Thun – Lausanne

Thun – Lausanne

Vor Lausanne ist nach Lausanne. Ich übernachte heute in Thun, weil morgen ein Mitarbeiterausflug nach Lausanne ansteht. Was passt da besser, als ausgerechnet ein Spiel gegen Lausanne zu besuchen? Auch wenn es in der verkehrten Stadt stattfindet. Wobei heute ohnehin jeder Anspruch auf das Territorium rund um das Spielfeld erhebt. Vor dem Stadion lassen die Lausanner bei der Ankunft ihres Cars zwei Böller krachen. In der Heimkurve zünden die Thuner beim Einmarsch der Teams mehrere Pyros. Und der Typ neben mir wirft wenig später einen leer gewordenen Bierbecher während dee Pyroshow mehrere Reihen nach vorne. Kein Anti-Feuerwerk-Protest, sondern purer Leichtsinn. Ich scheisse ihn zusammen. Damit er künftig vielleicht darauf verzichtet, Bierbecher auch in Richtung Gartengrills zu schmeissen.
Spielstart: Schiedsrichter Drmic pfeift die Partie an. Der Schweizer Meister (ja diese Bezeichnung wiederhole ich gerne) kommt nach dem spektakulären 4:3-Sieg in St. Gallen mit viel Selbstvertrauen ins Duell, doch Lausanne erwischt den besseren Start. Bereits in der 4. Minute liegt der Ball erstmals im Thuner Tor. Butler-Oyedeji setzt sich auf der Seite durch und bringt den Ball zur Mitte, wo Molebe vollendet. Der Jubel der Gäste hält allerdings nicht lange an. Bei der Ballabgabe stand Butler-Oyedeji knapp im Abseits. Deshalb wird der Treffer von Schiedsrichter Drmic gleich sofort aberkannt, den VAR braucht es nicht. Noch nicht. Nur zwei Minuten später jubelt Lausanne nämlich erneut. Nach einem Corner kommt Janneh zum Kopfball, der Ball wird von Lengen entscheidend abgefälscht und landet im eigenen Tor. Wieder scheint Thun früh in Rückstand zu geraten. Doch erneut verzögert sich das Anspiel. Denn Janneh hat sich bei seinem Kopfballversuch mit einem halben Würgegriff am Hals seines Gegenspielers regelwidrig Platz verschafft. Der VAR meldet sich entsprechend, auch dieser Treffer zählt nicht.
Und was macht eigentlich Thun? In der 10. Minute melden sich unsere Jungs erstmals gefährlich zu Wort. Nach einem Corner steigt Lengen hoch und köpft den Ball gegen die Laufrichtung von Lausanne-Goalie Mastil. Der Gästetorhüter, gemäss Party-Kernen in seinem früheren Leben legendärer Cuppenaltyschiessenheld von Stade Nyonnais, reagiert glänzend und verhindert den Ausgleich. Danach beruhigt sich das Geschehen etwas, ehe Lausanne in der 26. Minute beinahe doch noch in Führung geht. Soppy lässt im Strafraum einen Gegenspieler aussteigen und legt quer auf Molebe. Dieser scheitert mit seinem Abschluss an den starken Reflexen von Steffen, wobei der Ball wohl auch ohne die Intervention des Thuner Goalies knapp am Tor vorbeigegangen wäre. Anschliessend übernimmt der FC Thun zunehmend die Kontrolle. In der 34. Minute zieht Roth aus spitzem Winkel kräftig ab, trifft aber nur das Aussennetz. Drei Minuten später folgt die nächste Möglichkeit. Nach einer Flanke kommt Zoukit zum Kopfball, doch Mastil ist zur Stelle und hält den Versuch fest. In der 41. Minute wird es erneut gefährlich. Strannegard spielt den Ball in den Rücken der Lausanner Abwehr auf Dähler, dessen Schlenzer nur knapp am Gehäuse vorbeifliegt. Thun ist nun dem Führungstreffer deutlich näher, belohnt sich für die starke Phase aber nicht.
Mit einem 0:0 geht es in die Pause. Und das trotz zweier Tore. Zeit also, um mit Twint ein Bier zu kaufen. Zumindest für jene, die dafür freigeschaltet sind und nicht seit dem St. Gallen-Spiel im Login- und Sicherheitsprozess feststecken.
Die zweite Halbzeit bringt dann endlich das Thuner Tor. Korrektur: Die Thuner Torhymne. In der 54. Minute lässt Reichmuth lässt seinen Gegenspieler mit einer Finte stehen und zieht aus der Distanz einen Schlenzer ab. Der Ball fliegt haarscharf am Aussennetz vorbei. Was wir direkt dahinter im Block Süd zerknirscht realisieren. Auf der Haupttribüne wollen die Fans dagegen ein Tor gesehen haben. Viele Zuschauer jubeln und der Speaker spielt über die Stadionlautsprecher das Vogellisi ab. Ein verrücktes 0:0 ist das heute.
Danach wird die Partie zunehmend zäh. In der 61. Minute reagieren beide Trainer mit Wechseln. Bei Thun kommen Fehr und Dursun für Lengen und Strannegard, bei Lausanne ersetzt Traoré den auffälligen Molebe. Zwei Minuten später sieht Dursun bereits die Gelbe Karte, nachdem er Poaty foult. Viel mehr passiert auf dem Rasen nicht. 5014 Zuschauerinnen und Zuschauer verfolgen die Begegnung, und das halbleere Stadion bildet eine passende Kulisse für das inzwischen tiefe Spielniveau. In der 65. Minute folgt dann immerhin die nächste Torszene. Labeau nimmt den Ball im Strafraum mit, schlenzt ihn anschliessend sehenswert ins lange Eck und lässt Mastil keine Chance. Diesmal liegt der Ball tatsächlich im Lausanner Tor und Thun jubelt über die Führung. Doch Jubel und Torhymne verstummen auch dieses Mal wieder schnell. Bei der Ballmitnahme hat Labeau den Ball ganz leicht mit der Hand berührt. Also auch hier: Kein Tor.
Wir sind wieder zurück auf dem Nullpunkt. Und dort verharren wir auch bis am Schluss. Auch vier Minuten Nachspielzeit ändern nichts mehr am Spielausgang. So gehts halt morgen ohne Tore im Gepäck nach Lausanne. Wir werden sicher ein spannenderes Gesprächsthema finden als das heutige Spiel.

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