Wie geil wäre das denn? Statt einer Bilderwand der schönsten Choreos einzurichten, könnte man doch in der Block Süd-Ecke im Stadion eine Bilderauswahl der hässlichsten Hassspieler aufhängen. Einer hätte sich seinen Platz in dieser Hall of Fame der Bad Guys längst auf sicher dank Mätzchen wie einer Tätlichkeit in der Nachspielzeit, zahlreicher Blutgrätschen und Kung-Fu-Sprünge oder schon nur dem Stinkefinger gegen die Thuner Kurve anno dazumal in Schaffhausen: Herzlich willkommen in Thun, Roman Bürki. Wobei ich schon zugeben muss, dass ich enttäuscht war, als wir kürzlich im Letzigrund auf ein GC ohne Bürki (und ohne Stadion) getroffen sind. Ein Fight gegen ein GC ohne Rotsünder Bürki ist doch aus emotionaler Sicht etwa das gleiche wie eine grenzübergreifende Carfahrt ohne hässliche Fürze.
Da Topskorer und Topschläger Hajrovic heute ebenso wegen einer Sperre fehlt wie Salatic, darf gewettet werden, wer von der Firma GC heute wegen einer Tätlichkeit vom Platz fliegt. Schade eigentlich auch für die GC-Fans, die wieder in Scharen den Weg nach Thun gefunden haben und beim Anpfiff mit einer tollen Choreo mit riesiger GCZ-Blockfahne ein positives Zeichen setzen. Zudem sind die Zürcher das ganze Spiel durch sehr laut. Was besonders in der ersten Halbzeit sehr überrascht, spielt doch da Thun eindeutig besser. Gleich fünf Topchancen hat Thun, Marco Schneuwly, Martinez und Hediger sorgen allesamt für viel Wirbel. Und kurz vor der Pause köpfelt gar Reinmann bei einem Eckball haarscharf am Tor vorbei ? notabene an dem Tor, in dem Bürki drin steht. GC fällt dagegen nur durch ruppige Fouls auf. Gelb sehen in der ersten Halbzeit Ben Kalifa und Anatole (wird stark rotgefährdet in der Pause ausgewechselt), nicht aber Lang. Dass Schiri Bieri in der Nachspielzeit bei Langs hartem Einsteigen am Sechszehner Christian Schneuwly eine Gelbe Karte wegen angeblicher Schwalbe zeigt, ist schlichtweg eine Schweinerei. Und vor allem verheerend für den weiteren Spielverlauf.
Durch den Schirifehlentscheid angestachelt, zeigt GC in der zweiten Halbzeit definitiv sein hässliches Gesicht und begeht Unsportlichkeit um Unsportlichkeit. Mal wieder nach einem Offsidepfiff munter weitergespielt (Gelb gegen Vilotic), mal wird Schirinzi bei einem Konter umgerissen (Gelb gegen Gashi), mal gibt?s eine der für GC so typischen Rudelbildungen ? dieses Mal gegen den Schiri (Gelb gegen Abrashi und Feltscher). Und dann ist da noch Bürki: In der 62. Minute lässt er den Ball vor Martinez? Füsse fallen, der sogleich zum Schuss ansetzen will. Doch bevor es dazu kommt, grätscht ihn Bürki um. Dafür gibt es nur Gelb. Und auch nur einen Freistoss, da Bürki ja seine Gegenspieler jeweils knapp ausserhalb des Strafraums umsäbelt. Die Kurve tobt (BTW: Freiheit für alle Schlagzeuger), Bürki tobt, es kommt zum Freistoss-Showdown zwischen Christian Schneuwly und Bürki. Schneuwly läuft an ? und trifft in Bürkis Ecke. Ha ha!
Doch auch der Torhüter auf der anderen Seite ist ein Dauerthema für uns. Eben erst haben wir darüber diskutiert, ob Faivre schon zwei oder drei hohe Eckbälle unterlaufen hat, als er in der 66. Minute erneut patzert. Bei diesem Eckball kommt so ziemlich jeder Freund und Feind im Thuner Strafraum kurz an den Ball, nur einer hat bei dieser unfreiwillig komischen Ballstafette nie wirklich Ballkontakt: Faivre. Und auch als Secku endlich den Fuss dran hat, ist das keine gute Nachricht für uns. Er lenkt den Ball nämlich ins eigene Tor ab. Nur hier im Stadion wird Vilotic als Torschütze ausgerufen. Das bemerkt aber fast niemand, da Bürki selbstverständlich nicht mit seiner pyrozündenden Kurve feiert, sondern in Richtung von uns Thunfans das 1:1 bejubelt. Was für eine Provokation. Ein Pfeifkonzert hallt durch DIE Arena. Auch wenig später, als Bürki ein absurd dämliches Zeitspiel begeht, weil er von jenem Ball Angst zu haben scheint, der bereits perfekt für ihn zum Abstoss bereit liegt. Er trottelt im Strafraum hin und her und wird für seine Kleinkunstdarbietung vom Schiedsrichter nur ermahnt, nicht aber vom Platz gestellt. Aber warum auch: Wenig später darf er ja auch ungestraft eine seiner typischen Handbewegungen Richtung Schiri machen.
Besser in Szene setzt sich da sein Gegenüber. Faivre mutiert in nur einer Szene vom Matchloser zum Matchwinner. Und zwar in der 75. Minute. Feltscher kann alleine auf Faivre losziehen und schiesst goldrichtig, doch Faivre pariert den Schuss. Der Abpraller landet erneut bei Feltscher, der auch umgehend wieder schiesst ? aber ein zweites Mal an Faivre scheitert. Doch der Ball landet schon wieder bei Feltscher. Der schiesst nochmals, hämmert den Ball aber bloss an den Pfosten.
Das wars auch gleich wieder mit dem Zürcher Offensivfeuerwerk. Stellt sich noch die Frage, welcher GC?ler heute vom Platz fliegt. Bis zur Antwort müssen wir uns sehr lange gedulden. Konkret bis zur nächsten Rudelbildung. Die findet nach Abpfiff statt. Wieder haben es einige GC-Spieler auf den Schiri abgesehen. Bürki tobt, Vilotic schimpft und gestikuliert ? bis Bieri tatsächlich noch die Rote Karte zückt. Vom Platz fliegt… Vilotic. Herzliche Gratulation an alle Gewinner der heutigen «GC sieht Rot»-Wette.
Nach dem Spiel wenden wir uns noch einem kleinen Experiment zu. Wie lange dauert es nach so einem emotionalen Spiel, bis Big Gamer Murati sich wieder seiner Gamewelt zuwendet? Um den Schwierigkeitsgrad zu steigern, drücken wir ihm auch noch ein Gratisexemplar des Eurosoccer in die Hand, das er durchaus aufmerksam durchblättert. Dann aber zückt Big Gamer Murati sein Handy ? und zerstört mit voller Energie in einem Tetris-ähnlichen Smartphonegame ganze Ostereier-Reihen. Ob er dabei wohl an Bürki denkt? Übrigens: Big Gamer Murati hat nach Einsteigen in den Shuttlebus sieben Minuten ausserhalb seiner Gamewelt ausgehalten. Rekordverdächtig. Applaus, Applaus.
