Lausanne – Thun

Lausanne – Thun

They call me the wanderer
Yeah, the wanderer
I roam around, around, around.
Heute will ich mir einen neuen Ground sichern. Im Stade de la Tuilière war ich noch nie. Die Herausforderung ist, dass die Lausanner Verkehrsbetriebe den Gästefans keinen ÖV zur Verfügung stellen. Was bei einem Spiel in der neuen Heimstätte von Lausanne-Sport besonders nervt, denn diese ist eine Stunde zu Fuss vom Bahnhof entfernt. Alles bergauf. Die Pontaise ist ein Katzensprung dagegen. Und so nehme ich mit dem Block Süd eine Wanderung in Angriff, die für Ü40-Leute eine ziemliche Herausforderung ist. Wobei die Jungs in so einem Laufschritt unterwegs sind, dass ich früh den Anschluss verliere. Es ist wie eine Bergetappe der Tour de France. Kollege Wyttenbach bleibt bald mal im Strassengraben liegen. Nein, er kippt schon nicht ganz um. Aber er röchelt so stark, dass er nicht mal mehr mit mir mithalten kann. Mit Ex-Fanarbeiter Dave entklimme ich die Hügel von Lausanne weiter, wobei wir mit Ausnahme eines WC-Zwischenhaltes in einem Stadtpark einigermassen gut vorankommen. Dass es da auch noch zu regnen beginnt, schlägt zusätzlich auf die Stimmung. Nach 60 Minuten erreichen wir das Stadion, wo wir erst noch mit der Polizei diskutieren, in welcher Ecke der Tuilière-Stadionanlage wir überhaupt willkommen sind. Nach 60 Minuten Fussmarsch haben wir unser Ziel erreicht. Wobei noch nicht ganz. Der Gästesektor ist von unten bis oben voller Querstangen, was für das Erreichen der Stehplatzreihen mehr Turnübungen verlangt, als wir es aus den Turnstunden im Schadau-Gymer gewonnen sind. So wird jeder von uns zum Donghua Li.
Das Spiel beginnt mit viel Feuer und Rauch. Auf den Thuner Rängen wird nämlich ordentlich eingeheizt. Die Sicht ist entsprechend schlecht. Aber auch im Nebel von Lausanne können wir bruchstückhaft erkennen, dass das Heimteam den besseren Start erwischt. In der 13. Minute flankt Diakité auf Lekoueiry, der per Kopf zum 1:0 einschiesst. In der 16. Minute der nächste gefährliche Schuss von Diakité. Bamert geht dazwischen, kommt aber mit der Hand an den Ball. Penalty. Bair läuft an und trifft. 2:0. Dann aber Aufregung bei einem Thuner Angriff. Sigua bringt Roth zu Fall. Penalty. Oder nicht? Der VAR schaut sich die Szene lange an. Aber er gibt den Penalty nicht.
Drama gibt es auch neben uns im Heimsektor, in dem die Sanitäterinnen eine sichtlich unterkühlte Anhängerin von Thun pflegen müssen. Das kalte Winterwetter geht an die Substanz, da können die beiden Kurven noch so viel zünden.
Mit dem 2:0 geht es in die Pause. Die Wartezeit am Verpflegungsstand ist lang. Es wird mit jedem Kunden ausführlich diskutiert, dass die Hamburger ausverkauft sind. Dabei wollen die meisten von uns doch nur ein Bier.
Die zweite Halbzeit beginnt mit viel Emotionen, auch weil sich die Lausanner immer wieder hinlegen. So auch ein Verteidiger in der 50. Minute. Es herrscht Uneinigkeit bei den Thunern, ob man den Ball ins Aus spielen will. Es kommt zum Techtelmechtel zwischen dem Lausanner Goalie und Rastoder. Der schubst und kassiert dafür die Gelbe Karte. Weil es seine Zweite ist, muss er vom Platz. Ein harter Entscheid.
Thun lässt trotz Unterzahl nicht locker. Und erkämpft sich schliesslich einen Penalty. Soppy stoppt Heule grenzwertig. Der VAR schaltet sich ein. Und entscheidet dieses Mal auf Elfmeter. Bertone setzt sich den Ball und trifft. 67 Minuten sind da gespielt. Thun macht die Räume trotz Untetzahl eng. Reichmuth hat eine gute Chance, wenig später auch Montolio. Aber der Ball will nicht rein.
Dann ist Schluss. Es regnet in Strömen. Was für eine Ausgangslage für die Wanderung zurück an den Bahnhof. Ich überlege kurz die Sinnhaftigkeit und ziehe dann den Extrajoker. Ich nehme den Bus 1 zum Stadion. Solange keine Fans auf der Strasse sind, gilt freie Fahrt. Und so trete ich im Trockenen die Heimreise an.

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