Schützenwiese Winterthur. Der richtige Ort für ein Schützenfest? Gut, zuerst müssen wir erst mal reinkommen ins Stadion. Zwischen Heimsektor und Gästesektor stehen mehr Polizisten als an einer 1. Mai-Demo in Zürich. Dafür sitzt an der Abendkasse genau eine Dame. Die druckt jedes Ticket einzeln aus. Und das dauert. Auch weil der FCW vor dem Spiel keine Tickets ins Berner Oberland geschickt hat. Und selbst wenn man ein Ticket ergattert hat, kommt man nicht einfach rein. «Ticket ungültig» heisst es bei mir am Screen am Eingang. Das Ticket muss erst noch warm werden, wird mir erklärt. Und das dauert seine Zeit so kurz vor dem 4. Advent. Doch schliesslich klappts und ich bin in der Kurve und als Erstes am Bierstand. Hier gibts Bier mit Schuss. Also mit einem Schuss Rapsound, denn wer beim Bierkauf den QR-Code einscannt, landet nicht etwa auf Twint, sondern bekommt einen Rapsong den Bierverkäufers vorgespielt. Das nenne ich Marketing. Und ich ziehe gleich mit, in dem ich am roten Anschlagebrett neben dem Bierstand etwas Wahlwerbung in eigener Sache anhefte. Winti ist schliesslich Agglo Zürich.
Das Spiel beginnt verhalten. Das Heimteam hat in der Anfangsphase häufiger den Ball, weiss aber wenig damit anzufangen. Um so eindrücklicher ist es, als der FC Thun mit seiner Druckphase beginnt. In der 20. Minute setzt sich Meichtry setzt sich im Laufduell gegen Durrer durch und lässt anschliessend Diaby aussteigen. Dann schlenzt der Thuner den Ball zum 1:0 ins Tor. Ein motivierter Thunfan zündet auf dem Zaun eine Pyro. In der 22. Minute wird eine Hereingabe von Heule noch abgelenkt und landet in hohem Bogen hinter Winti-Keeper Kapino im Tor. Offizieller Torschütze Rastoder 2:0. Und noch eine Pyro des motivierten Thunfans. Für den Farbtupfer sorgt der Winti-Captain. In der 26. Minute Arnold zupft als letzter Mann am Trikot von Rastoder. Der Schiedsrichter entscheidet auf Notbremse und Rot.
Nun könnte es ein ruhiger Abend werden, doch Winti gibt dich nicht geschlagen. Vor allem die Angriffe über den rechten Flügel sibd gefährlich. Und tatsächlich gelingt dem Team in Unterzahl ein Tor. Hunziker schiesst in der 38. Minute zum 1:2 ein. Doch Thun lässt sich nicht beirren. Ein schöner Distanzschuss von Roth und schon führt Thun wieder mit zwei Toren. Wir jubeln laut. Auch weil es der allererste NLA-Treffer von Roth ist. Nur Pyros hat selbst der motivierte Thunfan keine mehr.
So gehts in die Pause und wieder ins Bier. Die Rap-Zugabe lassen wir dieses Mal sein.
Im der 2. Halbzeit nimmt Thun das Tempo aus dem Spiel. In keiner Phase läuft man Gefahr, den Sieg noch aus der Hand zu geben. Winti ist zwar bemüht, kommt aber nicht wirklich zu Chancen. Das Spiel knorzt, was für uns okay ist. Mit dieser Gemütlichkeit landen wir in der vierminütigen Nachspielzeit. Hier fasst sich der spät eingewechselte Ibayi ein Herz und schiesst zum 1:4 ein. Es ist die letzte Szene des Spiels. «Wintermeister! Wintermeister!» schreien wir. Wobei das etwas übermütig ist, weil gleichzeitig St. Gallen 3:1 gegen Sion gewinnt. Eine Runde vor dem Winterpause ist es somit drei Punkte plus ein knapp besseres Torverhältnis Vorsprung auf die Ostschweizer. Wir feiern trotzdem. Für uns war das heute hier in Winterthur ein perfektes Schützenfest.