Thun – Servette

Thun – Servette

Der Thuner Tägu schreibt in seiner Montagsausgabe über die Rote Karte von Marco Bürki im GC-Spiel: «Zum dritten Mal innert weniger Monate wird der 33-Jährige des Feldes verwiesen, erneut schwächt er seine Mannschaft nachhaltig. In Fanforen wird er heftig angegriffen.» Quellen nennt Sportreporter-Guru Adrian Horn keine. Die Zeitungsseite lässt uns erst ratlos zurück. Weil wir von thunfans.ch haben nicht in den allgemeinen Shitstorm-Chor eingestimmt. Nach längerem Suchen spüren wir die Quelle des Ärgers selbst auf: Das einzige Thuner Fanforum, das voller Anti-Bürki-Sprüche ist und in dem gleichzeitig ausschliesslich geprüfte Fans mit Thun-Bezug schreiben dürfen, ist die Facebookgruppe Härzbluet FC Thun. Merken wir uns für den nächsten Bettelbriefversand. Am Matchtag meldet sich dann auch Party-Kernen mit einer bissigen Forderung in seiner Matchprognose zu Wort: Man müsse Bürki die Captainbinde wegnehmen, weil er als Captain kein Vorbild mehr sei. Sein Vorschlag für die Nachfolge: Niklas Steffen oder Justin Roth. Wir müssen zugeben: Roth als neuer Captain wäre schon eine tierisch freche Pointe. Eigentlich teilen wir aber die Meinung des Berner Zeitung-Kommentstspalten-Laferis Peter Huber II, wobei die römische Zwei wohl für seine zwei Meisterfeiern im Frühling 2026 stehen: «Vergleichen wir doch mal die beiden Meisterteams von Ende April. Beim FC Thun war Marco Bürki Captain, bei Gottéron Julien Sprunger. Auch Sprunger hatte über längere Zeit den Ruf eines Wiederholungstäters wegen mehreren Checks gegen den Kopf und häufigen Sperren. Er hat sich wieder in den Griff gekriegt. Vom Gleichen gehe ich bei Bürki aus.»
Bei leichtem Regen starten die Thuner um Punkt 19 Uhr in ein wegweisendes Duell, in dem beide Mannschaften vor dem Anpfiff bei sieben Punkten stehen. Doch für den Meister beginnt die Partie denkbar schlecht. Nach gerade einmal 20 Sekunden hat Lambourde viel Raum vor sich und zieht aus rund 20 Metern ab. Der Ball fliegt nur knapp am rechten Pfosten vorbei. Die Thuner entgehen dem frühen Rückstand noch, doch nur wenige Minuten später liegt der Ball tatsächlich hinter Steffen im Tor. In der 4. Minute verlängert Lambourde einen Ball in die Tiefe. Die neu formierte Thuner Abwehr bekommt keinen Zugriff, Mutandwa setzt sich gegen zwei Oberländer durch und lupft den Ball über Steffen hinweg ins Tor. Servette führt 0:1 und der Meister muss früh einem Rückstand hinterherlaufen. In der 10. Minute bietet sich den Thunern die Chance zum Ausgleich. Nach einem schönen Angriff kommt Strannegard zentral zum Abschluss, verzieht aber deutlich. In der 14. Minute klärt Burch zum ersten Thuner Eckball. Daraus entwickelt sich eine weitere Möglichkeit. Ein Abschluss von Zoukit wird geblockt, Labeau bringt den Ball nochmals ins Zentrum und Bürgy kommt vor Servette Torhüter Gertmonas etwas unverhofft an den Ball. Sein Abschluss geht in der 15. Minute knapp am linken Pfosten vorbei. Die Thuner werden stärker und übernehmen in der 18. Minute zunehmend das Spieldiktat. Zwei Minuten später legt Labeau den Ball schön für Saiz quer, doch Mendes wirft sich in den Abschluss und verhindert den Ausgleich.
Doch genau in der Phase, in der die Oberländer besser ins Spiel finden, schlägt Servette erneut zu. In der 29. Minute verlieren die Thuner den Ball am gegnerischen Strafraum und ermöglichen den Genfern einen Konter mit drei Angreifern gegen zwei Verteidiger. Lambourde wird auf der rechten Seite freigespielt, zieht zur Mitte und setzt seinen Distanzschuss präzise ins Tor. Steffen ist ohne Chance, Servette führt 0:2. Die Reaktion des Heimteams lässt jedoch nicht lange auf sich warten. In der 38. Minute fällt endlich der erste Thuner Heimtreffer in dieser Meisterschaft. Reichmuth spielt Saiz am Elfmeterpunkt schön frei. Der Thuner zieht direkt ab, der Ball wird noch von einem Servettien abgefälscht und dadurch für Gertmonas unhaltbar. Saiz bringt die Thuner mit dem 1:2 zurück ins Spiel. Im vierten Heimspiel der Meisterschaft dürfen die Oberländer doch tatsächlich erstmals vor eigenem Anhang über ein Tor jubeln. Nach einer Minute Nachspielzeit geht es mit einem knappen Rückstand in die Pause. Bier holen.
Die Thuner kommen engagiert aus der Kabine und setzen Servette sofort unter Druck. In der 47. Minute bringt Fehr eine gute Flanke in die Mitte, Labeau wird dort von Allix entscheidend gestört. Eine Minute später erhält Servette nach einem Foul von Bamert an der Strafraumgrenze einen Freistoss aus gefährlicher Distanz. Lambourdes Versuch bleibt in der Thuner Mauer hängen, der Nachschuss fliegt am Tor vorbei. In der 49. Minute segelt eine weitere gefährliche Flanke von Reichmuth durch den Genfer Strafraum, gleich zwei Thuner verpassen die Hereingabe knapp. Dann fällt der verdiente Ausgleich. In der 54. Minute spielen die Thuner einen starken Angriff aus. Fehr kommt an der Strafraumgrenze völlig frei zum Abschluss, doch sein Versuch wird geblockt. Der Ball springt Saiz vor die Füsse, der den abgefälschten Nachschuss direkt nimmt und im Tor unterbringt. Der Thuner Angreifer schnürt damit den Doppelpack und erzielt das 2:2. Das Heimteam ist nun voll im Spiel und drängt auf die Führung.
In der 62. Minute scheint die Wende perfekt. Christoffersson verlängert den Eckball per Kopf, der Ball landet vor den Füssen von Bürgy und der Thuner Innenverteidiger schiesst ein. Die Thuner jubeln über das vermeintliche 3:2, doch der Jubel hält nicht lange an. Der VAR schaltet sich ein und überprüft die Szene. Schliesslich wird der Treffer wegen eines Foulspiels der Thuner im Strafraum aberkannt. Aus der vermeintlichen Führung wird Enttäuschung. Das 3:2 zählt nicht.
Und es kommt unmittelbar danach bitter für die Oberländer. In der 65. Minute kommt Servette zum nächsten Angriff und erzielt aus dem Nichts die erneute Führung. Nach einem Eckball landet der Ball bei Allix. Der Genfer zieht aus der Distanz ab und trifft präzise in die rechte Torecke. 2:3.
Die Thuner geben sich nicht geschlagen. In der 71. Minute taucht Labeau alleine vor dem Genfer Torwart auf, legt sich den Ball jedoch etwas zu weit vor. Kurz darauf ertönt zudem der Abseitspfiff. In der 81. Minute fällt Dursun im Sechzehner nach einem Zweikampf mit Burch zu Boden, Schiedsrichter Von Mandach entscheidet jedoch auf Weiterspielen. Party-Kernen tobt, ich bin mit dem Schiriverdikt über den bissigen Zweikampf einverstanden. In der 86. Minute fällt schliesslich die Entscheidung. Kristal verliert im Thuner Spielaufbau unnötig den Ball. Sino schaltet sofort um, zieht davon und spielt den freistehenden Fofana an. Dieser muss den Ball nur noch einschieben und trifft zum 2:4. Servette erzielt damit mit seinem vierten Torschuss den vierten Treffer.
Die beiden Fankurven machen sich an diesem verregneten Mittwochabend unterschiedlich bemerkbar. Während die Thunfans immer mal wieder Pyros zünden, ziehen die Servette-Fans gleich dreimal Spruchbänder hoch. Vor allem das dritte, zweiteilige Spruchband hat es in sich: «SFC: les yeux fermés, le pantalon baisse,
on a pas la meme definition du mot loyauté.» Jeder Verein hat seine eigenen Probleme.
Dann ist Schluss. Thun verliert 2:4. Was uns von thunfans.ch zum Schluss kommen lässt, dass Thun besser statt über Bürki über den Trainer diskutieren würde. Wegen der himmeltraurigen Heimbilanz ist es noch ein Punkt Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz. Und am Fulehung-Sonntag geht es nach Vaduz.

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