Im zweiten Anlauf klappt es doch noch. Aus Basel werden an diesem Wochenende keine Brände gemeldet, und diesmal haben alle genug Schuhe dabei, um die Partie zwischen dem FC Thun und dem FC Basel auszutragen. Die beiden Fangruppen erweisen sich einmal mehr als Meister der Improvisation, sodass das Spiel trotz Neuansetzung am Startwochende des Playofffinals vor ausverkauftem Haus stattfinden kann. Nur ein paar wenige Anhänger von Gottéron und HCD fehlen für einmal.
Die Choreos tragen das Flutlichtspiel von Beginn weg. Als die Mannschaften den Rasen der ausverkauften Stockhorn-Arena betreten, liefern beide Fanlager eindrückliche Bilder, die den Rahmen setzen für einen Abend, der zumindest im Berner Oberland noch lange nachhallen wird. Doch auf dem Platz wirkt der FC Thun zunächst verhalten. In der 7. Minute ist der FC Basel wacher, sucht früh den Weg nach vorne. In der 9. Minute folgt das erste Thuner Ausrufezeichen. Nach einer Hereingabe verpasst Christopher Ibayi nur knapp. Noch fehlt die Präzision, doch das Heimteam tastet sich heran. Basel bleibt präsent, aber Thun steigert sich. In der 22. Minute prüft Elmin Rastoder FCB-Goalie Marwin Hitz mit einem scharfen Abschluss, es ist ein erster Warnschuss. Die 28. Minute bringt die Wende und die Führung für Thun. Rastoder treibt den Ball energisch durchs Mittelfeld, erkennt die Lücke und spielt im richtigen Moment steil. Ibayi startet im Zentrum, nimmt den Ball kontrolliert mit und bleibt vor Hitz eiskalt. Ein Hoch auf dieses Wortspiel. Und ein Hoch auf das 1:0. Unsere Fankurve tobt. Und Thun bleibt dran. In der 39. Minute sorgt Kastriot Imeri beinahe für das Tor des Abends: Nach einer kurzen Ecke hebt er den Ball gefühlvoll Richtung Tor, der Ball senkt sich und klatscht an den Innenpfosten. Basel hat in dieser Szene Glück, zur Pause bleibt es beim 1:0. Mit breitem Grinsen im Gesicht holen wir uns das verdiente Bier und tauschen in der langen Warteschlange unsere Meisterträume aus.
Nach dem Seitenwechsel wird es auf dem Platz hektischer. In der 50. Minute verhindert Niklas Steffen mit einer starken Aktion den Ausgleich. Und dann schlägt Thun erneut zu. 53. Minute: Ein Freistoss aus der Distanz, der Ball landet bei Michael Heule. Ohne zu zögern zieht er flach ab und setzt den Ball präzise in die linke Ecke. 2:0. Die Antwort des FCB folgt aber schnell. 56. Minute: Der eingewechselte Julien Duranville nutzt eine starke Phase der Basler, kommt im Strafraum zum Abschluss und trifft. Nur noch 2:1. Doch Thun reagiert abgeklärt. In der 64. Minute fällt die Entscheidung: Heule setzt sich auf der linken Seite durch, gewinnt sein Laufduell und spielt im perfekten Moment quer. Rastoder reagiert meisterhaft und schiebt souverän ein zum 3:1. Ein Angriff wie aus dem Lehrbuch, schnell, direkt und präzise. In der Schlussphase verwaltet Thun die Partie. In der 88. Minute erhebt sich das Publikum, würdigt die einmal mehr tolle Leistung mit einer Standing Ovation. Die Basler versuchen zwar noch heranzukommen, doch irgendwie fehlt ihnen die Durchschlagskraft. Uns solls recht sein. Thun bringt die Zwei-Tore-Führung über die Zeit.
HunBeim Schlusspfiff ist das Stadion voller Euphorie. 3:1 haben die Berner Oberländer den FC Basel bezwungen. Noch ein weiterer Sieg fehlt zum Titel, wenn es ihn denn angesichts der schwächelnden Konkurrenz überhaupt braucht. Nüchtern betrachtet (gut wer ist das hier kurz vor 22:30 Uhr überhaupt noch) muss nun nur noch ein einziges Erfolgskapitel hier auf thunfans.ch eingetippt werden und dann ist unser Fussballmärchen allen Anschein nach schon fertiggeschrieben. Dann ist der FC Thun, notabene als Aufsteiger in die Saison gestartet, doch tatsächlich Schweizer Meister. Wow!