Thun – GC

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Ein GC-Auswärtsspiel. Zugchaos ist vorprogrammiert. Aber nein: Zumindest heute liegt es nicht an der GC-Kurve. Nach Abpfiff müssen die Matchbesucher einen kurzen Zug Richtung Bern nehmen, der bereits mit Touristen übervoll ist. Und was macht der Kondukteur? Er fordert die zahlreichen stehenden Passagiere per Lautsprecher auf, bei Reiseziel Bern auf die S-Bahn umzusteigen. Was er hingegen nicht macht: Seinen Kondukteurkollegen des Anschlusszugs nach Zürich aufzufordern, in Bern zwei bis drei Minuten mit der Abfahrt zu warten. Die Folge: Wegen der durch die Überfüllung entstandenen Verspätung verpassen sämtliche Passagiere den Anschlusszug. Viele Touristen und Fans dürfen deshalb auch auf der Strecke von Bern nach Zürich stehen. Bravo, SBB. Ob diese Arschkarte für Thun–Zürich-Reisende wohl ebenso viel Medienecho auslöst wie notbremseziehende GC-Fans?
Wesentlich mehr Spass als die Rückreise macht das Eintrinken vor dem Spiel – bei Sonnenschein an der schönen, grünen Aare, die voller Fische ist. Der Biertreff entpuppt sich als regelrechtes Meet & Greet mit den Party-Kernen und Edy Total Brutal. Ich bekomne sogar eine Autogrammkarte von Edy. Wow. Fleissig werden Biere geöffnet und TikTok-Videos gedreht. Danach will Edy noch in den Fanshop, um sich einmal mehr als Thunfan zu verkleiden. Ein Meister-Shirt muss her, dazu natürlich auch ein Thunschal. Und das ausgerechnet eine Woche, bevor sein FC Vaduz gegen Thun spielt. Das sorgt für einige kritische Reaktionen, auch bei den Jungs vom Block Süd. Immerhin hat er dieses Mal kein Ticket für die Stehkurve gekauft, sondern für den Sektor C. So wird er im Stadion immerhin geduldet.
Der FC Thun erwischt den besseren Start. Bereits nach zwei Minuten holen die Oberländer den ersten Eckball heraus, wenig später sorgt ein Freistoss nach einem Foul an Dursun für Unordnung im GC-Strafraum. In der 8. Minute bietet sich Brighton Labeau die erste grosse Möglichkeit. Nach einem weiten Abstoss von Niklas Steffen kombiniert sich Thun über Dursun nach vorne. Labeau kommt aus rund elf Metern zum Abschluss, verfehlt das Tor aber. Thun ist in dieser Anfangsphase die aktivere Mannschaft. GC findet erst nach und nach besser in die Partie. In der 14. Minute zieht Stroscio nach einer kurz ausgeführten Ecke aus rund 20 Metern ab. Ein Thuner fälscht den Ball leicht ab, der Schuss fliegt über die Latte. Danach spielt sich vieles zwischen den Strafräumen ab. Das Spiel ist ausgeglichen.
Bis zur 23. Minute. Dann schlägt GC zu. Also mit dem Ball. Krasniqi setzt sich auf der linken Seite durch und bringt den Ball zur Mitte. Guibelalde kommt zum Abschluss, Thuns Torhüter Steffen kann den Schuss abwehren. Doch der Ball springt genau vor die Füsse von Samuele Bengondo. Der GC-Stürmer reagiert am schnellsten, steht goldrichtig und schiebt den Abpraller aus kurzer Distanz über die Linie. Steffen ist nach seiner ersten Parade geschlagen, Thun liegt 0:1 zurück. Die Partie verliert danach an Fahrt.
Bis zur 37. Minute. Dann schlägt Bürki zu. Also mit dem Ellbogen. Der Thuner Captain gerät nahe der Mittellinie mit Nikolas Muci aneinander und trifft den GC-Stürmer mit dem Ellbogen im Gesicht. Schiedsrichter Anojen Kanagasingam zückt sofort die Rote Karte. Bürki muss vom Feld, Thun spielt fortan mit zehn Mann. Für den Captain ist es ein weiterer unrühmlicher Eintrag in seiner persönlichen Statistik. Es ist bereits sein achter Platzverweis als Profi, zum vierten Mal sieht Bürki direkt Rot. Und besonders bitter: In seinen letzten neun Einsätzen wird er bereits zum dritten Mal des Feldes verwiesen. Nach einer Notbremse und zwei Tätlichkeiten kommt nun die nächste Rote Karte hinzu. Ich singe zwar «Freiheit für Bürki», bin aber genauso genervt wie die anderen Thunfans. Daran ändert auch nichts, dass GC bis zur Pause nicht mehr gross was reisst.
Wer nun erwartet, dass GC nach dem Seitenwechsel den Sack zumacht, kennt den Rekordmeister zu wenig gut. Thun übernimmt trotz Unterzahl zunehmend das Kommando. In der 48. Minute muss Steffen allerdings nochmals eingreifen. Nach einer schnellen Aktion über Clemente kommt Bengondo zum Abschluss, der Thuner Goalie pariert stark und verhindert das 0:2. Thun gibt sich nicht geschlagen. In der 52. Minute kommt Fehr nach einer Flanke zum Kopfball, bringt den Ball aber nicht mehr entscheidend aufs Tor. In der 58. Minute fehlt Bamert nicht viel zum Ausgleich. Nach einer Ecke kommt der Thuner Verteidiger aus dem Rückraum zum Volley, der Ball zischt knapp am Tor vorbei. Zwei Minuten später wird es erneut hektisch. Plange und Zoukit geraten aneinander und sehen beide Gelb, Zoukit wegen einer Schwalbe. GC wirkt trotz numerischer Überlegenheit zunehmend nervös. Die beste Thuner Phase folgt danach. In der 66. Minute kombinieren sich die Oberländer sehenswert durch den GC-Strafraum. Mambwa steht plötzlich frei, zögert jedoch einen Moment zu lange. Ein Zürcher Verteidiger wirft sich dazwischen und klärt zur Ecke. Der Ausgleich liegt in der Luft. GC zieht sich immer weiter zurück. Fast wirkt es, als würden die Zürcher und nicht die Thuner in Unterzahl spielen. Thun hat mehr Ballbesitz, mehr Torschüsse und mehr Eckbälle. Doch die entscheidende Szene bleibt aus. In der 74. Minute verhindert Steffen vielmehr mit einer starken Parade das 0:2. Nach einem GC-Eckball kommt ein Zürcher gefährlich zum Abschluss, der Thuner Torhüter reagiert glänzend. Je länger die Partie dauert, desto verzweifelter werden die Thuner Angriffe. Die Oberländer kommen in der 79. Minute zu einer guten Freistossmöglichkeit, doch GC klärt die Hereingabe problemlos. In der 85. Minute folgt bereits der zehnte Thuner Eckball. Wieder bleibt die Ausführung zu harmlos. Dann hat Thun Glück. In der 86. Minute läuft Thun in einen Konter. Steffen kommt weit aus seinem Tor und bringt Lee zu Fall. Der Thuner Torhüter sieht dafür nur Gelb. Hier hätte man auch Rot geben können. Es bleibt beim 0:1. Und daran ändert sich auch in den vier Nachspielminuten nichts mehr. Nicht jedes Team hat die Power von Sion.
GC zieht mit dem Sieg an Thun vorbei und steht vorübergehend auf Rang 7. Für Thun bleibt die Erkenntnis, dass trotz einer starken zweiten Halbzeit mehr möglich gewesen wäre. Gesprächsstoff liefert vor allem die Rote Karte gegen Bürki. Und in der chaotischen Zugfahrt Richtung Bern und Zürich haben wir ja jede Menge Zeit, darüber zu diskutieren.

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