Thun – Dinamo Zagreb

Thun – Dinamo Zagreb

Der FC Thun kehrt nach 20 Jahren auf die Champions-League-Bühne zurück und verkauft sich gegen Dinamo Zagreb teuer. Dabei ist das Spiel selber ein Schnäppchen. Abobesitzer zahlen die Hälfte, mit 13 Franken sind wir dabei beim ersten Königsklassen-Spiel der Berner Oberländer seit 2005. Wobei das eingesparte Geld sofort wieder ausgegeben ist am  Block Süd-Stand. Schliesslich ist das weisse Europapokau-Shirt ein Muss für jeden Fan.
Vor einer stimmungsvollen Kulisse mit einem lautstarken Heimanhang und den ebenfalls zahlreich angereisten Bad Blue Boys gehts Punkt Acht los. Kein Tom Cruise und kein Robbie Williams in Sicht, der den Anpfiff verzögert. Und der grosse Promi in der Loge heisst hier Lustrinelli und nicht Trump.
Die favorisierten Gäste übernehmen zunächst erwartungsgemäss die Initiative. Bereits in der 2. Minute muss Thun mehrmals klären, ehe die Berner Oberländer zunehmend Sicherheit gewinnen. Reichmuth holt früh eine Gelbe Karte gegen Zajc heraus, Michi Heule sorgt über die linke Seite für die ersten offensiven Akzente und nach 17 Minuten kommt das Heimteam zur ersten grossen Möglichkeit. Reichmuth bringt den Ball gefährlich zur Mitte, Matoshi scheitert zunächst an Filipovic und auch Fehrs Nachschuss wird in höchster Not geblockt. Drei Minuten später belohnt sich der Schweizer Meister für seinen mutigen Auftritt. Nach einem Eckball gelangt der Ball zu Fehr, der von der rechten Seite eine massgenaue Flanke in den Strafraum schlägt. Dinamo-Keeper Filipovic zögert beim Herauslaufen einen Moment. Labeau nutzt dies aus, setzt sich im Kopfballduell entschlossen durch und wuchtet den Ball aus kurzer Distanz zum 1:0 in die Maschen. Das Visana Stadion steht Kopf, während es im Gästesektor für einen Moment ruhig wird. Das Feeling von 2005 kommt auf in Thun.
Die Führung verleiht unserem Heimteam zusätzliches Selbstvertrauen. Thun spielt weiter nach vorne und kommt in der 29. Minute dem zweiten Treffer nahe. Matoshi hebt den Ball gefühlvoll in den Lauf von Dursun, dessen Kopfball nur knapp am rechten Pfosten vorbeistreicht. Zagreb findet gegen die kompakte Thuner Defensive lange kaum Lösungen. Erst kurz vor der Pause werden die Gäste gefährlicher. Zajc verzieht in der 43. Minute aus guter Position, ehe Vidovic den Ball zwei Minuten später knapp über das Tor setzt. Die Führung der Berner Oberländer zur Pause ist verdient. Da stossen Party-Kernen noch so gerne mit Bier darauf an. Und natürlich auch auf die ausbleibende Halbzeitshow. Das hier ist noch ein richtiges Fussballspiel, in dem die Pause keine halbe Stunde dauert. Ein Gruss geht raus an die mafiöse FIFA in Zürich.
Nach dem Seitenwechsel erhöht Dinamo den Druck. In der 52. Minute verhindert Fehr mit einer starken Rettungsaktion gegen den davoneilenden Orsic den möglichen Ausgleich. Nur zwei Minuten später verschätzt sich Steffen nach einem Eckball, doch Michi Heule reagiert auf der Torlinie glänzend und klärt per Kopf. Auch Orsic lässt in der 58. Minute eine gute Gelegenheit ungenutzt, als Steffen seinen Abschluss sicher festhält. Thun bleibt trotz der Druckphase gefährlich. Reichmuth schiesst in der 61. Minute nach einem Freistoss nur knapp nicht durch die vielbeinige Gästeabwehr, Matoshi verpasst in der 73. Minute nach einer sehenswerten Kombination das mögliche 2:0 um wenige Zentimeter. Auch Michi Heule sorgt in der 76. Minute nochmals für Aufregung, als er nach einem starken Vorstoss im Strafraum zu Fall kommt. Schiedsrichter Bulat Sariyev lässt jedoch weiterspielen. Er meint wohl, dass die Blauen Argentinier sind.
Lange sieht es danach aus, als würden die Berner Oberländer ihre starke Leistung mit einem Sieg krönen. In der 86. Minute fällt aber doch noch der Ausgleich. Nach einem Ballverlust in der Vorwärtsbewegung schaltet Dinamo schnell um. Zajc erhält ausserhalb des Strafraums etwas zu viel Platz und schlenzt den Ball präzise am chancenlosen Steffen vorbei ins Eck. Während die mitgereisten Zagreber Fans den Treffer lautstark feiern, muss sich das Heimteam kurz schütteln. Die Reaktion fällt allerdings bemerkenswert aus. Thun zieht sich nicht zurück, sondern sucht in den Schlussminuten nochmals den Weg nach vorne. Gutbub holt einen Eckball heraus, Michi Heule versucht es aus der Distanz und auch nach Ablauf der regulären Spielzeit drängen die Gastgeber auf den Lucky Punch. Der letzte Freistoss der Gäste in der 92. Minute bringt keine Gefahr mehr, kurz darauf endet die Partie.
Der FC Thun verpasst damit zwar einen Sieg, liefert bei seiner ersten Champions-League-Partie seit 2005 aber eine Leistung ab, die Mut für das Rückspiel von nächstem Dienstag in Zagreb macht. Gegen den klaren Favoriten begegnen die Berner Oberländer dem Gegner über weite Strecken auf Augenhöhe und zeigen, dass ihre Rückkehr auf die europäische Bühne alles andere als ein einmaliger Ausflug sein soll. Weshalb auch die ganze Kurve dem Team ein Auswärtssieg, Auswärtssieg entgegen brüllt. Wir sehen uns nächsten Dienstag in Zagreb.

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