«Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…» Es ist unser erstes Spiel seit dem Titel. Und auch wenn wir Fans anders als die Spieler nicht den Grossteil der Woche auf Ibiza verbracht haben, ist auch bei uns im Extrazug die Stimmung laut und der Alkoholpegel hoch. Wir sind voller Euphorie, auch wenn wir einer fast schon programmierten Auswärtsniederlage entgegenfahren. In unseren Shirts und Shorts sind wir ganz auf Sommer eingestellt, auch wenn das Wetter sicher eher nach Herbst anfühlt. Egal, denn wir sind Meischter. Schwiizer Meischter!
Mit stolzer Brust marschieren wir ins Tourbillon ein. Und wir sind viele, der Gästesektor ist voll. Viele Fahnen, viel gute Stimmung und auch etwas Pyros. Die Berner Oberländer treten nach dem Meistertitel mit einer stark veränderten Mannschaft an. Gleich neun Wechsel nimmt das Trainerteam im Vergleich zur letzten Partie vor und da ist die Sperre von Lustrinelli noch gar nicht mitgezählt. So völlig neu formiert geraten die Thuner von Beginn an unter Druck. Bereits in der 3. Minute kommt Sow nach einem Eckball aus nächster Nähe zum Abschluss, jagt den Ball aber über das Tor. Auch danach bleibt Sion aggressiver und zielstrebiger. In der 5. Minute verzeichnen die Thuner immerhin ihre erste Offensivaktion. Meichtry versucht es spektakulär mit einem Fallrückzieher, bringt den Ball aber zu harmlos auf das Tor von Racioppi. Kurz darauf muss Ersatzgoalie Tim Spycher erstmals ernsthaft eingreifen. Nach einem Eckball zieht Kabacalman aus der Distanz ab, Spycher pariert sicher. Nach einer Viertelstunde deutet sich die Führung der Gastgeber immer stärker an. Zunächst scheitert Boteli nach einem schnellen Angriff nur am Pfosten. Wenig später prüft Chouaref den aufmerksam reagierenden Spycher erneut mit einem abgelenkten Distanzschuss. In der 22. Minute fällt schliesslich das 1:0 für den FC Sion. Chouaref flankt präzise in den Strafraum, wo Boteli schneller reagiert als Bamert. Der Stürmer läuft geschickt vor seinen Gegenspieler, kontrolliert den Ball und schiebt ihn überlegt an Spycher vorbei flach in die rechte Ecke. Die Sittener belohnen sich damit für ihre dominante Startphase. Und die Berner Oberländer wirken nach dem Rückstand kurz völlig von der Rolle. Nur eine Minute später schlägt Sion erneut zu. Chouaref erhält zentral vor dem Strafraum zu viel Platz, zieht aus mehr als 20 Metern ab und trifft mit einem herrlichen Schlenzer unhaltbar ins rechte Eck. Spycher streckt sich vergeblich, der Ball passt perfekt neben den Pfosten. Der Doppelschlag sitzt, nach 23 Minuten liegt der Schweizer Meister bereits mit 0:2 zurück. Immerhin reagieren die Gäste danach etwas mutiger. In der 25. Minute kommt Reichmuth nach einem Eckball zum Abschluss, doch Racioppi lenkt den noch leicht abgefälschten Ball stark um den Pfosten. Wenig später setzt Labeau einen Versuch aus der Drehung knapp neben das Tor. Kurz vor der Pause verpasst Reichmuth den Anschlusstreffer erneut nur knapp, als er eine Flanke von Dähler mit dem Kopf am Pfosten vorbeisetzt. Kurz darauf sorgt eine umstrittene Szene für Diskussionen. Nach einem Foul an Meichtry zeigt Schiedsrichter Luca Piccolo zunächst auf den Penaltypunkt, was uns schon jubeln lässt, entscheidet sich nach kurzer Beratung aber doch für Freistoss knapp ausserhalb des Strafraums. Janjicic bleibt mit seinem Versuch in der Mauer hängen.
Pause. Zeit für ein Bier und natürlich eine gute Gelegenheit, um Meisterfeieranekdoten auszutauschen. War das wirklich erst an diesem Montag, als wir uns nach einer Freinacht in den Armen gelegen sind? Mein Rama-Shirt riecht irgendwie, als wäre die grosse Party schon viel länger her. Nach dem Seitenwechsel bieten sich den Gastgebern sofort beste Chancen auf die Vorentscheidung. In der 47. Minute laufen drei Sittener auf zwei Thuner zu. Surdez scheitert zunächst an Spycher, danach vergibt auch Berdayes aus aussichtsreicher Position. Spycher verhindert wenig später mit einer starken Parade gegen Berdayes sogar das mögliche 0:3. Die Thuner finden offensiv dagegen kaum Lösungen. Viele hohe Bälle bleiben ungefährlich, kreative Ideen fehlen weitgehend. Ein Distanzversuch von Bürki aus rund 40 Metern symbolisiert die Ratlosigkeit der Gäste. In Ibiza wurde über anderes diskutiert als über gute Torschüssen. Die beste Thuner-Möglichkeit der zweiten Halbzeit vergibt Meichtry in der 58. Minute, als er nach Vorarbeit von Labeau lieber querlegt statt selbst abzuschliessen. Auf der anderen Seite bleibt Sion gefährlicher. Berdayes scheitert mehrfach am starken Spycher, der den Schweizer Meister mit mehreren Paraden im Spiel hält. Trotzdem kontrollieren die Walliser die Partie souverän und lassen defensiv kaum noch etwas zu. Auch die zahlreichen Wechsel bringen den Berner Oberländern keine entscheidende Wende mehr.
Nach gut einer Stunde stimmen wir in der Kurve das Meischter-Lied an und hören bis Abpfiff nicht mehr auf damit. Wir sind völlig in Ekstase und blenden das Spielgeschehen aus. Matoshi vergibt in der 86. Minute die letzte Halbchance der Gäste, als er den Ball aus halblinker Position nicht richtig trifft. So bringt der FC Sion den Vorsprung problemlos über die Zeit und feiert den fünften Sieg in Serie. Thun hingegen zeigt trotz einzelner engagierter Ansätze insgesamt zu wenig Durchschlagskraft und verliert im Wallis mit 0:2.
Was solls. Wir feiern mit dem Team ausgelassen den Titel und fordern nekisch den Derbysieg. Ein Spiel wollen wir diese Saison dann schon noch gewinnen als Meister und da steht ein Sieg gegen YB ganz oben auf der Wunschliste. Und jetzt alle noch einmal zusammen: «Meischter, Schwitzer Meischter, scha la la la la la la…»