Minus sechs Grad. Kein Wetter, um Fussball zu spielen. Aber als Fan des Super-League-Leaders lässt man sich nicht so leicht beirren und ist eiskalt. Wir wärmen uns mit Glühwein auf. Als Erstes im Glühweinhaus am Bahnhof, wo Kollege Party-Kernen schon wieder einen vollen Sammelpass einlöst. Bei mir ist es Glühwein Nummer Zwei im ganzen Winter. Topseriös nehme ich den Glühwein ohne Schuss, worauf mir der Kollege aus Oberdiessbach aus seinem Flachmann ordentlich viel Schnaps reinschüttet. Das gibt warm ums Herz. Weniger Glück habe ich an der Block Süd-Bar vor dem Stadion. Der Glühwein ist bereits ausverkauft. Dafür erhalte ich drinnen im Stadion an der Theke noch den allerletzten Becher aus dem Glühweintank. So viel Glück hatte ich in den letzten Jahren selten beim FC Thun. Nur zittert in der Fankurve meine errötete Hand so sehr, dass ich immer wieder Glühwein ausschütte. Ich werde alt und kalt. Um so erwärmender, dass erst die Thunfans eine erste Pyro zünden noch vor Anpfiff und dann auch die kompakte, aber laute Lugano-Kurve mit einer Rakete mitzieht. Hier hat niemand vor, mit leeren und kalten Händen das Stadion zu verlassen.
Lugano startet besser ins Spiel, aber Steffen hält stark. Mit fortlaufendem Spielverlauf kommt auch Thun zu Chancen. Statt passend zum Wetter eiskalt verwertet zu werden, werden sie vergeben. Besonders eine Szene sorgt für hitzige Diskussionen: Kurz vor der Pause scheitert Imeri mit einem Abschluss an Lugano-Verteidiger Zanotti. Doch hat der den Versuch mit dem Ellbogen abgewehrt? Der VAR meldet sich nicht. 0:0 steht es nach 45 Minuten.
In der Bier-Warteschlange wärmen wir uns kurz auf, bevor es wieder in die Kühlbox zurückgeht. Dort gefallen uns die Thuner. Imeri spielt stark, Heule vergibt eine Topchance, Roth scheitert, dann wieder Imeri. Das Auslassen der Chancen ist zum Haareraufen. Gut trägt heute jeder eine Kappe. Dann die 74. Minute. Bei einem Angriff gräscht Bislemi Thun-Goalie Steffen um. Stürmerfoul, klar. Aber auch Rot. Ein harter Entscheid.
Thun somit in Überzahl. Und weiter in der Offensive. Doch der Ball will nicht rein. Das rächt sich normalerweise. Und auch heute. In der 84. Minute gewinnt Koutsias das Duell gegen Dähler durch und lanciert Cassano. Der ist wirklich eiskalt und wuchtet den Ball ins Netz. 0:1. Thun hat noch Zeit, auch weil sechs Nachspielminuten angezeigt werden. Rupp versucht es, auch Meichtry. Aber dann ist Schluss. Thun verliert das Spiel in der Kühlbox Stockhorn Arena und bleibt doch Leader. Eigentlich wäre da der Wintermeistertitel verdient, aber die Super League will trotz der eisigen Temperaturen noch einen ganzen Monat lang weiterspielen. Ja dann hoffen wir mal, dass bis zum nächsten Match die Glühweintanks wieder aufgefüllt sind.