Thun – Sion

Thun – Sion

Luxusprobleme an Allerheiligen: Soll ich mir den Match ansehen, in dem Kriens die Tabellenspitze verteidigt? Oder soll ich mir den Match ansehen, in dem Thun die Tabellenspitze verteidigt? Da mir U21-Teams ziemlich auf den Wecker gehen, entscheide ich mich gegen Kriens gegen FCB, die Zweite und für Thun gegen Sion, die Erste. Doch kaum sitze ich mit meinem Promotion League-erfahrenen Trio an der Schiffsländte in Thun, spricht uns die Polizei an. Ob wir wirklich hier sitzen bleiben wollen, wenn sogleich der Extrazug aus dem Wallis ankommt? «Ja, bis uns die Polizei sagt, wir sollen uns entfernen.» Der Polizist antwortet staubtrocken: «Ja, das wäre jetzt der Moment.» Und so verziehen wir uns halt auf die andere Seite des Aarebeckens. Von hier aus verfolgen wir die Ankunft der Sionfans, wir sind gut getarnt mit Cardinal-Bierflaschen. Alles verläuft friedlich.
Im Stadion ist es eng, wie es sich bei einem Leader gehört. Zwar wird erst die Zuschauerzahl 7000 auf dem Stadionscreen eingeblendet, was aber nur ein Fehler sein kann. Und tatsächlich wird die Zahl kurz darauf auf 9500 korrigiert. Beeindruckend. Muss ja nicht jeder wissen, dass hunderte Tickets für 11 Franken verkauft worden sind.
Sion startet besser ins Spiel, Costa hat nach 9 Minuten eine Topchance. Doch Steffen wehrt gekonnt ab. In der 15. Minute geht das gleiche Duell aber anders aus. Costa hämmert den Ball volley unter die Latte. 0:1. Sion hat das Spiel nun im Griff. Und wie. In der 27. Minute weiss sich Dähler gegen Nivokaci nur mit einem Foul zu helfen. Schiedsrichter Drmic zögert nicht und zeigt auf den Punkt. Kabacalman läuft an und schiesst den Ball knapp übers Tor. Die Latte wohl vor noch in Spiel, aber Hauptsache nicht das Tornetz. Es bleibt beim 0:1.
Für Aufregung sorgt nun aber Kusi, der Unscheinbare aus unserem Fussballexpertentrio. Es kommt mit sechs Bier von einen Abstecher an den Verpflegungsstand zurück. Doch Party-Kernen und ich gehen beide leer aus, weil der Kusi der halben Kurve ein Bier zu Schulden scheint. Wie süffig war wohl das Spiel letztes Wochenende im Wallis für ihn? An was wir uns erinnern können: Vor Wochenfrist hat Thun gehen Sion gewonnen. Und auch heute bessert sich die Situation noch vor der Pause. In der 39. Minute ist Thun endlich gut im Schuss. Eine Flanke von Heule, welche Ibayi verwertet. Doch der VAR meldet sich. War da irgendwo eine Abseitsposition? Doch Nein, der Treffer zählt. 1:1.
Mit diesem Resultat geht es in die Pause. Wie schreibt der Liveticker-Schreiberling des Thuner Tagblatts passend: «Thun und Sion gehen mit einem 1:1-Unentschieden in die Kabine. Puh, durchatmen, kühles Bier holen.» Und tatsächlich holen Party-Kernen und ich uns nun die Bierrunde, für die es vor Anpfiff wegen der langen Warteschlange nicht gereicht hat. Was auch jetzt viel Zeit in Anspruch nimnt.Gut zündet der Block Süd zu Wiederanpfiff jede Menge Pyros, ansonsten hätten wir wohl die ersten paar Spielszenen verpasst. Wobei Kollege Kusi trotzdem erst nach 58 Spielminuten den Weg zurück in die Kurve findet. Und das nur mit einem Bier statt einem Sechserpack. Da kommt zumindest kein Neid auf.
Sion ist zeitweise nahe am Führungstreffer. Doch Thun kämpft mit dem Glück eines Leaders. Und nutzt eiskalt die eigene Grosschance. Rastoder setzt sich mit vollem Körpereinsatz gegen Kronig durch und schiebt zum 2:1 ein. 65 Minuten sind da gespielt. Doch der Match dauert noch eine halbe Stunde. Es ist ein ständiges Hin und Her. Mit leichten Vorteilen für Sion. Aber genauso gut könnte der eingewechselte Gutbub mit seinem 3:1 alles klar machen. Aber er setzt den Ball knapp nebens Tor.
Dann ist Schluss und Thun bejubelt den dritten Sieg von der Tabellenspitze aus. Angesichts des hart umkämpften Spiels müssen sich Fans und Spieler erst einmal hinsetzen, um das Erlebte zu verarbeiten, bevor die grosse Stadionparty steigen kann. Hat YB das Hinsetzen vor der Kurve erfunden, wie auf dem 1898er-Forum behauptet wird? Nein! «Die Nummer 1 von Bern sind wir!» Fehlt noch der Handyblick Richtung Kriens. 3:2-Sieg gegen FCB, die Zweite. Führung ausgebaut. Es läuft an Allerheiligen.

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