Thun – St. Gallen

Thun – St. Gallen

Luca Piccolo heisst der Mann, der uns heute als Schiedsrichter durch den Abend in Thun begleitet. Und zu seiner Entschuldigung sei gesagt, dass heute schon vor Anpfiff die Sicht schlecht ist im Oberland. Nebel. Und schlecht ist auch die Stimmung. «Mä chönnt meine, hütt heimer ihr Clubgschicht nid di eimaligi Chance, Gschicht z’schribe u Wintermeister z’wärde». Das steht gemeinsam mit viel mehr Text an den Wänden der geschlossenen Vorplatzbar. Und das steht auf einem Flyer, der an die 9200 Matchbesucher verteilt wird. Die Kurve vermisst d’Wärtschetzig von der Vereinsführung und verzichtet deswegen auf den organisierten Support in den ersten 12 Spielminuten. Keine Gesänge, keine Fahnen, keine Stimmung. Wir von thunfans.ch können das nachvollziehen und kritisieren höchstens, dass dieses Zeichen schon im Winter 2019 hätte gesetzt werden können. Vielleicht fällt ein amateurhaftes Verhalten eines Klubs einfach besser auf, wenn man Tabellenführer in der Super League ist.
So sind es die zahlreichen Gästefans, die in den Startminuten die Farbtupfer setzen. Mit Pyros. Ist klar. Aber auch mit Buchstaben-Choreos. Die vier Buchstaben F, C, S und G sind dabei weniger unser Ding als die Buchstaben A, C, A und B. Weil heute der 13.12. ist. Es ist ein Statement «gege Bulle», wie mit einem Spruchband allen Stadionneulingen erklärt wird. Dann sind die 12 Minuten Wartezeit im Block Süd um, worauf auch die Thunfans erst mit Konfetti und dann mit Pyros Farben ins Spiel bringen. Sieht gut aus alles. Nur der Nebel wird so halt dicker. Wobei in der 22. Minute die Sicht eigentlich noch gut wäre. Okoroji passt geschickt zu Baldé, der zum 0:1 einschiesst. Doch der steht im Abseits. Der Treffer zählt nicht. Zuerst jedenfalls. Weil es meldet sich der VAR. Zwei Minuten Zeit lässt er sich und dann entscheidet er auf Tor. Ein Entscheid, der auch mit Fernsehbildern schlecht zu erklären ist. Thun liegt also im Rückstand. Und erspielt sich bald darauf mehrere Chancen. Nach einem Freistoss von Fehr scheitert Bertone nach einem Abpraller. Auch der nachfolgende Eckball wird gefährlich, aber Neziri stürzt sich in den Schussversuch eines Thuners. Und der Schiedsrichter entscheidet auf Freistoss St. Gallen. Nicht die einzige sonderbare Entscheidung heute Abend. Weil später auch Meichtry scheitert, geht Thun nach dreiminütiger Nachspielzeit mit einem Rückstand in die Pause.
Die zweite Halbzeit ist auf den Rängen spektakulärer als auf dem Feld. Erst zünden die Stadionverbötler aus der Ostschweiz draussen ein Feuerwerk, das man aber im Nebel nur erahnen kann. Dann feuert die Gästekurve und schliesslich auch wieder die Thunfans. Nun ist die Sicht definitiv am Arsch. Und mitten im Nebel jubeln die St. Galler. Tor? Nein Penalty! Bamert hat angeblich Efekele gefoult. Boukhalfa läuft an und trifft. 77 Minuten sind da gespielt. Und kurz darauf wird gar nicht mehr gespielt. Zu viel Nebel. Es ist schon der zweite nebelbedingte Spielunterbruch heute Abend. Hinzu kommen viele Unterbrüche wegen Schauspieldarbietungen der St. Galler Spieler. Luca Piccolo hat das Spiel nicht im Griff.
Irgendwie erreichen wir doch die 90. Minute. Und da gibt es passend zum heutigen Abend 12 Nachspielminuten. Selten gesehen.
Thun kämpft weiter. Doch der Ball ist selten im Spiel. Heute gibts wirklich viel Schauspielerei. Zugegenermassen sind aber die Thuner Angriffe auch recht schwach. Da reichen 12 Minuten nicht für einen Treffer und auch nicht die 13 Minuten, die es schliesslich werden bis zum Schlusspfiff. Thun verliert und ist doch nicht Wintermeister. Noch nicht. Aber der Vorsprung auf den FCSG beträgt immer noch drei Punkte. Ein auf Wiedersehen an Luca Piccolo und an alle andren, die heute im Stadion häufig nicht den Durchblick hatten.

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