Nid nume di hütgi Blockschrift Nr.12, sondern o dr 648. Spielbricht vo thunfans.ch isch em zwöufte Ma gwidmet, also aune vo üs, wo Spiutag für Spiutag Stimmig mache. Nützet di Möglechkeit, üses Team dr ganz Abe lang z?ungerstütze u zum Sieg z?schreie. Dass üses (Fan-)Läbe ir Kurve leider ke Säubstverständlechkeit isch, bewist dr Match, wo hüt Abe zAarou stattfindet. Wär Züridütsch redt oder süsch irgendwie mit em FCZ i Verbindig bracht wird, isch dert usgsperrt u darf sich nid mal ir Nächi vom Brügglifäud ufhalte. Hoffe mir trotzdäm, dass d?Südkurve die Strapazä i Agriff nimmt u irgendwie ä Wäg nach Aarou fingt. Üsi Fuesballrealität 2015 isch es, über 90 Minute für üse FCT düre z?singe.
Während die ganze Fussballschweiz heute über die fragwürdigen Eingangskontrollen im Kanton Aargau diskutiert (fürs Polizeiprotokoll: es handelt sich um jenen Kanton mit NLA-Klub, in dem nicht mal ein Referendum gegen das Hooligan-Konkordat ergriffen worden ist), sorgen sich fernab von der Üsserschwyz alle Fussball- und/oder Weininteressierten, wie sie bei einem ganz anderen Spiel rein kommen ins Stadion. Wie alle Jahre wieder lechzen mal wieder das ganze Wallis sowie etliche Nachbarregionen nach Cupfinaltickets. Dass sich selbst Mattäng um einen Platz bei jenem Match in Basel bemühen soll und sogar seinen Gattuso-Schal beim Verkaufspreis drauflegen würde, halten wir jetzt aber mal für ein Gerücht. Zumindest heute steht er jedenfalls noch vis-à-vis der Sion-Fans im Thun-Block. Sion ist übrigens mit rund 150 Supportern in die Arena gereist. Weitere tausende Sion-Fans, die immer (im Cupfinal) auswärts fahren, stehen wohl auch heute wieder in einer kilometerlangen Warteschlange vor einem Ticketschalter. Und da neuerdings selbst die Spieler nur noch ein Finalticket auf sicher haben, ist sogar ein halbes Dutzend von ihnen auf dem Platz nicht auffindbar: Christofi, Ndoye, Pa Modou, Vidosic, Kouassi und Ziegler stehen alle nicht im Angebot und Konaté bleibt zumindest während der ersten Halbzeit auf der Bank. Ob er sich erst noch ein Ticket auf Ricardo ersteigern will?
Doch selbst wer hier für Sion spielt, hat den Kopf scheinbar schon beim Cupfinal. Anders ist nicht zu erklären, wie einfach Thun schon in der 2. Minute zur Führung kommt. Rojas lanciert mit einem weiten Pass Gonzales, der alleine auf Vanins losziehen kann. Gonzales gewinnt das Duell für sich und schiesst zum 1:0 ein. Doch schon in der 18. Minute kommt es auf der anderen Seite zu einem Duell zwischen Stürmer und Goalie. Und hier stehen die Chancen für den Angreifer noch weit besser als zuvor für Gonzales, darf sich doch Carlitos den Ball auf den Elfmeterpunkt setzen. Es handelt sich um die Belohnung bzw. Bestrafung für einen Zweikampf zwischen Ferreira und Zverotic, in dem Letzterer stilvoll zu Boden ging. Carlitos läuft also an, schiesst den Ball in die rechte Ecke ? und kann mitansehen, wie Faivre den Ball wegspediert. Gross ist der Jubel für unseren Goaliehelden.
Thun macht es heute einfach besser beim Toreschiessen als Sion. Bereits in der 26. Minute reissen wir wieder die Arme hoch, weil Rojas einen Pass von Ferreira verwertet hat. Doch weil auch der Fändlima den Arm oben hat, zählt das Tor nicht. Rojas soll im Offside gestanden sein. Als in der 31. Minute wieder Ferreira bei einem Angriff den Ball hat, will er gar nicht erst einen zweiten solchen Patzer riskieren. Und so schiesst er gleich selber ? und trifft tatsächlich aus spitzem Winkel. 2:0!
Alles klar? Von wegen. In der zweiten Halbzeit läuft Konaté in die Arena ein. Dessen Einwechslung beschwingt Sion so sehr, dass nach 10 Minuten der Anschlusstreffer glückt. Torschütze ist Follonier. Und dann beginnt tatsächlich die Konaté-Show ? wenn auch in einer etwas anderen Variante als noch vor einem Monat im Tourbillon. Wobei sein erster sicherer Treffer quasi unter Ausschluss der Öffentlichkeit über die Bühne geht. Nachdem sich Faivre nämlich eine Flanke geschnappt hat, rechnen wir alle mit einem langsamen Spielaufbau und diskutieren in der Kurve über Dies und Das. Und wundern uns dann plötzlich, warum da eine Horde Sion-Spieler wild vor der Trainerbank herumhüpft und uns glauben machen will, dass einer von ihnen ? Konaté natürlich ? das 2:2 geschossen hat. Wie wir erst viel später erfahren werden, hat sich Faivre den Ball aufs (falsche) Grün gesetzt, weil er einem (falschen) Schiripfiff Folge leisten wollte. Da Konaté aber nicht nur ein begnadeter Fussballspieler ist, sondern auch ein Top-Gehör hat, hat dieser gemerkt, dass der Pfiff gar nicht vom Feld kommen konnte. Und da hat das pfiffige Kerlchen doch tatsächlich den vor ihm auf dem Silbertablett liegenden Ball mit dem Fuss an sich genommen und ganz einfach ins Tor gekickt. Die Folge ist ein Riesendurcheinander, während dem die Sion-Spieler den Ball schon mal siegesgewiss in den Mittelkreis legen. Doch Schiedsrichter San gibt den Treffer regelkonform nicht. Worauf Constantin tobt, Protest einlegt, tobt und den Protest wieder zurückzieht. Für alle Sion-Fans wie du und ich ist schliesslich entscheidender, dass die Verbandsangestellten Sion im Cupfinal gutgesinnt sein werden.
Zur Überraschung aller bekommt Sion aber bereits in der heutigen Nachspielzeit ein Geschenk überreicht. Und natürlich steht wieder Konaté im Mittelpunkt. Um sich endlich mal in einem Duell gegen die brillante Kampfsau Hediger durchzusetzen, lenkt er den Ball mit den Händen in die von ihm gewünschte Richtung. Worauf er von Hediger erst recht zu Boden geworfen wird. Dumm nur, dass Schiedsrichter San nur beim zweiten Teil der Aktion genau aufgepasst hat. Und so kommt es zu unserem Schrecken in der 94. Minute schon wieder zu einem Penaltyduell. Konaté setzt gleich selber den Ball. Das wäre dann also der zweite sichere Treffer für ihn heute. Er läuft an ? und schiesst doch tatsächlich den Ball weit links über Tor. Das Publikum tobt so laut, so wild und so durchnässt (sind es mehr Freudentränen oder mehr Bierbecherwürfe) als wären nie mahnende Blockschrift-Worte nötig gewesen, doch als zwöufte Ma bitte etwas mehr Stimmung zu machen. Es ist der emotionale Schlusspunkt eines turbulenten Spiels. Danke das wir dabei sein durften ? vor Ort im Stadion.
So geil! Ungsund. Aber sehr geil!
