Schon vor dem Derby gegen YB sind hohe Zahlen das Gesprächsthema. Allerdings geht es nicht um den Fussball, sondern um die Reisekosten für das Europacupspiel auf Island. Flugpreise von weit über tausend Franken für eine Partie, die vor kaum mehr als einer dreistelligen Zuschauerzahl stattfinden dürfte, bringen selbst eingefleischte Thun-Fans ins Grübeln. Hartgesottene Anhänger wie Party-Kernen lassen sich davon allerdings nicht abschrecken und planen den Nordlandtrip trotzdem. Auch beim FC Thun liegt der Fokus bereits auf dem Hinspiel der Conference-League-Qualifikation gegen Víkingur Reykjavík. Trainer Gian Luca Privitelli rotiert mit Blick auf die Partie vom Donnerstag und schont die beiden Aussenverteidiger Michi Heule und Fabio Fehr. Auch Valmir Matoshi nimmt zunächst auf der Ersatzbank Platz.
Ich selbst nehme derweil auf der Gegentribüne im Sektor E Platz. Neben mir sitzt ein Arbeitskollege und YB-Fan, der als Aufpasser fungiert. Nach der Europacupreise nach Zagreb fühle ich mich mindestens so ausgelaugt wie die Thuner Spieler. Immerhin lerne ich auf der für mich ungewohnten Tribüne etwas Neues: Auch hier werden mitgebrachte Sandwiches mit Verweis auf die geöffnete Buvette eingezogen. Allerdings können sie als Wertgegenstand deponiert und später gegen Vorweisen eines Abholscheins wieder in Empfang genommen werden. Das Visana Stadion ist ausverkauft und beide Fangruppen sorgen mit grossflächigen Choreografien für einen stimmungsvollen Rahmen. Die Thuner Kurve lässt unter dem Motto «Historisch» die Köpfe zahlreicher Vereinslegenden hochleben. Die YB-Fans antworten mit einer gelb-schwarzen Choreo aus Konfetti und Luftschlangen sowie dem Spruch: «We di wosch la tribe, muesch zersch chönne la ga.» Konfuzius hätte es kaum rätselhafter formulieren können. Deutlich verständlicher sind die Rauchzeichen aus dem Gästesektor. Mit zahlreichen Pyros wird das Feuerwerksverbot am 1. August konsequent ignoriert. Die Heimkurve verzichtet dagegen auf Pyrotechnik und spart sich allfälliges Feuerwerk lieber für ein Thuner Tor auf. Darauf darf man zu diesem Zeitpunkt zumindest noch hoffen.
Die YB-Spieler übernehmen von Beginn an das Kommando, doch auch Thun setzt erste offensive Akzente. In der 7. Minute versucht sich Nils Reichmuth aus rund dreissig Metern, verfehlt das Tor jedoch deutlich. Drei Minuten später geht YB in Führung. Joël Monteiro setzt sich gegen Lucien Dähler durch und trifft mit einem platzierten Schuss aus spitzem Winkel unhaltbar in die lange Ecke zum 0:1. Der FC Thun reagiert mutig und kommt in der 19. Minute zur grossen Chance auf den Ausgleich. Nach einem Freistoss von Lucien Dähler landet der Ball im Strafraum bei Brighton Labeau, der aus kürzester Distanz abschliesst. YB-Goalie Marvin Keller ist jedoch zur Stelle und verhindert mit einer starken Parade den möglichen Ausgleich. Stattdessen schlagen die Berner in der 24. Minute erneut zu. Nach einer umstrittenen Szene im Thuner Strafraum, in der Samuel Essende vergeblich einen Penalty fordert, bleibt YB im Angriff. Alvyn Sanches kommt nach einem freigeblockten Abschluss alleine vor Niklas Steffen zum Schuss, scheitert jedoch am Thuner Keeper. Der Abpraller landet aber direkt vor den Füssen von Lewin Blum, der aus kurzer Distanz zum 0:2 einschiebt. Die Gäste kontrollieren die Partie nun deutlich und legen in der 33. Minute nach. Edimilson Fernandes erhält rund zwanzig Meter vor dem Tor viel zu viel Platz. Die Thuner Defensive greift nicht konsequent ein, sodass der Mittelfeldspieler unbedrängt Mass nehmen kann. Sein präziser Distanzschuss schlägt unhaltbar neben dem Pfosten zum 0:3 ein und lässt Niklas Steffen keine Abwehrchance. Bis zur Pause verhindert der Thun-Goalie mit mehreren starken Paraden gegen Sanches und Monteiro einen noch höheren Rückstand. Es tut weh beim Zuschauen.
Nach dem Seitenwechsel bringt Thun-Trainer Gian Luca Privitelli mit einem Dreifachwechsel inklusive dem schmerzlich vermissten Michi Heule frische Kräfte. Kurz nach Wiederbeginn rettet Thun-Goalie Steffen zunächst gegen Monteiro. In der 54. Minute entscheidet Schiedsrichter Urs Schnyder nach einem Foul von Nicolas Bürgy an Samuel Essende dann aber auf Penalty. Essende übernimmt selbst die Verantwortung, verlädt Steffen und erhöht auf 0:4. Der FC Thun gibt sich dennoch nicht geschlagen und kommt kurz darauf zu einer weiteren vielversprechenden Gelegenheit. Brighton Labeau startet in die Tiefe und scheint frei durch zu sein. Lewin Blum verhindert den Abschluss jedoch mit einer Grätsche in höchster Not. In der 68. Minute sorgt ausgerechnet der Ex-Thunrt Kastriot Imeri mit einem abgefälschten Distanzschuss für das 0:5. Auch danach suchen die Oberländer den Ehrentreffer. In der 79. Minute prüft Dominik Pech zwar Niklas Steffen auf der Gegenseite, ehe Thun in der 86. Minute selbst nochmals gefährlich wird. Layton Stewart zieht mit rechts ab, doch Marvin Keller wehrt den Abschluss sicher ab und verhindert den verdienten Ehrentreffer. Doch zwei Minuten zuvor hat sich die Ausgangslage der in jeder Hinsicht angeschlagenen Thuner zusätzlich verschlechtert. Michi Heule hat sich in einem Zweikampf verletzt und kann nicht weiterspielen. Da alle Wechsel bereits vorgenommen sind, muss der FC Thun die letzten Minuten mit nur zehn Spielern bestreiten. YB nutzt die Überzahl in der Schlussminute nochmals aus. Stefan Bukinac flankt von der linken Seite in den Strafraum, wo Samuel Essende völlig frei zum Ball kommt und zum 0:6 einschiebt. Kurz darauf erlöst Schiri Schnyder die Thuner mit dem Schlusspfiff.
Ich bin so angesäuert, dass ich in einen Besen beissen könnte. Stattdessen hole ich mein zuvor beschlagnahmtes Sandwich ab. Mein Arbeitskollege bietet mir aus Mitleid an, mich nach Zürich mitzunehmen. Also geht es hinunter ins Parkhaus, wo ich nach all den Jahren in der Arena Thun eine Premiere erlebe. Bald weiss ich wieder, weshalb ich jeweils mit dem ÖV anreise. Vor der Ausfahrt geht praktisch nichts mehr. Auto reiht sich an Auto, der Stau zieht sich schier endlos hin. Erst nach mehr als einer halben Stunde verlassen wir das Stadiongelände.
So zäh und zerfahren wie der Verkehr nach Spielschluss wirkten an diesem Abend auch die Offensivbemühungen des FC Thun. Aber Kopf hoch. Der nächste Halt heisst wieder Europacup. Aber ganz bestimmt nicht mit dem Auto.

Block Süd-Treffpunkt Ul. Ivana Tkalčića 14. Das passt perfekt. Just an dieser Adresse habe ich tags zuvor mit einem griechischen Salat und einem tschechischen Bier meine Länderpunkt-Woche gestartet. Ob dass ein Zivilpolizist der Fankurve gemeldet hat oder ob doch alles nur Zufall ist, bleibt offen. Aber jedenfalls belagern den ganzen Nachmittag lang 500 Thunfans die Gasse. Alles ist friedlich und süffig, nur hat es etwas gar viel Polizeipräsenz. Selbst das Restaurant-WC wird bewacht. Und doch kann es die Polizei nicht verhindern, dass ich irgendwo in der Gasse meinen schwarzen Thunschal liegen lassen. Hat halt jetzt irgendwer ein schönes Souvenir. Es ist heiss, um die 30 Grad. Das dämpft doch eher die Motivation auf einen Fanmarsch. Aber die Polizei hat ohnehin einen anderen Plan. Um 17 Uhr und damit drei Stunden vor Anpfiff heisst es Abmarsch zur nächsten Tramhaltestelle, wo das erste von zwei klimatisierten Trams auf uns wartet. GC-Fans können von einem solchen Service nur träumen. Baustellenbedingt heisst es auf halber Strecke umsteigen auf Ersatzbusse, die uns direkt vor den Gästesektor fahren. Die Eingangskontrolle ist human. Sagen jedenfalls die Nichtraucher. Denn während alle Snusdosen rein dürfen, werden alle Feuerzeuge beschlagnahmt. Pyrobekämpfung auf Kroatisch.
Als wir um 20 Uhr den Anpfiff bejubeln, ahnt noch niemand, dass 123 dramatische Minuten im Maksimir Stadion vor uns liegen. Dann hätte sich wohl auch kaum eine Bieler Reisegruppe mit ihren Kollegen aus Kroatien weit hinten im Gästeblock, aber direkt in der Reihe vor mir positioniert. Nein, dass gibt heute keinen Dinamo-Standardsieg, bei dem man als Kroate unter lauter Thunfans unauffällig bleibt. Insgesamt sorgen 20’000 Zuschauer in Zagreb für eine stimmungsvolle Kulisse. Der Grossteil der Fans treibt den kroatischen Serienmeister lautstark nach vorne, doch auch die rund 500 mitgereisten Thuner Anhänger machen sich während der gesamten Partie bemerkbar und feiern jede gelungene Aktion ihrer Mannschaft. Die Heimkurve verstummt allerdings schon früh. Der FC Thun erwischt einen Traumstart. Bereits in der 4. Minute wird Reichmuth auf der linken Seite mustergültig freigespielt. Seine scharfe Hereingabe rutscht bis an den zweiten Pfosten, wo Brighton Labeau nur noch den Fuss hinhalten muss und zum 1:0 einschiebt. Während die Thuner Fans ausgelassen jubeln, wird es im weiten Rund des Maksimir überraschend ruhig.
Zagreb versucht zwar sofort zu reagieren, doch die Berner Oberländer verteidigen konzentriert und lassen kaum klare Chancen zu. Nach 20 Minuten verpasst Reichmuth mit einem Distanzschuss das zweite Tor nur knapp. Dieses fällt zwei Minuten später trotzdem. Nach einem Freistoss steigt Captain Marco Bürki am linken Pfosten am höchsten und köpft den Ball herrlich über Goalie Filipovic hinweg zum 2:0 in die Maschen. Die Thuner Kurve kennt nun kein Halten mehr, während aus der Heimkurve erste ungeduldige Pfiffe zu hören sind.
Dinamo übernimmt danach mehr Ballbesitz, doch Bamert, Bürki und ihre Mitspieler räumen in der Defensive fast alles kompromisslos ab. Beljo vergibt mehrere Möglichkeiten, Orsic bleibt immer wieder an Fehr hängen und auch Valincic verzieht aus aussichtsreicher Position. Thun setzt seinerseits immer wieder gefährliche Nadelstiche und geht mit einer hochverdienten 2:0 Führung in die Pause. Die Heimfans verabschieden ihre Mannschaft mit einem gellenden Pfeifkonzert in die Kabine, während die mitgereisten Thuner den Schweizer Meister lautstark feiern.
Kurz nach Wiederbeginn sorgt allerdings nicht das Spiel, sondern die Technik für Aufsehen. In der Schweiz bricht die TV-Übertragung vollständig zusammen. Bild und Ton fallen aus, stattdessen wird während mehreren Minuten lediglich Musik eingespielt. Ich erhalte mehrere Nachrichten aus dem Berner Oberland mit Sprüchen wie «Brönnt Stadion zKroatie?» Erst nach einiger Zeit steht wieder eine Übertragung mit anderer Bildquelle für die Daheimgebliebenen wie Fanclublegende und Party-Kernen zur Verfügung. Auf dem Rasen erhöht Zagreb derweil den Druck.
Die Partie kippt schliesslich in der 67. Minute. Marco Bürki verliert den Ball vor dem eigenen Strafraum und bringt seinen Gegenspieler unmittelbar vor der Strafraumgrenze zu Fall. Und das ausgerechnet kurz nachdem die Thuner ansichtlich den Ball ins Aus gespielt haben, weil einer von ihnen am Boden lag. Die Kroaten haben den Ball nur halbherzig zurückgespielt und gleich wieder erobert. Wenig Herz zeigt auch der VAR. Schiedsrichter Radoslav Gidzhenov zeigt zunächst Gelb. Doch der Video Assistant Referee greift ein. Nach längerem Studium der Bilder nimmt der bulgarische Unparteiische seine Entscheidung zurück und zeigt dem Thuner Captain wegen einer vermeintlichen Notbremse als letzter Mann die Rote Karte. Für Bürki, der zuvor mit seinem Kopfballtor zum Matchwinner geworden war, endet der Abend als tragische Figur. Trainer Gian Luca Privitelli sieht wegen heftiger Reklamationen ebenfalls die Gelbe Karte. Und wir Fans schimpfen und pfeiffen sowieso.
In Überzahl dreht Dinamo nun auf. Die Heimfans peitschen ihre Mannschaft lautstark nach vorne und sorgen für eine Atmosphäre, die dem Spiel endgültig den Charakter eines Europacupkrimis verleiht. In der 75. Minute verkürzt Beljo nach einer Hereingabe auf 1:2. Einer der Kroaten vor mir jubelt laut. Und enttarnt damit die ganze Gruppe. Wir Thunfans haben aber grössere Sorgen. Der FC Thun gerät nun immer stärker unter Druck und verteidigt mit grossem Einsatz. Doch in der 86. Minute gelingt Zagreb nach einem Eckball der Ausgleich. Kacavenda steigt am höchsten und köpft zum 2:2 ein. Nun brennt es tatsächlich im Stadion. Zum einzigen Mal an diesem Abend werden in der Heimkurve Pyros gezündet. Und es bleibt hektisch. Kurz nach dem 2:2 rettet der Pfosten gegen Topic, ehe Goalie Steffen mit mehreren starken Paraden die Verlängerung sichert.
Auch in Unterzahl gibt sich der Schweizer Meister nicht geschlagen. Die Berner Oberländer verteidigen leidenschaftlich und haben vereinzelt auch Offensivaktionen. In der 97. Minute zieht Michi Heule nach einem Konter aus spitzem Winkel ab, doch sein Schuss rollt hauchdünn am Pfosten vorbei. Zagreb rennt weiter an, findet aber lange kein Mittel gegen die aufopferungsvoll kämpfenden Thuner. Erst in der 112. Minute fällt die Entscheidung. Valincic erhält vor dem Strafraum zu viel Platz und schlenzt den Ball unhaltbar zum 3:2 ins Eck. Das Maksimir Stadion explodiert, als hätte Dinamo soeben den Titel gewonnen. Die Thuner Fans versuchen ihre Mannschaft noch einmal nach vorne zu treiben. Die Kroatengruppe packt angesichts des gekippten Spiels, aber auch wegen der Standpauke eines früheren Capos nun ihre Sachen zusammen und verlässt den Gästesektor.
Auf dem Platz geht es bei weitem nicht so ruhig zu und her. In einer hektischen Schlussphase mit Rudelbildungen und hitzigen Zweikämpfen wirft der FC Thun trotz Unterzahl alles nach vorne. Der Ausgleich gelingt jedoch nicht mehr.
Mit dem Schlusspfiff überwiegt die Enttäuschung bei den Berner Oberländern über das vorzeitige Champions-League-Aus , doch der Applaus von uns Fans zeigt, wie gross der Stolz auf diese Leistung ist. Der FC Thun bringt den kroatischen Serienmeister an den Rand des Ausscheidens und scheidet erst nach einer dramatischen Verlängerung aus der Champions League-Qualifikation aus. Die europäische Reise ist dennoch nicht beendet. Schon nächste Woche gehts weiter mit Länderpunktesammeln in der dritten Qualifikationsrunde der Europa League. Zuerst gehts aber rein ins Nachtleben von Zagreb. Kurz vor Mitternacht bringen Bus und Tram die Fans bestens organisiert zurück in die Innenstadt. Das Standort-Update des Block Süd wollen wir hier aber nicht verraten.

Heute hätte ich die Chance, fünffache Ultrapunkte zu holen. Ich müsste dafür nur von Zürich nach Thun fahren und dort in den Extrazug der Thunfans einsteigen. Grund für den Punktebonus: Das kleine GC hat keinen Extrazug der SBB zugeteilt bekommen. Stattdessen nehmen die Niederhasler einen regulären Zug ab Zürich HB. Und obwohl es zweimal pro Stunde einen Direktzug von Zürich an ihren Spielort Lausanne gibt, entscheiden sie sich für den IC 81-Zug Richtung Thun und sorgen für eine regelrechte Chaotenfahrt mit dreimaligem Notbremseziehen, viel Rauchzeichen und Rekordmeister-Flugblättern. GC-Fans sind schon eine missverstandene Gruppe. Aber man kann es auch positiv sehen: Der Rekordmeister will seinen Respekt vor dem aktuellen Schweizer Meister unter Beweis stellen und führt sein Fussballtheater deshalb ausgerechnet im Zug von Zürich nach Thun auf. Ja das wäre ein richtiger Kindergeburtstag, wenn ich in meinem Thun-Outfit auch an Bord wäre. Aber weil ich den ganzen Nachmittag mit Packen fürs Champions-League-Spiel in Zagreb beschäftigt bin, verzichte ich auf den Umweg über Thun. Ich fahre stattdessen direkt von Zürich nach Luzern und von dort weiter mit der S-Bahn zum Stadion. Eine gesellige Reise ohne Zwischenfälle. Es gibt auch sehr viele intelligente Fussballfans.
Im Stadion treffe ich die Kollegen. Wir holen uns erst mal unser Bier. Und das stimmt gleich doppelt, denn in Thun wir ja seit der neuen Saison auch Eichhof ausgeschenkt. Wir haben also bereits Übung mit solchem harten Alkohol.
Um 20.30 Uhr gehts los. Der FC Thun gerät beim Auftakt der neuen Super League-Saison früh unter Druck. Kaum rollt der Ball, setzt Saiz mit einem Foul nach wenigen Sekunden das erste Zeichen. In der 2. Minute folgt die kalte Dusche. Nach einem hohen Ball in den Strafraum herrscht Unordnung in der Thuner Defensive, mehrere Luzerner kommen frei zum Abschluss, ehe Stefan Knezevic den Ball aus kurzer Distanz über die Linie drückt. Weil der Verdacht auf eine Abseitsposition besteht, greift der VAR ein und überprüft die Szene ausführlich. Nach langer Wartezeit bestätigt das Videoteam den Treffer in der 4. Minute. Das Tor zählt und der Meister liegt früh mit 0:1 zurück. Die Antwort lässt jedoch nicht lange auf sich warten. In der 8. Minute sorgt ein weiter Einwurf von Nicolas Bürgy für Verwirrung im Luzerner Strafraum. Gutbub verlängert den Ball per Hinterkopf und Nico Maier reagiert blitzschnell. Aus der Drehung nimmt er den Ball volley und trifft über den Innenpfosten unhaltbar zum verdienten Ausgleich. 1:1, Thun ist wieder auf Kurs.
Luzern hat in der Folge mehr Ballbesitz, doch Thun verteidigt kompakt und setzt immer wieder gefährliche Nadelstiche. Stewart wird in der 12. Minute gerade noch von Torhüter Simoni gestoppt. Nach 22 Minuten zeichnet sich Thun-Goalie Steffen erstmals mit einer starken Parade gegen Ferreira aus. Auf der Gegenseite scheitert Derbaci in der 25. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer an Simoni. Drei Minuten später fehlt dem Meister nur wenig zur Führung. Zoukit zirkelt einen Freistoss herrlich über die Mauer, doch der Ball klatscht an die Latte. Auch Stewart verzieht in der 30. Minute knapp. Kurz vor der Pause steigt Gutbub nach einem Eckball am höchsten, bringt seinen Kopfball aber nicht aufs Tor. So bleibt es trotz der besseren Chancen des Meisters bis zur Halbzeit beim 1:1.
Nach dem Seitenwechsel drängt Luzern zunächst auf die erneute Führung. In der 47. Minute übersteht Thun eine unübersichtliche Szene im eigenen Strafraum mit etwas Glück. Zwei Minuten später verhindert Steffen mit einer überragenden Parade gegen Ferreira den Rückstand. Nur wenig später schlägt der Meister erneut zu. In der 50. Minute holt Balaruban, der legendäre Lieblingsspieler von Party-Kernen, einen Freistoss heraus, nachdem Luzerns Captain Dorn für ein Foul die Gelbe Karte sieht. Zoukit bringt den ruhenden Ball gefährlich vors Tor. Luzern-Goalie Simoni scheint den Ball bereits sicher in den Händen zu halten, lässt ihn aber wieder los. Thun-Neuzugang Nicolas Bürgy setzt entschlossen nach und stochert den Ball aus kurzer Distanz über die Linie. Erneut schaltet sich der VAR ein und überprüft die Entstehung des Treffers ganz genau. Nach bangen Momenten folgt in der 53. Minute die Erlösung. Das Tor wird bestätigt, der Meister hat offiziell die Partie gedreht. Später wird der Treffer offiziell Gutbub gutgeschrieben, weil der Stürmer den Ball am Boden liegend noch entscheidend berührt hat.
Thun bleibt gefährlich. In der 55. Minute vergibt Gutbub das mögliche dritte Tor, als er eine perfekte Flanke am zweiten Pfosten nicht richtig trifft. Zehn Minuten später scheitert er nach einem Sololauf erneut an Simoni.  Thun-Trainer Privitelli bringt mit Michi Heule, Roth und Matoshi frische Stammkräfte. Michi Heule muss schon kurz darauf nach einem harten Zweikampf kurz behandelt werden, kann aber zu unserer Erleichterung weiterspielen. Stewart verpasst in der 68. Minute mit einem Schuss knapp am Pfosten die Vorentscheidung. Diese fällt schliesslich in der 84. Minute. Dähler schlägt einen Freistoss von der rechten Seite präzise in den Strafraum. Nicolas Bürgy steigt am höchsten und köpft den Ball wuchtig ins Netz. 1:3!
In der Nachspielzeit verteidigt der Meister, der von uns mit dem Meisterlied passend gefeiert wird, konzentriert. Bamert kommt nach einer Ecke noch zu einer guten Kopfballchance, ehe Luzern mit zwei Eckbällen den Anschlusstreffer sucht. Die Thuner Abwehr hält jedoch stand. Ein letzter Konter über Saiz versandet zwar, doch wenig später beendet der Schiedsrichter die Partie. Gross ist der Jubel, auch weil ein Blick auf die Blitztabelle Schönes zeigt. Thun ist bereits wieder Leader. Es ist also ganz logisch, dass die vielen Thuner Auswärtsfans mit einem Extrazug durch die Schweiz reisen dürfen und die GC-Fans nicht. Ein Gruss geht raus an Niederhasli mit dem vergessenen Rekordmeister.

Der FC Thun kehrt nach 20 Jahren auf die Champions-League-Bühne zurück und verkauft sich gegen Dinamo Zagreb teuer. Dabei ist das Spiel selber ein Schnäppchen. Abobesitzer zahlen die Hälfte, mit 13 Franken sind wir dabei beim ersten Königsklassen-Spiel der Berner Oberländer seit 2005. Wobei das eingesparte Geld sofort wieder ausgegeben ist am  Block Süd-Stand. Schliesslich ist das weisse Europapokau-Shirt ein Muss für jeden Fan.
Vor einer stimmungsvollen Kulisse mit einem lautstarken Heimanhang und den ebenfalls zahlreich angereisten Bad Blue Boys gehts Punkt Acht los. Kein Tom Cruise und kein Robbie Williams in Sicht, der den Anpfiff verzögert. Und der grosse Promi in der Loge heisst hier Lustrinelli und nicht Trump.
Die favorisierten Gäste übernehmen zunächst erwartungsgemäss die Initiative. Bereits in der 2. Minute muss Thun mehrmals klären, ehe die Berner Oberländer zunehmend Sicherheit gewinnen. Reichmuth holt früh eine Gelbe Karte gegen Zajc heraus, Michi Heule sorgt über die linke Seite für die ersten offensiven Akzente und nach 17 Minuten kommt das Heimteam zur ersten grossen Möglichkeit. Reichmuth bringt den Ball gefährlich zur Mitte, Matoshi scheitert zunächst an Filipovic und auch Fehrs Nachschuss wird in höchster Not geblockt. Drei Minuten später belohnt sich der Schweizer Meister für seinen mutigen Auftritt. Nach einem Eckball gelangt der Ball zu Fehr, der von der rechten Seite eine massgenaue Flanke in den Strafraum schlägt. Dinamo-Keeper Filipovic zögert beim Herauslaufen einen Moment. Labeau nutzt dies aus, setzt sich im Kopfballduell entschlossen durch und wuchtet den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 in die Maschen. Das Visana Stadion steht Kopf, während es im Gästesektor für einen Moment ruhig wird. Das Feeling von 2005 kommt auf in Thun.
Die Führung verleiht unserem Heimteam zusätzliches Selbstvertrauen. Thun spielt weiter nach vorne und kommt in der 29. Minute dem zweiten Treffer nahe. Matoshi hebt den Ball gefühlvoll in den Lauf von Dursun, dessen Kopfball nur knapp am rechten Pfosten vorbeistreicht. Zagreb findet gegen die kompakte Thuner Defensive lange kaum Lösungen. Erst kurz vor der Pause werden die Gäste gefährlicher. Zajc verzieht in der 43. Minute aus guter Position, ehe Vidovic den Ball zwei Minuten später knapp über das Tor setzt. Die Führung der Berner Oberländer zur Pause ist verdient. Da stossen Party-Kernen noch so gerne mit Bier darauf an. Und natürlich auch auf die ausbleibende Halbzeitshow. Das hier ist noch ein richtiges Fussballspiel, in dem die Pause keine halbe Stunde dauert. Ein Gruss geht raus an die mafiöse FIFA in Zürich.
Nach dem Seitenwechsel erhöht Dinamo den Druck. In der 52. Minute verhindert Fehr mit einer starken Rettungsaktion gegen den davoneilenden Orsic den möglichen Ausgleich. Nur zwei Minuten später verschätzt sich Steffen nach einem Eckball, doch Michi Heule reagiert auf der Torlinie glänzend und klärt per Kopf. Auch Orsic lässt in der 58. Minute eine gute Gelegenheit ungenutzt, als Steffen seinen Abschluss sicher festhält. Thun bleibt trotz der Druckphase gefährlich. Reichmuth schiesst in der 61. Minute nach einem Freistoss nur knapp nicht durch die vielbeinige Gästeabwehr, Matoshi verpasst in der 73. Minute nach einer sehenswerten Kombination das mögliche 2:0 um wenige Zentimeter. Auch Michi Heule sorgt in der 76. Minute nochmals für Aufregung, als er nach einem starken Vorstoss im Strafraum zu Fall kommt. Schiedsrichter Bulat Sariyev lässt jedoch weiterspielen. Er meint wohl, dass die Blauen Argentinier sind.
Lange sieht es danach aus, als würden die Berner Oberländer ihre starke Leistung mit einem Sieg krönen. In der 86. Minute fällt aber doch noch der Ausgleich. Nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung schaltet Dinamo schnell um. Zajc erhält ausserhalb des Strafraums etwas zu viel Platz und schlenzt den Ball präzise am chancenlosen Steffen vorbei ins Eck. Während die mitgereisten Zagreber Fans den Treffer lautstark feiern, muss sich das Heimteam kurz schütteln. Die Reaktion fällt allerdings bemerkenswert aus. Thun zieht sich nicht zurück, sondern sucht in den Schlussminuten nochmals den Weg nach vorne. Gutbub holt einen Eckball heraus, Michi Heule versucht es aus der Distanz und auch nach Ablauf der regulären Spielzeit drängen die Gastgeber auf den Lucky Punch. Der letzte Freistoss der Gäste in der 92. Minute bringt keine Gefahr mehr, kurz darauf endet die Partie.
Der FC Thun verpasst damit zwar einen Sieg, liefert bei seiner ersten Champions-League-Partie seit 2005 aber eine Leistung ab, die Mut für das Rückspiel von nächstem Dienstag in Zagreb macht. Gegen den klaren Favoriten begegnen die Berner Oberländer dem Gegner über weite Strecken auf Augenhöhe und zeigen, dass ihre Rückkehr auf die europäische Bühne alles andere als ein einmaliger Ausflug sein soll. Weshalb auch die ganze Kurve dem Team ein Auswärtssieg, Auswärtssieg entgegen brüllt. Wir sehen uns nächsten Dienstag in Zagreb.

In einem neuen Fanvideo wird das Meistermärchen 2025/26 gefeiert – ebenso wie das familiäre Umfeld, das den FC Thun seit vielen Jahren auszeichnet. Gleichzeitig soll es als kleines Zeitdokument dazu beitragen, Erinnerungen festzuhalten und die Geschichte des Vereins weiterzuerzählen. 

Zwei Freunde, die seit 1997 am FC Thun «kleben geblieben» sind und heute beide nicht mehr im Berner Oberland wohnen, verantworten Konzept und Umsetzung. So konnten sie ihr Heimweh etwas stillen und dem FC Thun ein Kränzchen winden. 

Merci an die Meistergiele 25/26 – und an alle, die den FC Thun mitgetragen haben, ihn noch immer aktiv gestalten oder ihn in Zukunft mit Leben füllen werden!

Viele Persönlichkeiten hätten in diesem Video zu Wort kommen können. Die sieben Protagonisten stehen stellvertretend für all jene, die den Verein über die Jahre begleitet, mitgetragen und mitgestaltet haben. Die Auswahl bildet einen kleinen, feinen Ausschnitt der Menschen, die den Verein geprägt haben. Merci an Pudi, Märk, Milaim, Armand, Stefan, Benjamin und Andreas!

https://www.youtube.com/watch?v=1E-nGcPl3IY

Damit wir unsere Anlässe auch in Zukunft durchführen können, sind wir auf eure Unterstützung angewiesen. Mit einem Mitgliederbeitrag oder einer freiwilligen Spende helft ihr mit, den Thuner Stamm lebendig zu halten. Schöner Nebeneffekt: Auf thunfans.ch poppen weiterhin alle paar Tage witzige Spielberichte über Siege des FC Thun auf.


Das Jahresprogramm 2026

Unsere Stammtische finden an folgenden Montagen jeweils ab 18:00 Uhr im Restaurant Riithalle (Gessnerallee 8, 8001 Zürich) statt:

  • Montag, 10. August
  • Montag, 12. Oktober
  • Montag, 9. November


Zusätzlich treffen wir uns zu folgenden Anlässen:

  • Samstag, 20. Juni, ab 10:30 Uhr
    Armbrustschiessen beim Armbrustschützenverein Dübendorf
    (Untere Geerenstrasse 64, 8600 Dübendorf)
  • Samstag, 28. November
    Chlous-Stamm im Restaurant Zur Post
    (Rümlangerstrasse 35, 8105 Watt)

Anmeldungen bitte an info@thunfans.ch

Sonne. Und das in der häufig verregneten Ostschweiz. Das tut unserer Seele gut, nachdem wir in dieser Woche bei all den Feiern etwa 3 Liter Regenwasser schlucken mussten. Und natürlich noch mehr Bier. Ausser wettertechnisch reitet Thun immer noch auf der Erfolgswelle. Nicht direkt resultstmässig, aber tabellenmässig. Heute gehts nur noch darum, nachträglich den Titel aus eigener Kraft zu schaffen. Ein Unentschieden braucht es dafür in der virtuellen Finallissima gegen den Cupfinalist FCSG.
Die Gastgeber starten druckvoll in die Partie. Bereits in der 3. Minute tänzelt sich Besio im Strafraum durch, doch Thun-Ersatzgoalie Tim Spycher reagiert blitzschnell und verhindert den frühen Rückstand. Die Thuner haben zunächst Mühe, sich aus der Umklammerung der Ostschweizer zu lösen. In der 8. Minute prüft Stevanovic Spycher mit einem Distanzschuss, doch der junge Keeper hält sicher. Kurz darauf taucht Rastoder erstmals gefährlich für Thun auf. Sein wuchtiger Abschluss wird zwar spektakulär von Zigi pariert, doch die Aktion wird wegen Abseits zurückgepfiffen. Die Berner Oberländer treten nun mutiger auf. In der 17. Minute schnüren sie St. Gallen im eigenen Strafraum ein, finden aber noch keine Lücke. Drei Minuten später setzt sich Heule stark gegen Besio durch und verhindert einen gefährlichen Angriff. Nach 22 Minuten überrascht Imeri die St. Galler mit einem schnell ausgeführten Freistoss. Sein Lupfer findet Rastoder, dessen Abschluss jedoch nur im Aussennetz landet. Die beste Phase der Gäste folgt kurz vor der Pause. In der 28. Minute tankt sich Labeau gegen mehrere Gegenspieler durch und holt einen Corner heraus. Danach sorgt Imeri mehrfach für Gefahr. In der 32. Minute versucht er es frech mit der Hacke, wenig später scheitert er nach einem Sololauf an Stanic. Doch auch die Gastgeber kommen zu grossen Chancen. In der 36. Minute rettet Spycher gegen Stevanovic mirakulös aus nächster Nähe, Roth klärt anschliessend. Nur wenige Minuten später vergibt Boukhalfa aus kürzester Distanz die Führung für die Ostschweizer. Kurz vor dem Pausenpfiff wird es nochmals brenzlig: Nach einem Fehler von Dähler kommt Stevanovic frei zum Abschluss und hämmert den Ball an die Latte. Spycher scheint den Ball noch leicht abzulenken. So bleibt es zur Pause beim 0:0.
Bier holen. Auch wenn es Schügga ist. Quasi die Ostschweizer Antwort auf Oberländer Regenwasser. Aber wir brauchen nun mal einen vollen Becher, um auf den Meistertitel anzustossen.
Nach dem Seitenwechsel bleibt die Partie intensiv. In der 47. Minute versucht sich Matoshi aus grosser Distanz, nachdem Zigi weit vor seinem Tor steht, verzieht aber. Danach prägen Fouls und Unterbrüche das Geschehen. Rastoder sorgt in der 58. Minute für die bis dahin grösste Thuner Chance der zweiten Halbzeit. Der Topskorer setzt sich stark durch und schliesst aus spitzem Winkel mit einer Spitzguuge ab. Der Ball kracht an den Pfosten. Die Strafe des Fussballgotts folgt wenig später. In der 65. Minute kombinieren sich die St. Galler nach vorne. Zunächst verpasst Vogt gegen Frank noch den Querpass, doch Konietzke rauscht heran und versenkt den Ball eiskalt gegen Spycher zur 1:0-Führung für die Gastgeber.
Die Thuner reagieren sofort. Aushilfetrainer Yves Zahnd bringt frische Kräfte und unsere Mannschaft wirft nun alles nach vorne. In der 69. Minute zieht Rupp nach einem Eckball per Volley ab, der Ball zischt knapp vorbei. Die Berner Oberländer drücken auf den Ausgleich. Dann folgt der grosse Auftritt von Heule, Michi Heule. In der 75. Minute segelt eine weite Flanke via Labeau in den Strafraum. Heule nimmt den Ball stark an, zieht aus spitzem Winkel kompromisslos ab und hämmert ihn mit voller Wucht ins Lattenkreuz. Zigi bleibt ohne jede Abwehrchance. Ein Traumtor des Thuner Verteidigers bringt den verdienten Ausgleich zum 1:1. Thun wäre mit diesem Resultat Meister aus eigener Kraft. Doch nicht nur deshalb sind wir kurz etwas emotional. Es könnte die letzte Glanztat von Heule für Thun gewesen sein. Was würden wir uns freuen, ihn mach der Sommerpause wieder für den FCT auflaufen zu sehen.
Die Schlussphase gehört den Gästen. In der 79. Minute rauscht Heule nach einem Doppelpass in den Strafraum, rutscht aber im entscheidenden Moment aus. Kurz darauf verpasst Quintilla auf der Gegenseite die erneute Führung für St. Gallen nur knapp. Die Thuner drücken weiter. In der 87. Minute erobern sie den Ball hoch in der gegnerischen Hälfte, können daraus aber kein Kapital schlagen. In der Nachspielzeit schnuppern die Berner Oberländer tatsächlich am Sieg. In der 91. Minute kommt Joker Gutbub zu einer guten Möglichkeit, scheitert aber ebenso wie Rupp im Nachschuss. Zwei Minuten später versucht es auf der Gegenseite Fazliji aus der Distanz, doch Spycher hält sicher. Danach schnüren die Gäste die St. Galler nochmals ein. Okoroji rettet in höchster Not zur Ecke. Nach dem folgenden Corner scheitert Heule mit seinem Abschluss ein letztes Mal.
Dann ist Schluss. Der FC Thun verabschiedet sich mit einem engagierten Auftritt und einem verdienten Punktgewinn aus der Saison. Besonders Heules Traumtor und die starke Leistung von Ersatzkeeper Spycher sorgen dafür, dass die Berner Oberländer dem Meisterschaftsende ein positives Kapitel hinzufügen. Wir sind Meister und das nicht einfach nur so vom Sofa aus. Wir sind Meister aus eigener Kraft. Euch allen eine schöne Sommerpause. Und nicht vergessen: «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»

«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» Das ganze Stadion singt und jubelt, als Budi Latour den Meisterpokal ins Stadion trägt. Spötter lästern, dass der resultsmässig doch nur der achtbeste Trainer der Klubgeschichte war. Für Nostalgiker ist es dagegen ein sehr emotionaler Moment und eine späte Genugtuung. Thun hätte schon zwei Jahrzehnte früher Meister werden können, wenn Latour den Verein nicht an Weihnachten 2004 im Stich gelassen hätte und zu GC gewechselt wäre. Damals lagen wir knapp hinter Basel auf Meisterkurs, einundzwanzigeinhalb Jahre später ist der Meisterpokal unser. Die Namen des ganzen Betreuerstabs werden aufgerufen und dann auch jeder einzelne Spielername. Und dann ist der grossartige Moment da. Captain Bürki stemmt den Pokal nach oben. Konfettiregen, der We are the Champions-Song von Queen und tausende Fans, die lauthals schreien. Was für ein tolles Gefühl. Und dann die Ehrenrunde der Spieler und gleich noch eine zweite, die vor dem Block Süd endet. Alle aus dem Betreuerteam und alle Spieler stemmen nacheinander den Pokal in die Höhe. Etwas, dass wir letzten Frühling schon mit dem Aufstiegspokal zelebriert haben. Aber hier und jetzt mit dem Meisterpokal hat die Feier eine ganz andere Grössenordnung. Wir werden uns noch auf dem Totenbett daran erinnern. Und wie wir so an unsere hoffentlich ganz ferne Zukunft denken, kommt die Trauer über uns, dass ein grosser Thuner heute nicht unter uns ist. Der langjährige Präsident Kurt Weder ist diese Woche 82-jährig verstorben. Es war ein Schockmoment, als vor Spielbeginn ein schwarzweisses Porträtbild von ihm für eine Trauerminute eingeblendet wurde. Das wäre heute auch sein grosser Tag gewesen. YB-Fans sind bei all diesen emotionalen Szenen keine mehr im Stadion. Das ist schwach, wir Gottéron-Fans sind damals auch im Stadion geblieben, als der SCB 2013 Meister wurde gegen uns. Und es liegt auch an den YB-Fans, dass der Tag vorzeitig endet. Die Kantonspolizei hat keine Erlaubnis erteilt, heute die offizielle Meisterfeier durchzuführen. Das sei zu gefährlich mit all den Gelb-Schwarzen in der Stadt. Ja dann kehren wir halt morgen zum Stadion zurück, um den FC Thun und uns alle nochmals hochleben zu lassen.
Doch weil hier sicher auch viele Fussballexperten aus dem 1898-Forum mitlesen, wollen wir den Spielbericht nicht mit YB-Bashing beenden, sondern noch ein paar Worte zum Spiel verlieren. Die Thunfans klinken sich hier besser aus dem Text aus, denn die zweite Partie von Ersatztrainer Zahnd war spielerisch ein Debakel. Etwa so wie an jenem Tag weit weg in der Vergangenheit, als Thun im Wankdorf in Unterzahl 2:8 verloren hat. Damals war ich mit Fanclublegende, dem legendären Initiator von thunfans.ch, unterwegs. Wie auch heute wieder. Manchmal schliesst sich der Kreis.
Der Meister erlebt bei der Einweihung der neu Visana Stadion benannten Arena einen Nachmittag, den im Berner Oberland nicht nur wegen dem Pokal niemand so schnell vergisst. Der FC Thun verliert ein wildes Berner Derby gegen die YB zwar mit 3:8, liefert dem eigenen Anhang aber trotz Unterzahl und mehreren umstrittenen Schiedsrichterentscheiden ein Spektakel voller Emotionen, Tore und Diskussionen. Dabei beginnt der Match denkbar schlecht für die Berner Oberländer. Bereits in der 1. Minute profitiert YB-Stürmer Essende von einem Missverständnis zwischen Bürki und Goalie Steffen. Essende stösst Bürki weg, spitzelt den Ball unter Steffen hindurch und trifft nach nur 50 Sekunden zur Führung. Aus Thuner Sicht bleibt dabei ein bitterer Nachgeschmack, weil der Körpereinsatz gegen Bürki durchaus als Foul hätte taxiert werden können. Die Antwort des Meisters folgt eindrücklich. In der 12. Minute lanciert Ibayi seinen Sturmpartner Rastoder perfekt hinter die YB-Abwehr. Rastoder bleibt cool, spaziert an Lauper vorbei und schiebt souverän zum 1:1 ein. Nur eine Minute später steht das Visana Stadion Kopf: Nach einer Flanke steigt Rastoder völlig frei hoch und köpft den Ball zum 2:1 in die Maschen. Der Meister spielt mutig nach vorne und drückt YB in dieser Phase regelrecht zurück.
Doch die Gelb-Schwarzen profitieren danach erneut von einem umstrittenen Entscheid. In der 24. Minute sucht Males im Strafraum den Kontakt mit Imeri und geht zu Boden. Schiedsrichter Kanagasingam zeigt sofort auf den Punkt. Eine harte Entscheidung gegen die Thuner, denn der Kontakt wirkt minimal. Essende nimmt das Geschenk dankend an und verwandelt den Penalty in der 26. Minute flach zum 2:2. Die Partie bleibt völlig offen und entwickelt sich zu einem wilden Schlagabtausch. In der 43. Minute spielt Fernandes einen Traumpass aus dem Mittelfeld hinter die Thuner Abwehr. Sanches nimmt den Ball stark mit und trifft zum 2:3 für YB. Kurz vor der Pause eskaliert die Partie dann endgültig. In der 45. Minute räumt Bürki Sanches mit einem Ellenbogencheck ab und trifft ihn am Kopf. Danach steht der Thuner Captain seinem Gegenspieler noch auf den Bauch. Zunächst zeigt Kanagasingam nur Gelb. Erst nach Intervention des VAR schaut sich der Schiedsrichter die Szene nochmals an und zückt Rot. Die Simmung ist zur Pause entsprechend getrübt. Auch weil es im Block Süd so viele Fans hat, dass kein Durchkommen ist Richtung Bier. Ja selbst die Füsse schmerzen, weil man im Dichtestress kaum richtig stehen kann. So einen Meisterpokal muss man sich auch als Fan mit vollem Körpereinsatz verdienen.
Trotz Unterzahl gibt sich der Meister nach dem Seitenwechsel nicht auf. Doch erneut greift der Schiedsrichter entscheidend ein. In der 48. Minute fällt Essende nach einem Kontakt von Käit im Strafraum. Kanagasingam zeigt erneut auf den Punkt. Auch dieser Entscheid wirkt streng. Essende verwandelt zum 2:4 und schnürt seinen Hattrick. Nur wenige Minuten später erhöht Virginius in der 52. Minute mit einem sehenswerten Schlenzer gar auf 2:5. Dennoch stemmt sich Thun weiter gegen die Niederlage. Der eingewechselte Labeau zwingt Keller in der 57. Minute zu einer Glanzparade. Auf der anderen Seite verhindert Heule in der 67. Minute mit einer Rettungstat auf der Linie einen weiteren Gegentreffer. In der 68. Minute fällt das 2:6. Thun verliert im Umschaltspiel den Ball, Virginius lanciert Fassnacht und dieser schiebt am chancenlosen Steffen vorbei ein. Das Spiel ist damit aber noch längst nicht beruhigt. In der 76. Minute folgt die nächste bittere Szene für die Thuner. Bamert spielt einen katastrophalen Rückpass direkt in die Füsse von Essende. Als der YB-Stürmer alleine aufs Tor zieht, reisst ihn Bamert zu Boden. Kanagasingam zeigt Rot und gibt Penalty. Die Entscheidung ist korrekt, doch aus Thuner Sicht besonders bitter, weil die Mannschaft damit nur noch zu neunt weiterspielen muss. Bedia verwandelt den Elfmeter in der 77. Minute souverän zum 2:7. Der Meister zeigt aber nochmals Moral. In der 80. Minute zirkelt Bertone in doppelter Unterzahl einen Freistoss herrlich unter die Latte zum 3:7. Nur eine Minute später fällt bereits wieder ein Treffer. Nach einem Corner von Gigovic hält Fassnacht den Fuss hin und trifft zum unglaublichen 3:8.
Selbst in den Schlussminuten reisst die Diskussion um den Schiedsrichter nicht ab. In der 85. Minute sieht Essende Gelb wegen einer klaren Schwalbe, nachdem er seinem Gegenspieler zuvor selbst auf den Fuss getreten ist. Vier Minuten später wird Steffen im eigenen Strafraum von einem YB-Spieler umgerannt. Der fällige Foulpfiff bleibt jedoch aus. Stattdessen kassiert der Thuner Goalie wegen Reklamierens auch noch Gelb und fehlt damit im letzten Saisonspiel.
So endet ein völlig verrückter Abend ohne Nachspielzeit. Der Meister verliert zwar deutlich, liefert uns Fans aber trotz doppelter Unterzahl, acht Gegentoren und mehreren fragwürdigen Schiedsrichterentscheiden einen kämpferischen und emotionalen Auftritt. Mehr Spass als damals im Jahr 2000 das 2:8 hat das 3:8 des Jahres 2026 auf alle Fälle Fanclublegende, mir und allen anderen Thunfans gemacht. Denn…
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»

«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» Es ist unser erstes Spiel seit dem Titel. Und auch wenn wir Fans anders als die Spieler nicht den Grossteil der Woche auf Ibiza verbracht haben, ist auch bei uns im Extrazug die Stimmung laut und der Alkoholpegel hoch. Wir sind voller Euphorie, auch wenn wir einer fast schon programmierten Auswärtsniederlage entgegenfahren. In unseren Shirts und Shorts sind wir ganz auf Sommer eingestellt, auch wenn das Wetter sicher eher nach Herbst anfühlt. Egal, denn wir sind Meischter. Schwiizer Meischter!
Mit stolzer Brust marschieren wir ins Tourbillon ein. Und wir sind viele, der Gästesektor ist voll. Viele Fahnen, viel gute Stimmung und auch etwas Pyros. Die Berner Oberländer treten nach dem Meistertitel mit einer stark veränderten Mannschaft an. Gleich neun Wechsel nimmt das Trainerteam im Vergleich zur letzten Partie vor und da ist die Sperre von Lustrinelli noch gar nicht mitgezählt. So völlig neu formiert geraten die Thuner von Beginn an unter Druck. Bereits in der 3. Minute kommt Sow nach einem Eckball aus nächster Nähe zum Abschluss, jagt den Ball aber über das Tor. Auch danach bleibt Sion aggressiver und zielstrebiger. In der 5. Minute verzeichnen die Thuner immerhin ihre erste Offensivaktion. Meichtry versucht es spektakulär mit einem Fallrückzieher, bringt den Ball aber zu harmlos auf das Tor von Racioppi. Kurz darauf muss Ersatzgoalie Tim Spycher erstmals ernsthaft eingreifen. Nach einem Eckball zieht Kabacalman aus der Distanz ab, Spycher pariert sicher. Nach einer Viertelstunde deutet sich die Führung der Gastgeber immer stärker an. Zunächst scheitert Boteli nach einem schnellen Angriff nur am Pfosten. Wenig später prüft Chouaref den aufmerksam reagierenden Spycher erneut mit einem abgelenkten Distanzschuss. In der 22. Minute fällt schliesslich das 1:0 für den FC Sion. Chouaref flankt präzise in den Strafraum, wo Boteli schneller reagiert als Bamert. Der Stürmer läuft geschickt vor seinen Gegenspieler, kontrolliert den Ball und schiebt ihn überlegt an Spycher vorbei flach in die rechte Ecke. Die Sittener belohnen sich damit für ihre dominante Startphase. Und die Berner Oberländer wirken nach dem Rückstand kurz völlig von der Rolle. Nur eine Minute später schlägt Sion erneut zu. Chouaref erhält zentral vor dem Strafraum zu viel Platz, zieht aus mehr als 20 Metern ab und trifft mit einem herrlichen Schlenzer unhaltbar ins rechte Eck. Spycher streckt sich vergeblich, der Ball passt perfekt neben den Pfosten. Der Doppelschlag sitzt, nach 23 Minuten liegt der Schweizer Meister bereits mit 0:2 zurück. Immerhin reagieren die Gäste danach etwas mutiger. In der 25. Minute kommt Reichmuth nach einem Eckball zum Abschluss, doch Racioppi lenkt den noch leicht abgefälschten Ball stark um den Pfosten. Wenig später setzt Labeau einen Versuch aus der Drehung knapp neben das Tor. Kurz vor der Pause verpasst Reichmuth den Anschlusstreffer erneut nur knapp, als er eine Flanke von Dähler mit dem Kopf am Pfosten vorbeisetzt. Kurz darauf sorgt eine umstrittene Szene für Diskussionen. Nach einem Foul an Meichtry zeigt Schiedsrichter Luca Piccolo zunächst auf den Penaltypunkt, was uns schon jubeln lässt, entscheidet sich nach kurzer Beratung aber doch für Freistoss knapp ausserhalb des Strafraums. Janjicic bleibt mit seinem Versuch in der Mauer hängen.
Pause. Zeit für ein Bier und natürlich eine gute Gelegenheit, um Meisterfeieranekdoten auszutauschen. War das wirklich erst an diesem Montag, als wir uns nach einer Freinacht in den Armen gelegen sind? Mein Rama-Shirt riecht irgendwie, als wäre die grosse Party schon viel länger her. Nach dem Seitenwechsel bieten sich den Gastgebern sofort beste Chancen auf die Vorentscheidung. In der 47. Minute laufen drei Sittener auf zwei Thuner zu. Surdez scheitert zunächst an Spycher, danach vergibt auch Berdayes aus aussichtsreicher Position. Spycher verhindert wenig später mit einer starken Parade gegen Berdayes sogar das mögliche 0:3. Die Thuner finden offensiv dagegen kaum Lösungen. Viele hohe Bälle bleiben ungefährlich, kreative Ideen fehlen weitgehend. Ein Distanzversuch von Bürki aus rund 40 Metern symbolisiert die Ratlosigkeit der Gäste. In Ibiza wurde über anderes diskutiert als über gute Torschüssen. Die beste Thuner-Möglichkeit der zweiten Halbzeit vergibt Meichtry in der 58. Minute, als er nach Vorarbeit von Labeau lieber querlegt statt selbst abzuschliessen. Auf der anderen Seite bleibt Sion gefährlicher. Berdayes scheitert mehrfach am starken Spycher, der den Schweizer Meister mit mehreren Paraden im Spiel hält. Trotzdem kontrollieren die Walliser die Partie souverän und lassen defensiv kaum noch etwas zu. Auch die zahlreichen Wechsel bringen den Berner Oberländern keine entscheidende Wende mehr.
Nach gut einer Stunde stimmen wir in der Kurve das Meischter-Lied an und hören bis Abpfiff nicht mehr auf damit. Wir sind völlig in Ekstase und blenden das Spielgeschehen aus. Matoshi vergibt in der 86. Minute die letzte Halbchance der Gäste, als er den Ball aus halblinker Position nicht richtig trifft. So bringt der FC Sion den Vorsprung problemlos über die Zeit und feiert den fünften Sieg in Serie. Thun hingegen zeigt trotz einzelner engagierter Ansätze insgesamt zu wenig Durchschlagskraft und verliert im Wallis mit 0:2.
Was solls. Wir feiern mit dem Team ausgelassen den Titel und fordern nekisch den Derbysieg. Ein Spiel wollen wir diese Saison dann schon noch gewinnen als Meister und da steht ein Sieg gegen YB ganz oben auf der Wunschliste. Und jetzt alle noch einmal zusammen: «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»

«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»
Es ist 15.33 Uhr an diesem 3. Mai 2026. Wie 4000 andere Thunfans schreie ich mir die Stimme aus der Seele. Alle Augen sind auf die Stadionbildschirme gerichtet, auf denen eine Szene aus St. Gallen läuft, die sich als entscheidend für die Vereinsgeschichte erweisen soll. Eckball für den FC Sion. Der Ball segelt in den Strafraum, Théo Berdayes steigt hoch und trifft in der 76. Minute per Kopf zum 0:3 für Sion. Für einen kurzen Moment wirkt es, als würde die Zeit stehen bleiben. Dann bricht der Lärm los. Wir schreien, springen, umarmen uns. Auf diesem fernen Platz müsste der FC St. Gallen jetzt vier Tore erzielen, um den Titel des FC Thun noch zu verhindern. Es fühlt sich unmöglich an. Und genau in diesem Moment setzen wir alle gleichzeitig ein. «Meischter, Schwitzer Meischter…» In wenigen Minuten haben wir es geschafft.
Seit rund anderthalb Stunden sind wir schon im Stadion. Etwa 4000 Leute sind gekommen, um mitzuerleben, ob der FC Thun den vierten von insgesamt neun Meisterbällen verwerten kann. Wobei mir der Begriff Meisterpucks fast besser gefällt. Es hat etwas von Playoff-Final, so nah am Titel zu sein und doch jedes Mal wieder zittern zu müssen. Als Fan von HC Fribourg-Gottéron weiss ich, wie sich das anfühlt. Gefühlt erst vor ein paar Stunden war ich selbst an einer Meisterfreinacht. Und ja, auch ein Triumph in extremis hat seinen ganz eigenen Reiz. Lucien Dähler, Thun-Spieler und Gottéron-Fan, würde da wohl zustimmen.
In der Stockhorn-Arena ist die Spannung greifbar. Spieler, Staff und Fans verfolgen gebannt die Partie zwischen FC St. Gallen und FC Sion. Jeder Blick geht auf die Leinwand, jeder Zweikampf wird im Berner Oberland mitgefühlt. Party-Kernen und ich stehen im Block Süd. Von hier aus ist es schwierig, auf den weit entfernten Bildschirmen alles genau zu erkennen, Zaun und Netz sind im Weg. Doch eines fällt auch aus der Distanz sofort auf: St. Gallen startet druckvoll. Früh kommt Vogt zu zwei guten Kopfballchancen, die nur knapp am Tor vorbeigehen. Dann der erste grosse Aufreger. Nach gut einer Viertelstunde trifft Sion, was in Thun mindestens einen so lauten Jubel auslöst wie im fernen St. Gallen. Doch der VAR greift ein, weil Nias Hefti in der Entstehung Alessandro Vogt gefoult hat. Das Tor wird aberkannt. In der Stockhorn-Arena geht ein kollektives Raunen durch die Reihen, begleitet von einigen deftigen Fluchwörtern. Die Anspannung steigt weiter. Die Espen bleiben dran, drücken, treffen sogar zweimal Aluminium. Doch die Effizienz liegt auf der anderen Seite. Kurz vor der Pause fällt das 0:1. In der 43. Minute setzt sich Sion über die rechte Seite durch, der Ball kommt zur Mitte, Benjamin Kololli steht bereit und lenkt ihn ins Netz. In Thun springen wir Fans auf. Fäuste ballen sich, erste Schreie hallen durchs Stadion. Jetzt kippt das Gefühl.
Als Pause ist, hält es viele von uns nicht mehr auf den Rängen. Die ersten Fans stürmen auf den Rasen. Vor allem die Jüngeren klettern über die Abschrankungen. Sportlich wie ich bin, klettere ich hinterher. Als Party-Kernen an der Reihe ist, öffnet ein Sicherheitsmann der Broncos die kleine Türe bei der Eckfahne und bittet ihn mit einem Grinsen aufs Feld. Promibonus. Wir beide setzen uns an die Strafraumgrenze auf den Kunstrasen. Kaum sind wir angekommen, kippt das Wetter. Es beginnt zu regnen, erst leicht, dann immer stärker. Wir werden in der zweiten Hälfte so richtig durchnässt. Aber das Spiel hält uns warm.
Nach der Pause bleibt St. Gallen bemüht, aber es fehlt die Durchschlagskraft. Dann folgt der nächste Glücksmoment für uns. In der 63. Minute erobert Ilyas Chouaref im Mittelfeld den Ball, zieht entschlossen los und schliesst präzise zum 0:2 ab. In der Stockhorn-Arena brandet Jubel auf. Party-Kernen und ich springen auf und setzen uns für das ganze Spiel nicht wieder. Immer wieder blicken wir auf die Uhr. Die Entscheidung fällt eine Viertelstunde vor Schluss. 76. Minute. Eckball für Sion. Der Ball segelt in den Strafraum, Théo Berdayes steigt hoch und köpft zum 0:3 ein. Jetzt gibt es kein Halten mehr im Berner Oberland. Spieler springen auf Tische, Fans liegen sich in den Armen. Vier Tore müsste St. Gallen jetzt noch erzielen. Ein Ding der Unmöglichkeit.  
Die letzten Minuten laufen. St. Gallen versucht es weiter, doch Sion verteidigt konsequent. In der Nachspielzeit ein letztes Aufbäumen, doch auch dieser Angriff versandet. Dann der Blick des Schiedsrichters auf die Uhr, der Pfiff in der 90. Minute plus Nachspielzeit. Bei uns in Thun bricht alles los. Die Spieler des FC Thun stürmen aufeinander zu, fallen sich um den Hals, schreien, lachen, weinen. In der Lounge bildet sich eine dichte Jubeltraube, aus der immer wieder laute Rufe dringen. Unten im Stadion singen wir Fans, Fahnen werden geschwenkt, Bierbecher mit mehr Regenwasser als Bier drin fliegen durch die Luft. Los hurti, Thun isch Meister!
Wenig später kommen die Spieler zu uns Fans. Vor der Kurve lassen sich die Spieler feiern, klatschen, singen, tanzen. Champagner wird geöffnet, Bier verteilt, Gesichter sind nass vor Freude und Regen. Einige kämpfen mit den Tränen, andere können nicht aufhören zu grinsen. Sensationell. Nach zwei kleineren Zeremonien erst vor dem Block Süd und dann auf der Haupttribüne geht’s raus Richtung Stadt. Fanmarsch. Und alle 4000 machen sich trotz Regen gemeinsam auf den Weg. Vielleicht sind es unsere lauten Gesänge, vielleicht der dichte Pyro-Rauch, der über den Gassen hängt. Irgendetwas scheint die Tropfen zu vertreiben. Als wir auf dem Rathausplatz ankommen, hat der Regen aufgehört. Und während der ganzen Meisterfeier zeigt er sich nicht mehr.
Die Thunfans verwandeln den Rathausplatz in ein einziges Menschenmeer. Zeitweise müssen die Gassen rundherum abgesperrt werden. Party-Kernen und ich stecken irgendwo zwischen Hauptgasse und Platz fest, eingeklemmt in der Menge. Doch mit etwas Überblick erkennen wir trotzdem, wie sich die Spieler des FC Thun Schritt für Schritt durch die Fans schieben. Schliesslich klettern sie auf den Brunnen in der Mitte. Und dann wird gefeiert. Laut, ausgelassen, ununterbrochen. Über zwei Stunden lang, bis kurz vor 21 Uhr, gehört dieser Platz ganz dem Fussball und unseren vollendeten Meisterträumen.
Die Dämmerung legt sich über Thun, doch die Party wird nur lauter. Gesänge hallen durch die Gassen, immer wieder erklingt «We are the Champions». Später in der Nacht verteilen sich die Feiernden in den Bars der Stadt. Die Strassen bleiben voll, die Stimmung ausgelassen. Immer wieder tauchen Spieler irgendwo auf, werden erkannt, gefeiert, weitergezogen. Und wer vermutet, dass es nach Mitternacht zumindest die Spieler langsam ruhiger angehen, kennt den Michi Heule nicht. Weit nach 1 Uhr klettert er trotz Arm in der Schlinge im Café Zentral auf den Tisch und stimmt so frentetisch Lieder an, dass er immer mal wieder zum Abstellen der Jukebox aufruft. «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» 4.50 Uhr ist es, als Heule auf Drängen seiner Family das letzte Mal vom Tisch runtersteigt.
Wir Fans feiern weiter, bis tief in die Nacht und schliesslich bis in den Morgen hinein. In der dichten Partymenge treffe ich zwar nicht Milaim Rama selbst, aber eine Blondine, die für mich zu seinem persönlichen Doppelgänger wird. Sie trägt das gleiche rote T-Shirt mit weissem Aufdruck der FC Thun-Legende. Wir lachen, machen ein Foto und klatschen uns zum Titel ab. Irgendwann wird es hell. Die Musik wird leiser, die Stimmen heiser. Als wir uns verabschieden, bleibt eine letzte Frage hängen. Warum heisst es eigentlich Sofameister, wenn man bei so einer Sofameisterschaft das eigene Sofa kein einziges Mal sieht? Tschüss. Und bis bald am nächsten feucht-fröhlichen Ausflug mit dem FC Thun.
«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»

Kommendes Spiel
06/08/2026
Letztes Spiel

0:6

Thun
YB
01/08/2026