankend an und verwandelt den Penalty in der 26. Minute flach zum 2:2. Die Partie bleibt völlig offen und entwickelt sich zu einem wilden Schlagabtausch. In der 43. Minute spielt Fernandes einen Traumpass aus dem Mittelfeld hinter die Thuner Abwehr. Sanches nimmt den Ball stark mit und trifft zum 2:3 für YB. Kurz vor der Pause eskaliert die Partie dann endgültig. In der 45. Minute räumt Bürki Sanches mit einem Ellenbogencheck ab und trifft ihn am Kopf. Danach steht der Thuner Captain seinem Gegenspieler noch auf den Bauch. Zunächst zeigt Kanagasingam nur Gelb. Erst nach Intervention des VAR schaut sich der Schiedsrichter die Szene nochmals an und zückt Rot. Die Simmung ist zur Pause entsprechend getrübt. Auch weil es im Block Süd so viele Fans hat, dass kein Durchkommen ist Richtung Bier. Ja selbst die Füsse schmerzen, weil man im Dichtestress kaum richtig stehen kann. So einen Meisterpokal muss man sich auch als Fan mit vollem Körpereinsatz verdienen.
Trotz Unterzahl gibt sich der Meister nach dem Seitenwechsel nicht auf. Doch erneut greift der Schiedsrichter entscheidend ein. In der 48. Minute fällt Essende nach einem Kontakt von Käit im Strafraum. Kanagasingam zeigt erneut auf den Punkt. Auch dieser Entscheid wirkt streng. Essende verwandelt zum 2:4 und schnürt seinen Hattrick. Nur wenige Minuten später erhöht Virginius in der 52. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer gar auf 2:5. Dennoch stemmt sich Thun weiter gegen die Niederlage. Der eingewechselte Labeau zwingt Keller in der 57. Minute zu einer Glanzparade. Auf der anderen Seite verhindert Heule in der 67. Minute mit einer Rettungstat auf der Linie einen weiteren Gegentreffer. In der 68. Minute fällt das 2:6. Thun verliert im Umschaltspiel den Ball, Virginius lanciert Fassnacht und dieser schiebt am chancenlosen Steffen vorbei ein. Das Spiel ist damit aber noch längst nicht beruhigt. In der 76. Minute folgt die nächste bittere Szene für die Thuner. Bamert spielt einen katastrophalen Rückpass direkt in die Füsse von Essende. Als der YB-Stürmer alleine aufs Tor zieht, reisst ihn Bamert zu Boden. Kanagasingam zeigt Rot und gibt Penalty. Die Entscheidung ist korrekt, doch aus Thuner Sicht besonders bitter, weil die Mannschaft damit nur noch zu neunt weiterspielen muss. Bedia verwandelt den Elfmeter in der 77. Minute souverän zum 2:7. Der Meister zeigt aber nochmals Moral. In der 80. Minute zirkelt Bertone in doppelter Unterzahl einen Freistoss herrlich unter die Latte zum 3:7. Nur eine Minute später fällt bereits wieder ein Treffer. Nach einem Corner von Gigovic hält Fassnacht den Fuss hin und trifft zum unglaublichen 3:8.
Selbst in den Schlussminuten reisst die Diskussion um den Schiedsrichter nicht ab. In der 85. Minute sieht Essende Gelb wegen einer klaren Schwalbe, nachdem er seinem Gegenspieler zuvor selbst auf den Fuss getreten ist. Vier Minuten später wird Steffen im eigenen Strafraum von einem YB-Spieler umgerannt. Der fällige Foulpfiff bleibt jedoch aus. Stattdessen kassiert der Thuner Goalie wegen Reklamierens auch noch Gelb und fehlt damit im letzten Saisonspiel.
So endet ein völlig verrückter Abend ohne Nachspielzeit. Der Meister verliert zwar deutlich, liefert uns Fans aber trotz doppelter Unterzahl, acht Gegentoren und mehreren fragwürdigen Schiedsrichterentscheiden einen kämpferischen und emotionalen Auftritt. Mehr Spass als damals im Jahr 2000 das 2:8 hat das 3:8 des Jahres 2026 auf alle Fälle Fanclublegende, mir und allen anderen Thunfans gemacht. Denn…
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
- Season 2025 - 2026
- Sion – Thun
- |
- 2:0
- 10/05/2026
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» Es ist unser erstes Spiel seit dem Titel. Und auch wenn wir Fans anders als die Spieler nicht den Grossteil der Woche auf Ibiza verbracht haben, ist auch bei uns im Extrazug die Stimmung laut und der Alkoholpegel hoch. Wir sind voller Euphorie, auch wenn wir einer fast schon programmierten Auswärtsniederlage entgegenfahren. In unseren Shirts und Shorts sind wir ganz auf Sommer eingestellt, auch wenn das Wetter sicher eher nach Herbst anfühlt. Egal, denn wir sind Meischter. Schwiizer Meischter!
Mit stolzer Brust marschieren wir ins Tourbillon ein. Und wir sind viele, der Gästesektor ist voll. Viele Fahnen, viel gute Stimmung und auch etwas Pyros. Die Berner Oberländer treten nach dem Meistertitel mit einer stark veränderten Mannschaft an. Gleich neun Wechsel nimmt das Trainerteam im Vergleich zur letzten Partie vor und da ist die Sperre von Lustrinelli noch gar nicht mitgezählt. So völlig neu formiert geraten die Thuner von Beginn an unter Druck. Bereits in der 3. Minute kommt Sow nach einem Eckball aus nächster Nähe zum Abschluss, jagt den Ball aber über das Tor. Auch danach bleibt Sion aggressiver und zielstrebiger. In der 5. Minute verzeichnen die Thuner immerhin ihre erste Offensivaktion. Meichtry versucht es spektakulär mit einem Fallrückzieher, bringt den Ball aber zu harmlos auf das Tor von Racioppi. Kurz darauf muss Ersatzgoalie Tim Spycher erstmals ernsthaft eingreifen. Nach einem Eckball zieht Kabacalman aus der Distanz ab, Spycher pariert sicher. Nach einer Viertelstunde deutet sich die Führung der Gastgeber immer stärker an. Zunächst scheitert Boteli nach einem schnellen Angriff nur am Pfosten. Wenig später prüft Chouaref den aufmerksam reagierenden Spycher erneut mit einem abgelenkten Distanzschuss. In der 22. Minute fällt schliesslich das 1:0 für den FC Sion. Chouaref flankt präzise in den Strafraum, wo Boteli schneller reagiert als Bamert. Der Stürmer läuft geschickt vor seinen Gegenspieler, kontrolliert den Ball und schiebt ihn überlegt an Spycher vorbei flach in die rechte Ecke. Die Sittener belohnen sich damit für ihre dominante Startphase. Und die Berner Oberländer wirken nach dem Rückstand kurz völlig von der Rolle. Nur eine Minute später schlägt Sion erneut zu. Chouaref erhält zentral vor dem Strafraum zu viel Platz, zieht aus mehr als 20 Metern ab und trifft mit einem herrlichen Schlenzer unhaltbar ins rechte Eck. Spycher streckt sich vergeblich, der Ball passt perfekt neben den Pfosten. Der Doppelschlag sitzt, nach 23 Minuten liegt der Schweizer Meister bereits mit 0:2 zurück. Immerhin reagieren die Gäste danach etwas mutiger. In der 25. Minute kommt Reichmuth nach einem Eckball zum Abschluss, doch Racioppi lenkt den noch leicht abgefälschten Ball stark um den Pfosten. Wenig später setzt Labeau einen Versuch aus der Drehung knapp neben das Tor. Kurz vor der Pause verpasst Reichmuth den Anschlusstreffer erneut nur knapp, als er eine Flanke von Dähler mit dem Kopf am Pfosten vorbeisetzt. Kurz darauf sorgt eine umstrittene Szene für Diskussionen. Nach einem Foul an Meichtry zeigt Schiedsrichter Luca Piccolo zunächst auf den Penaltypunkt, was uns schon jubeln lässt, entscheidet sich nach kurzer Beratung aber doch für Freistoss knapp ausserhalb des Strafraums. Janjicic bleibt mit seinem Versuch in der Mauer hängen.
Pause. Zeit für ein Bier und natürlich eine gute Gelegenheit, um Meisterfeieranekdoten auszutauschen. War das wirklich erst an diesem Montag, als wir uns nach einer Freinacht in den Armen gelegen sind? Mein Rama-Shirt riecht irgendwie, als wäre die grosse Party schon viel länger her. Nach dem Seitenwechsel bieten sich den Gastgebern sofort beste Chancen auf die Vorentscheidung. In der 47. Minute laufen drei Sittener auf zwei Thuner zu. Surdez scheitert zunächst an Spycher, danach vergibt auch Berdayes aus aussichtsreicher Position. Spycher verhindert wenig später mit einer starken Parade gegen Berdayes sogar das mögliche 0:3. Die Thuner finden offensiv dagegen kaum Lösungen. Viele hohe Bälle bleiben ungefährlich, kreative Ideen fehlen weitgehend. Ein Distanzversuch von Bürki aus rund 40 Metern symbolisiert die Ratlosigkeit der Gäste. In Ibiza wurde über anderes diskutiert als über gute Torschüssen. Die beste Thuner-Möglichkeit der zweiten Halbzeit vergibt Meichtry in der 58. Minute, als er nach Vorarbeit von Labeau lieber querlegt statt selbst abzuschliessen. Auf der anderen Seite bleibt Sion gefährlicher. Berdayes scheitert mehrfach am starken Spycher, der den Schweizer Meister mit mehreren Paraden im Spiel hält. Trotzdem kontrollieren die Walliser die Partie souverän und lassen defensiv kaum noch etwas zu. Auch die zahlreichen Wechsel bringen den Berner Oberländern keine entscheidende Wende mehr.
Nach gut einer Stunde stimmen wir in der Kurve das Meischter-Lied an und hören bis Abpfiff nicht mehr auf damit. Wir sind völlig in Ekstase und blenden das Spielgeschehen aus. Matoshi vergibt in der 86. Minute die letzte Halbchance der Gäste, als er den Ball aus halblinker Position nicht richtig trifft. So bringt der FC Sion den Vorsprung problemlos über die Zeit und feiert den fünften Sieg in Serie. Thun hingegen zeigt trotz einzelner engagierter Ansätze insgesamt zu wenig Durchschlagskraft und verliert im Wallis mit 0:2.
Was solls. Wir feiern mit dem Team ausgelassen den Titel und fordern nekisch den Derbysieg. Ein Spiel wollen wir diese Saison dann schon noch gewinnen als Meister und da steht ein Sieg gegen YB ganz oben auf der Wunschliste. Und jetzt alle noch einmal zusammen: «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
- Season 2025 - 2026
- St. Gallen – Sion
- |
- 0:3
- 03/05/2026
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
Es ist 15.33 Uhr an diesem 3. Mai 2026. Wie 4000 andere Thunfans schreie ich mir die Stimme aus der Seele. Alle Augen sind auf die Stadionbildschirme gerichtet, auf denen eine Szene aus St. Gallen läuft, die sich als entscheidend für die Vereinsgeschichte erweisen soll. Eckball für den FC Sion. Der Ball segelt in den Strafraum, Théo Berdayes steigt hoch und trifft in der 76. Minute per Kopf zum 0:3 für Sion. Für einen kurzen Moment wirkt es, als würde die Zeit stehen bleiben. Dann bricht der Lärm los. Wir schreien, springen, umarmen uns. Auf diesem fernen Platz müsste der FC St. Gallen jetzt vier Tore erzielen, um den Titel des FC Thun noch zu verhindern. Es fühlt sich unmöglich an. Und genau in diesem Moment setzen wir alle gleichzeitig ein. «Meischter, Schwitzer Meischter…» In wenigen Minuten haben wir es geschafft.
Seit rund anderthalb Stunden sind wir schon im Stadion. Etwa 4000 Leute sind gekommen, um mitzuerleben, ob der FC Thun den vierten von insgesamt neun Meisterbällen verwerten kann. Wobei mir der Begriff Meisterpucks fast besser gefällt. Es hat etwas von Playoff-Final, so nah am Titel zu sein und doch jedes Mal wieder zittern zu müssen. Als Fan von HC Fribourg-Gottéron weiss ich, wie sich das anfühlt. Gefühlt erst vor ein paar Stunden war ich selbst an einer Meisterfreinacht. Und ja, auch ein Triumph in extremis hat seinen ganz eigenen Reiz. Lucien Dähler, Thun-Spieler und Gottéron-Fan, würde da wohl zustimmen.
In der Stockhorn-Arena ist die Spannung greifbar. Spieler, Staff und Fans verfolgen gebannt die Partie zwischen FC St. Gallen und FC Sion. Jeder Blick geht auf die Leinwand, jeder Zweikampf wird im Berner Oberland mitgefühlt. Party-Kernen und ich stehen im Block Süd. Von hier aus ist es schwierig, auf den weit entfernten Bildschirmen alles genau zu erkennen, Zaun und Netz sind im Weg. Doch eines fällt auch aus der Distanz sofort auf: St. Gallen startet druckvoll. Früh kommt Vogt zu zwei guten Kopfballchancen, die nur knapp am Tor vorbeigehen. Dann der erste grosse Aufreger. Nach gut einer Viertelstunde trifft Sion, was in Thun mindestens einen so lauten Jubel auslöst wie im fernen St. Gallen. Doch der VAR greift ein, weil Nias Hefti in der Entstehung Alessandro Vogt gefoult hat. Das Tor wird aberkannt. In der Stockhorn-Arena geht ein kollektives Raunen durch die Reihen, begleitet von einigen deftigen Fluchwörtern. Die Anspannung steigt weiter. Die Espen bleiben dran, drücken, treffen sogar zweimal Aluminium. Doch die Effizienz liegt auf der anderen Seite. Kurz vor der Pause fällt das 0:1. In der 43. Minute setzt sich Sion über die rechte Seite durch, der Ball kommt zur Mitte, Benjamin Kololli steht bereit und lenkt ihn ins Netz. In Thun springen wir Fans auf. Fäuste ballen sich, erste Schreie hallen durchs Stadion. Jetzt kippt das Gefühl.
Als Pause ist, hält es viele von uns nicht mehr auf den Rängen. Die ersten Fans stürmen auf den Rasen. Vor allem die Jüngeren klettern über die Abschrankungen. Sportlich wie ich bin, klettere ich hinterher. Als Party-Kernen an der Reihe ist, öffnet ein Sicherheitsmann der Broncos die kleine Türe bei der Eckfahne und bittet ihn mit einem Grinsen aufs Feld. Promibonus. Wir beide setzen uns an die Strafraumgrenze auf den Kunstrasen. Kaum sind wir angekommen, kippt das Wetter. Es beginnt zu regnen, erst leicht, dann immer stärker. Wir werden in der zweiten Hälfte so richtig durchnässt. Aber das Spiel hält uns warm.
Nach der Pause bleibt St. Gallen bemüht, aber es fehlt die Durchschlagskraft. Dann folgt der nächste Glücksmoment für uns. In der 63. Minute erobert Ilyas Chouaref im Mittelfeld den Ball, zieht entschlossen los und schliesst präzise zum 0:2 ab. In der Stockhorn-Arena brandet Jubel auf. Party-Kernen und ich springen auf und setzen uns für das ganze Spiel nicht wieder. Immer wieder blicken wir auf die Uhr. Die Entscheidung fällt eine Viertelstunde vor Schluss. 76. Minute. Eckball für Sion. Der Ball segelt in den Strafraum, Théo Berdayes steigt hoch und köpft zum 0:3 ein. Jetzt gibt es kein Halten mehr im Berner Oberland. Spieler springen auf Tische, Fans liegen sich in den Armen. Vier Tore müsste St. Gallen jetzt noch erzielen. Ein Ding der Unmöglichkeit.
Die letzten Minuten laufen. St. Gallen versucht es weiter, doch Sion verteidigt konsequent. In der Nachspielzeit ein letztes Aufbäumen, doch auch dieser Angriff versandet. Dann der Blick des Schiedsrichters auf die Uhr, der Pfiff in der 90. Minute plus Nachspielzeit. Bei uns in Thun bricht alles los. Die Spieler des FC Thun stürmen aufeinander zu, fallen sich um den Hals, schreien, lachen, weinen. In der Lounge bildet sich eine dichte Jubeltraube, aus der immer wieder laute Rufe dringen. Unten im Stadion singen wir Fans, Fahnen werden geschwenkt, Bierbecher mit mehr Regenwasser als Bier drin fliegen durch die Luft. Los hurti, Thun isch Meister!
Wenig später kommen die Spieler zu uns Fans. Vor der Kurve lassen sich die Spieler feiern, klatschen, singen, tanzen. Champagner wird geöffnet, Bier verteilt, Gesichter sind nass vor Freude und Regen. Einige kämpfen mit den Tränen, andere können nicht aufhören zu grinsen. Sensationell. Nach zwei kleineren Zeremonien erst vor dem Block Süd und dann auf der Haupttribüne geht’s raus Richtung Stadt. Fanmarsch. Und alle 4000 machen sich trotz Regen gemeinsam auf den Weg. Vielleicht sind es unsere lauten Gesänge, vielleicht der dichte Pyro-Rauch, der über den Gassen hängt. Irgendetwas scheint die Tropfen zu vertreiben. Als wir auf dem Rathausplatz ankommen, hat der Regen aufgehört. Und während der ganzen Meisterfeier zeigt er sich nicht mehr.
Die Thunfans verwandeln den Rathausplatz in ein einziges Menschenmeer. Zeitweise müssen die Gassen rundherum abgesperrt werden. Party-Kernen und ich stecken irgendwo zwischen Hauptgasse und Platz fest, eingeklemmt in der Menge. Doch mit etwas Überblick erkennen wir trotzdem, wie sich die Spieler des FC Thun Schritt für Schritt durch die Fans schieben. Schliesslich klettern sie auf den Brunnen in der Mitte. Und dann wird gefeiert. Laut, ausgelassen, ununterbrochen. Über zwei Stunden lang, bis kurz vor 21 Uhr, gehört dieser Platz ganz dem Fussball und unseren vollendeten Meisterträumen.
Die Dämmerung legt sich über Thun, doch die Party wird nur lauter. Gesänge hallen durch die Gassen, immer wieder erklingt «We are the Champions». Später in der Nacht verteilen sich die Feiernden in den Bars der Stadt. Die Strassen bleiben voll, die Stimmung ausgelassen. Immer wieder tauchen Spieler irgendwo auf, werden erkannt, gefeiert, weitergezogen. Und wer vermutet, dass es nach Mitternacht zumindest die Spieler langsam ruhiger angehen, kennt den Michi Heule nicht. Weit nach 1 Uhr klettert er trotz Arm in der Schlinge im Café Zentral auf den Tisch und stimmt so frentetisch Lieder an, dass er immer mal wieder zum Abstellen der Jukebox aufruft. «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» 4.50 Uhr ist es, als Heule auf Drängen seiner Family das letzte Mal vom Tisch runtersteigt.
Wir Fans feiern weiter, bis tief in die Nacht und schliesslich bis in den Morgen hinein. In der dichten Partymenge treffe ich zwar nicht Milaim Rama selbst, aber eine Blondine, die für mich zu seinem persönlichen Doppelgänger wird. Sie trägt das gleiche rote T-Shirt mit weissem Aufdruck der FC Thun-Legende. Wir lachen, machen ein Foto und klatschen uns zum Titel ab. Irgendwann wird es hell. Die Musik wird leiser, die Stimmen heiser. Als wir uns verabschieden, bleibt eine letzte Frage hängen. Warum heisst es eigentlich Sofameister, wenn man bei so einer Sofameisterschaft das eigene Sofa kein einziges Mal sieht? Tschüss. Und bis bald am nächsten feucht-fröhlichen Ausflug mit dem FC Thun.
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
- Season 2025 - 2026
- FCB – Thun
- |
- 3:1
- 02/05/2026
Treffpunkt Olten. Es tauchen auf: Ein Goalie, der in Oberburg an einem ganztägigen Fussballturnier einen einzigen Gegentreffer kassiert hat. Und ein Gottéron-Fan, der mit seinem Verein den ersten Meistertitel der Klubgeschichte geholt hat und nach der Freinacht von Donnerstag auf Freitag übermüdet ist. Wenn das nicht doppelt Glück bringt, heute Grossartiges mit dem FC Thun zu erleben. Und als zusätzlichen Glückbringer trinken wir auf dem Fahrt nach Basel ein Six Pack Züri Hell. Schliesslich war es der FCZ, der vor Jahren mal im Joggeli Meister geworden ist. Bitte nachmachen, wenn auch ohne Gewaltszenen aus dem Rasen. Fantechnisch stehen die Voraussetzungen für einen gemütlichen Abend gut, im Joggeli Shuttle unterhalten sich FCB-Fans und Thunfans freundlich. Wenn auch die Einheimischen der Meinung, dass die Meisterfeier nochmals vertagt werden sollte.
Ausverkauft ist das Stadion nicht, aber der Gästesektor ist oben wie unten sehr gut gefüllt. Viele Fahnen, viele Pyros, viel Gesang und auch viel Nervosität. Der FC Thun startet mutig in diese Partie und weiss, dass er heute Geschichte schreiben kann. Doch in der Anfangsphase bestimmen die Basler das Geschehen. In der 9. Minute rettet Torhüter Steffen seine Farben gleich doppelt, nachdem Traore nur den Pfosten trifft und Leroy aus kürzester Distanz scheitert. Thun hält dagegen und kommt in der 5. Minute zu einer ersten Möglichkeit, als Ibayi nach einer Flanke von Fehr zum Kopfball kommt, doch Salvi lenkt den Ball über die Latte. Mit zunehmender Dauer finden die Berner Oberländer besser ins Spiel. In der 28. Minute schaltet Thun schnell um, Imeri kommt zum Abschluss, bleibt aber zu ungenau. Die Partie bleibt insgesamt zerfahren, geprägt von vielen Zweikämpfen und Verwarnungen. In der 41. Minute belohnt sich der FC Thun für seine Effizienz. Heule und Imeri kombinieren sich auf der linken Seite sehenswert durch, spielen einen präzisen Doppelpass. Heule bringt den Ball scharf ins Zentrum, wo Matoshi im richtigen Moment einläuft und technisch stark abschliesst. Der Ball schlägt unhaltbar im Netz ein, Thun führt 1:0 und ist zu diesem Zeitpunkt virtuell Meister. Party-Kernen tüftelt schon an einer Ideallinie für den Platzsturm.
Doch die Freude hält nur kurz. In der 44. Minute gleicht Basel aus. Metinho fasst sich aus rund 20 Metern ein Herz und zieht wuchtig ab. Der Ball fliegt mit Tempo aufs Tor, Steffen streckt sich vergeblich, die Kugel schlägt im Eck ein. 1:1, ein bitterer Moment für uns Thunfans, haben wir die Führung doch kaum geniessen können. Die Stimmung in der Pause könnte besser sein.
Nach Wiederanpfiff erhöht Basel den Druck. Thun wirkt passiver und kommt kaum noch zu Entlastungsangriffen. In der 65. Minute bietet sich eine grosse Chance per Freistoss aus 18 Metern, doch Bertone verzieht deutlich. Die Partie kippt endgültig in der Schlussphase. In der 81. Minute schwächt sich Thun selbst entscheidend. Fehr geht ungeschickt in ein Duell mit Ajeti, sieht Gelb und da er bereits verwarnt ist, folgt Gelb-Rot. Thun muss die letzten Minuten zu zehnt bestreiten, ein schwerer Rückschlag im Meisterrennen.
Basel nutzt die Überzahl konsequent. In der 87. Minute fällt das 2:1. Salah zieht aus halbrechter Position ab, Steffen kann den Ball nicht festhalten. Ajeti steht goldrichtig, bekommt noch entscheidend den Fuss dazwischen und lenkt den Ball ins Tor. Die Partie ist gedreht, Thun liegt erstmals zurück. Die Nerven liegen nun blank. Nicht nur in der Kurve, sondern auch auf dem Platz. In der 89. Minute sieht Ibayi die Rote Karte, obwohl er sich bereits auf der Ersatzbank befindet. Nach einem unsportlichen Verhalten ausserhalb des Feldes wird er vom Schiedsrichter des Innenraums verwiesen. Es ist der zweite Platzverweis innert kürzester Zeit und unterstreicht die aufgeladene Schlussphase. In der 91. Minute entscheidet Basel die Partie endgültig. Der eingewechselte Koindredi kommt aus rund 17 Metern zum Abschluss und trifft präzise. Der Ball schlägt im Netz ein, 3:1. Spätestens jetzt ist klar, dass der FC Thun heute nicht Meister wird. Die letzten Minuten laufen, doch die Hoffnung ist verflogen.
Schlusspfiff und somit noch kein Titel für Thun. Applaus gibt es trotzdem für die Thuner aus der Kurve, so rasch lassen wir die Köpfe nicht hängen. Jedenfalls nicht wegen dem Spiel. Dagegen löst das heutige Sicherheits- und ÖV-Konzept in Basel doch ziemlich viel Frust aus bei uns Exil-Thunern. Erst ein unangekündigter Fanrückhalt bis gegen 23 Uhr und dann ein Verbot für Thunfans, vor Dreispitz irgendein ÖV-Fahrzeug betreten zu dürfen. Wer denkt sich so etwas aus? Wir sind weder der FCZ, noch sind wir Meister geworden heute. Und das in einem Fussballzeitalter, in dem die Spiele wegen der Fernsehrechte immer später angepfiffen werden. Bin ich halt erst um 2 Uhr Zuhause. Wer braucht schon frühen Schlaf als Meisteranwärter, trainieren wir schon mal für die nächste Freinacht.
Fortsetzung folgt!
- Season 2025 - 2026
- Thun – Lugano
- |
- 0:1
- 25/04/2026
Das Fussballwochenende beginnt mit einer schreckhaften SRG-Journalistin. Sie schreibt uns über das Thunfans-Kontaktformular. Es entwickelt sich eine schräge Kommunikation:
– Ich bin Journalistin für RTS (Westschweiz Fernsehen). Ich muss einene Beitrag für Samstagstagesschau (19:30) über die Stimmung vor dem Match machen. Ich möchte wissen wann und wo die Fans treffen.
– Treffpunkt vor dem Spiel ist um 16 Uhr auf dem Mühleplatz in Thun.
– Ist es ok wenn ich um 16 Uhr komme, um einige Interviews und Bilder zu machen? (Sorry für mein schlechtes Deutsch)
– Ich bin nicht Chef von Thun. Aber es ist sicher okay. Hinweis: Bitte keine Leute mit der Kamera filmen, die Kleider tragen von Block Süd. Auf dem Bild einige Beispiele von Block Süd-Sachen.
– Super, merci vielmal !
Die Dame von RTS ist nicht die einzige SRG-Mitarbeiterin, welche Thun diese Woche aufwühlt. Eine SRF3-Frau hat zu Wochenbeginn im Rahmen einer Reportage drei Thun-Ikonen zu Gesprächen getroffen: Stapi Raphael Lanz, FCT-Präsident Andres Gerber und Thunfans-Orakel Mattäng. Ging dieser Beitrag jemals über den Sender? Im Internet ist er unauffindbar. Die SRG-Medienarbeit ist mysteriös, nicht nur wenn mit Trainerlegende Fischer das Gespräch gesucht wird.
All das sind Luxusprobleme für Klub und Fans, bei denen der Meistertitel auf der Tagesordnung steht. Fie Höhepunkte sind zahlreich: Eintrinken auf dem Mühliplatz, Fanmarsch zum Stadion, Eintrinken vor dem Stadion und dann Aufteilung der Fans in zwei Gruppen. In jene, die sich noch «schnell» eine Runde Bier holen (Wartezeit 30 Minuten) und jene, die schon vor Anpfiff ein erstes Pyro-Ausrufezeichen setzen. Als sich alle wieder in der Kurve begegnen, wird diese schnell übervoll. Vor allem das Gedränge auf der Treppe ist legendär. Der Typ hinter mir schult sich zum Verkehrspolizist um und klopft mir jedes Mal auf die Schulter, wenn wieder jemand an uns vorbei die Treppe runter will. Und das kommt alle 1-2 Minuten vor – das ganze Spiel durch.
Schliesslich gehts los. Oder eben doch nicht ganz. Schuld ist die Choreo des Block Süd. Nicht etwa der bunte Rauch senkt sich übers Stadioninnern, sondern die Papierschlangenchoreo. Das Lugano-Tor direkt vor uns ist in rote und weisse Bänder eingewickelt. Für die Fötzeli-Aktion braucht es jede Menge Leute inklusive einem Dutzend Broncos. Mit einigen Minuten Verspätung rollt dann der Ball. Aber nicht für lange. Nach knapp 90 Sekunden bleibt Genis Montolio nach einem Zweikampf liegen. Er ist arg verletzt und muss nach langer Pflege auf dem Platz ausgewechselt werden. Ein erster Schreckmoment. Die Defensive wird umgebaut, der Rhythmus geht kurz verloren. Und doch: Die Berner Oberländer fangen sich schnell, übernehmen die Kontrolle und treten über weite Strecken der ersten Halbzeit wie die Mannschaft auf, die sie sind – ein Leader, der zu Hause den Ton angibt. Mit der ungewohnten Dreierkette gelingt es, Lugano zunächst vom eigenen Tor fernzuhalten. Thun hat mehr Ballbesitz, mehr Präsenz, mehr vom Spiel. Die erste Möglichkeit gehört in der 16. Minute Kastriot Imeri, der verzieht. In der Folge wird es konkreter: In der 37. Minute zwingt Imeri Amir Saipi mit einem Freistoss zu einer Parade, in der 41. Minute prüft er ihn per Kopf erneut. Kurz darauf, in der 43. Minute, kommt auch Fabio Fehr aus guter Position zum Abschluss. Es fehlt jeweils wenig, aber eben das Entscheidende. Lugano bleibt lange unauffällig, meldet sich erst in der 29. Minute mit einer ersten Chance durch Koutsias an. Wirklich zwingend wird es für die Tessiner zunächst nicht. Auffallen tun sie stattdessen mit einem seltsamen Mix aus versteckten Fouls und endlosen Schauspielereien. Allen voran die Nummer 6, Antonios Papadopoulos. Seine Nahtodeserfahrungen sind in der Stockhorn Arena so zahlreich, dass wir direkt froh sein müssen, dass er beim Pausenpfiff auf beiden Beinen Richtung Kabine gehen kann.
Zur Pause steht ein 0:0, das sich für die Thuner eher wie eine verpasste Gelegenheit anfühlt. Und Verpassen tun wir heute auch das traditionelle Pausenbier. Was man nicht alles im Angesichts des Titels opfert.
Nach dem Seitenwechsel verändert sich die Statik der Partie. In der 51. Minute bietet sich Thun die grosse Chance zur Führung, doch Imeri verzieht nach Vorarbeit von Rastoder. Es ist die beste Gelegenheit des Spiels. Insgesamt wirken die Angriffe nun aber weniger klar, weniger zwingend. Gleichzeitig wird Lugano mutiger: In der 55. Minute kommen die Gäste gleich zu zwei Abschlüssen. Mauro Lustrinelli reagiert in der 61. Minute mit einem Doppelwechsel, bringt Matoshi und Meichtry und setzt damit ein Zeichen. Doch die Partie kippt nicht entscheidend. Thun arbeitet, läuft, versucht, aber die letzte Präzision fehlt. Lugano bleibt geduldig und lauert, kommt in der 65. Minute durch Mahmoud zu einer guten Möglichkeit. In der Schlussphase wird es hektischer. In der 79. Minute verpasst Lugano eine grosse Chance. In der 85. Minute hält Thuns Torhüter Steffen mit einem starken Reflex die Null fest und lässt die Hoffnung auf den Heimsieg und damit die sofortige Meisterfeier weiterleben. In der 88. Minute bietet sich den Thunern nach einem Eckball noch einmal eine Gelegenheit, doch Matoshi verzieht.
Und dann kommt es, wie es in solchen Spielen oft kommt. Tief in der Nachspielzeit greift der VAR ein, Schiedsrichter Cibelli entscheidet auf Penalty für Lugano. Ezgjan Alioski tritt an und trifft. Der Traum der Meisterfeier löst sich mit seinem Schuss buchstäblich in Rauch auf. Ein schwacher Trost, dass die Lugano-Spieler ihr Tor direkt vor unserer Fankurve feiern. Nein Renato Steffen, wir finden dich immer noch nicht sexy.
Kurz darauf ist Schluss. Wieder 0:1 gegen Lugano, zum dritten Mal in Folge. Eine Niederlage, die weh tut, weil sie spät fällt und weil mehr drin gelegen hätte. Und doch gehen die Thunspieler nach Abpfiff zu uns Fans. Sie lassen sich feiern für einen engagierten, beherzten Auftritt. Meister sind wir alle an diesem Abend nicht geworden. Aber die Ausgangslage bleibt: Der Titel ist greifbar nah und könnte schon in ein paar Stunden Realität werden.
Fortsetzung folgt!
- Season 2025 - 2026
- Thun – FCB
- |
- 3:1
- 18/04/2026
Im zweiten Anlauf klappt es doch noch. Aus Basel werden an diesem Wochenende keine Brände gemeldet, und diesmal haben alle genug Schuhe dabei, um die Partie zwischen dem FC Thun und dem FC Basel auszutragen. Die beiden Fangruppen erweisen sich einmal mehr als Meister der Improvisation, sodass das Spiel trotz Neuansetzung am Startwochende des Playofffinals vor ausverkauftem Haus stattfinden kann. Nur ein paar wenige Anhänger von Gottéron und HCD fehlen für einmal.
Die Choreos tragen das Flutlichtspiel von Beginn weg. Als die Mannschaften den Rasen der ausverkauften Stockhorn-Arena betreten, liefern beide Fanlager eindrückliche Bilder, die den Rahmen setzen für einen Abend, der zumindest im Berner Oberland noch lange nachhallen wird. Doch auf dem Platz wirkt der FC Thun zunächst verhalten. In der 7. Minute ist der FC Basel wacher, sucht früh den Weg nach vorne. In der 9. Minute folgt das erste Thuner Ausrufezeichen. Nach einer Hereingabe verpasst Christopher Ibayi nur knapp. Noch fehlt die Präzision, doch das Heimteam tastet sich heran. Basel bleibt präsent, aber Thun steigert sich. In der 22. Minute prüft Elmin Rastoder FCB-Goalie Marwin Hitz mit einem scharfen Abschluss, es ist ein erster Warnschuss. Die 28. Minute bringt die Wende und die Führung für Thun. Rastoder treibt den Ball energisch durchs Mittelfeld, erkennt die Lücke und spielt im richtigen Moment steil. Ibayi startet im Zentrum, nimmt den Ball kontrolliert mit und bleibt vor Hitz eiskalt. Ein Hoch auf dieses Wortspiel. Und ein Hoch auf das 1:0. Unsere Fankurve tobt. Und Thun bleibt dran. In der 39. Minute sorgt Kastriot Imeri beinahe für das Tor des Abends: Nach einer kurzen Ecke hebt er den Ball gefühlvoll Richtung Tor, der Ball senkt sich und klatscht an den Innenpfosten. Basel hat in dieser Szene Glück, zur Pause bleibt es beim 1:0. Mit breitem Grinsen im Gesicht holen wir uns das verdiente Bier und tauschen in der langen Warteschlange unsere Meisterträume aus.
Nach dem Seitenwechsel wird es auf dem Platz hektischer. In der 50. Minute verhindert Niklas Steffen mit einer starken Aktion den Ausgleich. Und dann schlägt Thun erneut zu. 53. Minute: Ein Freistoss aus der Distanz, der Ball landet bei Michael Heule. Ohne zu zögern zieht er flach ab und setzt den Ball präzise in die linke Ecke. 2:0. Die Antwort des FCB folgt aber schnell. 56. Minute: Der eingewechselte Julien Duranville nutzt eine starke Phase der Basler, kommt im Strafraum zum Abschluss und trifft. Nur noch 2:1. Doch Thun reagiert abgeklärt. In der 64. Minute fällt die Entscheidung: Heule setzt sich auf der linken Seite durch, gewinnt sein Laufduell und spielt im perfekten Moment quer. Rastoder reagiert meisterhaft und schiebt souverän ein zum 3:1. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch, schnell, direkt und präzise. In der Schlussphase verwaltet Thun die Partie. In der 88. Minute erhebt sich das Publikum, würdigt die einmal mehr tolle Leistung mit einer Standing Ovation. Die Basler versuchen zwar noch heranzukommen, doch irgendwie fehlt ihnen die Durchschlagskraft. Uns solls recht sein. Thun bringt die Zwei-Tore-Führung über die Zeit.
HunBeim Schlusspfiff ist das Stadion voller Euphorie. 3:1 haben die Berner Oberländer den FC Basel bezwungen. Noch ein weiterer Sieg fehlt zum Titel, wenn es ihn denn angesichts der schwächelnden Konkurrenz überhaupt braucht. Nüchtern betrachtet (gut wer ist das hier kurz vor 22:30 Uhr überhaupt noch) muss nun nur noch ein einziges Erfolgskapitel hier auf thunfans.ch eingetippt werden und dann ist unser Fussballmärchen allen Anschein nach schon fertiggeschrieben. Dann ist der FC Thun, notabene als Aufsteiger in die Saison gestartet, doch tatsächlich Schweizer Meister. Wow!
- Season 2025 - 2026
- Lugano – Thun
- |
- 1:0
- 04/04/2026
Heute steht die lange Reise ins Tessin an. Die Abfahrt erfolgt mit dem Extrazug um 12:40 Uhr, die Rückkehr ist für 23:50 Uhr geplant, allfällige Stunden im Osterstau nicht eingerechnet. Doch was nimmt man nicht alles auf sich auf dem Weg zum Meistertitel, der zumindest punktemässig zum Greifen nah ist. Zumal wir auch für Unterhaltung an Bord vorgesorgt haben. Gemeint ist damit nicht nur das Bier und die Berliner Luft von Party-Kernen, sondern auch Podcasts fürs Bordprogramm. Party-Kernen liefert in seinem WhatsApp-Status eine siebeneinhalbminütige Matchprognose. Das fünfteilige Video weist aufgrund etwas holprigen Schnitts allerdings einige Wiederholungen auf. Noch redseliger zeigt sich Mattäng: Im Kanal-K-Studio in Aarau hat er gleich einen 70-minütigen Podcast aufgenommen, in dem er aus der Perspektive der Thun-Fans ausführlich die Stimmungsschwankungen rund rund um den FC Thun beleuchtet. Auch sein Gastauftritt beim MVP-Meister-Vogler-Podcast hat einiges an Kultpotenzial.
Einige Lacher später kommen wir in Lugano an. Für einmal kommt der Fanmarsch gelegen, ist doch im Tessin schönstes Frühlingswetter. Die Vorzeichen stehen gut für einen tollen Fussballnachmittag. Dass der Tag ähnlich punktelos enden könnte wie zuletzt im Letzigrund, glaubt so wirklich niemand der zahlreich mitgereisten Fans. Der Leader aus dem Berner Oberland startet im Cornaredo engagiert in die Partie, wird aber früh gefordert. In der 6. Minute sieht Montolio nach einem harten Einsteigen gegen Dos Santos die Gelbe Karte. Kurz darauf hat Lugano die grosse Chance zur Führung, doch Lugano-Steffen trifft nach idealer Vorarbeit von Dos Santos nur den Pfosten. In der 25. Minute sorgt ein Zusammenprall im Thuner Strafraum für Aufregung, ein Penaltypfiff bleibt jedoch aus. Wenig später folgt die bis dahin spektakulärste Szene aus Thuner Sicht: Imeri setzt zu einem starken Lauf an, überläuft seinen Gegenspieler und lupft den Ball von der Strafraumgrenze sehenswert über den Torhüter, doch die Kugel landet nur auf der Latte. Das Spiel bleibt intensiv. In der 32. Minute prüft Meichtry Lugano-Goalie Saipi aus der Distanz, der Ball springt gefährlich nach vorne, doch die Defensive klärt in letzter Sekunde. Auf der Gegenseite muss Thun-Steffen im Tor mehrfach eingreifen, unter anderem in der 42. Minute, als er einen Abschluss von Cimignani stark pariert. Zur Pause steht es trotz Chancenplus für Lugano 0:0. Zeit, unsere Italienischkenntnisse zu testen und ein Birra zu holen. Oder auch zwei, dann muss man nicht wissen, ob das werte Bier hier in Lugano männlich oder weiblich gegendert wird.
Direkt nach Wiederanpfiff haben die Thuner die grosse Möglichkeit zur Führung. In der 46. Minute wird Meichtry nach einem Fehler der Tessiner lanciert, seine Hereingabe verpasst aber gleich zweimal knapp den Mitspieler. In der Folge erhöht der Leader den Druck, ohne jedoch zwingend zu werden. Dann folgt in der 60. Minute der entscheidende Moment der Partie. Lugano kommt zu seiner ersten Offensivaktion nach der Pause. Der Ball gelangt an die Strafraumgrenze zu Dos Santos. Der ehemalige Thuner nimmt den Ball kurz an, hebt den Kopf und zirkelt ihn mit viel Gefühl und Präzision in Richtung Tor. Die Flugbahn ist perfekt, der Ball steigt leicht an, dreht sich vom Torhüter weg und schlägt unhaltbar im Lattenkreuz ein. Thun-Steffen streckt sich vergeblich, kann den Einschlag nicht verhindern. Dos Santos verzichtet aus Respekt vor seinem Ausbildungsverein auf den Torjubel, aber die Tessiner Führung ist trotzdem Tatsache. Die Berner Oberländer reagieren und werfen in der 67. Minute mit einem Dreifachwechsel neue Kräfte ins Spiel. In der 69. Minute verhindert Lugano-Verteidiger Papadopoulos in höchster Not eine Hereingabe von Dursun. Die Partie wird zunehmend ruppiger, Reichmuth muss nach einem harten Zweikampf gar mit einer blutigen Wunde behandelt werden. Die Chancen für Thun wären da: In der 78. Minute kommt Rastoder nach einer Hereingabe einen Schritt zu spät, wenig später prüft Reichmuth aus der Distanz Saipi. In der 86. Minute liegt der Ausgleich erst recht in der Luft, doch Dursun spitzelt den Ball knapp am Pfosten vorbei. Die Thuner drücken weiter, während Lugano auf Konter lauert. In der Nachspielzeit bietet sich dem Leader nochmals die grosse Chance. Reichmuth setzt sich durch, legt sich den Ball per Kopf vor und zieht aus kurzer Distanz ab, doch Lugano-Goalie Saipi lenkt den Ball in extremis um den Pfosten. In der 93. Minute fordert Gutbub nach einem Dribbling einen Penalty, doch der Schiedsrichter lässt weiterspielen. Wir fluchen. Aber der Tamedia-Liveticker-Schreiberling meint: Das war kein Foul und viel zu theatralisch, kein Penalty. In der 94. Minute holen die Thuner noch einen Eckball heraus, die letzte Möglichkeit der Partie. Doch Bottani klärt entschlossen, unmittelbar danach pfeift Schiedsrichter von Mandach ab.
Der FC Thun verliert mit 0:1 gegen Lugano und muss die zweite Niederlage in Serie hinnehmen. Es geht tatsächlich punktelos zurück ins Berner Oberland. Auf der Rückfahrt schlägt deshalb die Stunde der Mathematiker. Sie rechnen uns ausführlich vor, wann den Thun nun Meister werden kann. Was auch vom Spiel des FCSG vom Ostermontag abhängt. Schreibe Null und behalte Drei. Wer die Mensa-Berechnungen nach all dem Bier und all der Berliner Luft nicht kapiert hat, bekommt sie sicher schon bald in siebeneinhalb Minuten von Party-Kernen erklärt. Oder in siebzig Minuten von Mattäng.
- Season 2025 - 2026
Der FC Thun wird Schweizermeister. Lange wurde dem Club das Halten der Pace nicht zugetraut. Seit dem 4:0-Sieg und dem damit einhergehenden 4. Sieg im 4. Spiel muss man die Berner Oberländer auf dem Schirm haben. Matthias Engel, eingefleischter Thun-Fan und Betreiber des Fanblogs thunfans.ch gibt im Gespräch Einblick in die Welt des FC Thun. Was und/oder wer hat den Titel möglich gemacht? Wie geht es für den Verein weiter, der jedes Jahr die Millionen für die Spiellizenz zusammenkratzen muss, nach dem Titel weiter? Und: was ist ein realistisches Saisonziel für 26/27?
- Season 2025 - 2026
- FCZ – Thun
- |
- 2:1
- 21/03/2026
Was für eine tolle Überraschung. Kollege Uttiger drückt mir heute im Letzigrund ein schwarzes Old School-T-Shirt in die Hände. Mit grosser Abbildung des alten FC Thun-Logos und mit einem braunen Lederball drauf. Dazu erhalte ich eine Handvoll Kleber mit gleichem Sujet. Eine echt coole Idee. Auch weil die Bise mal wieder alle im Letzigrund zum Zittern bringt. Logo, dass ich mir das T-Shirt gleich über die Jacke ziehe. Zum Glück heizt auch die Kurve ordentlich ein. Es gibt viele Pyros zum Anpfiff, besonders die Zuckerstöcke sind sehr schön anzusehen.
Die Partie beginnt ganz nach dem Geschmack der vielen Gäste aus dem Berner Oberland. Bereits in der 1. Minute kommt Rastoder im Strafraum zum Abschluss, scheitert aber an FCZ-Goalie Huber. Nicht verwandt mit der Gemeinderätin Huber aus dem Kreis 9. In der 2. Minute prüft Bertone den Zürcher Keeper aus der Distanz. Thun macht enorm Druck. In der 5. Minute lenkt Vujevic eine Hereingabe an den eigenen Pfosten. In der 6. Minute verpasst Labeau per Volley nur knapp, und in der 9. Minute ist er nach einer flachen Hereingabe einen Schritt zu spät. Die Berner Oberländer dominieren die Anfangsphase klar, einzig der Führungstreffer fehlt.
Dieser fällt stattdessen auf der Gegenseite. In der 15. Minute bringt Berisha den Ball nach einem geklärten Eckball erneut in den Strafraum. Reverson steigt hoch und trifft per Kopf zum 1:0. Ein Tor, das sich überhaupt nicht abgezeichnet hat. Die Thuner zeigen sich unbeeindruckt. In der 18. Minute setzt sich Meichtry stark durch, scheitert aber knapp an Huber. Die Gäste bleiben am Drücker und werden in der 38. Minute belohnt. Nach einem Einwurf schaut Bertone kurz auf und trifft per Volley aus der Distanz sehenswert zum 1:1. Ein Traumtor und der verdiente Ausgleich für den Leader. Kurz vor der Pause verhindert Steffen in der 44. Minute gegen Kény einen erneuten Rückstand. Mit dem Stand von 1:1 geht es in die Halbzeit.
Also sofort los an den Bierstand. Denn Fussballkenner wissen, dass das Cateringteam im Letzigrund ähnlich langsam sind wie in der Stockhorn Arena. Ich erhalte immerhin nach ein paar Minuten Anstehen mein Cahshless-Bier. Zufrieden bin ich allerdings nicht wirklich. Im Becher gibt es noch viel Luft nach oben. Ich reklamiere im besten Züridütsch mehrmals, bis der Becher doch noch bis an den Rand aufgefüllt wird. Gut ist Party-Kernen heute an einem Anlass in der Zentralschweiz und somit nicht mit dabei. Der hätte sich wohl kaum so diplomatisch ausgedrückt. Verbesserungswürdig ist auch die WC-Anlage. Zwar hängt ein Plakat mit QR-Code an der Wand, der einen kostenlosen Test der mitgebrachten Drogen anbietet. Das Angebot würde sicher auch einen Snus-Check beinhalten. Dafür halte ich aber den brüchigen WC-Deckel in den Händen, als ich ihn runterklappen will. Eine links-grüne regierte Stadt setzt halt die Prioritäten anders, als es der gesunde Menschenverstand erwarten würde.
Mit dieser Erkenntnis bin ich pünktlich zurück in der gut gefüllten Kurve. Auch nach dem Seitenwechsel bleibt Thun gefährlich. In der 52. Minute versucht es Bertone erneut aus der Distanz, Huber kann abwehren. In der 56. Minute zwingt Meichtry den Zürcher Torhüter mit einem Schuss in die nahe Ecke zu einer Parade. Dann sorgt der VAR für Aufregung. In der 63. Minute wird ein mögliches Handspiel von Walker im Strafraum überprüft. Der Ball trifft den Arm des Zürchers, und vieles deutet auf einen Penalty hin. Nach kurzer Unterbrechung entscheidet Schiedsrichter Fähndrich in der 66. Minute jedoch gegen einen Strafstoss. Eine äusserst knifflige Szene, bei der unklar bleibt, ob Reichmuth den Ball zuvor noch entscheidend ablenkt. Für die Thuner ist dieser Entscheid schwer nachvollziehbar. In der 77. Minute folgt der nächste Rückschlag. Wieder ist es eine Flanke von Berisha, wieder fällt das Tor per Kopf. Cavaleiro steigt am höchsten und trifft zum 2:1 für den FCZ. Steffen bleibt ohne Abwehrchance.
In der Schlussphase versucht der Leader zu reagieren, doch der FCZ verteidigt kompakt und lässt kaum noch klare Chancen zu. In der 90. Minute rettet Kény im eigenen Strafraum in letzter Sekunde vor mehreren heranstürmenden Thunern. Sechs Minuten werden nachgespielt, doch der Spielfluss ist geprägt von vielen Unterbrüchen. Die letzte Möglichkeit gehört nochmals den Gästen. In der 97. Minute kommt Dähler zum Kopfball, setzt diesen aber neben das Tor.
Danach ist Schluss. Die Thuner zeigten heute eine engagierte Leistung, was allein schon die 9:1-Eckballbilanz für das Gästeteam unterstreicht. Am Ende stehen wir jedoch ohne Punkte da, weil ausnahmsweise die Effizienz gefehlt hat und entscheidende Szenen nicht zu Gunsten des Leaders ausgefallen sind. Und doch trage ich auf dem Heimweg mein schwarzes Old School-T-Shirt voller Stolz durch die Strassen von Zürich. Der Titel ist in Greifweite.