Sion – Thun

Sion – Thun

Neulich bei einem Gespräch in Bern: «Sie haben noch ein anderes Sorgenkind, den FC Thun.» «Ja, ich bin etwas heiser, weil ich im Spiel gegen Zürich so viel geschrien habe. Ein Tor ist Thun zu Unrecht aberkannt worden, dann wäre das Spiel wenigstens unentschieden gewesen, ohne den blöden Penalty in letzter Minute. Jetzt hat Thun sieben Mal in Folge verloren.» (Anmerkung der Thunfans-Statistiker: Wir pflegen Spiele gegen Premiere-League-Klubs jeweils nicht in die Meisterschaftsstatistik aufzunehmen, wäre doch so Thun im glorreichen Herbst 2005 auch auf fünf Niederlagen in Serie gekommen?) Aber weiter im Gespräch: «Thun ist ein Abstiegskandidat.» «Nein, nein, die werden sich wieder auffangen, das Formtief ist vorübergehend!» Die Supporterin leidet jedenfalls noch immer stark mit, am Mittwoch spurtete sie sogar dem abfahrenden 18.15 Uhr-Bus hinterher, um möglichst viel Zeit in DIE ARENA verbringen zu können. Der Bus hielt noch einmal an, der Abend an sich war dann weniger erfreulich?

Ob besagte Dame heute auch den Zug nach Sion zu erwischen versucht? Oder ob sie sich doch nicht eher einen glücklichen Tag verbringen Tag verbringen will und sich daher «Happy Day» auf SF1 ansieht (ja, liebe Leutschenbacher, ich kann eure schlechten Scherze durchaus noch toppen?) oder wahlweise die Wiederholung des Wahlstudios vom letzten Sonntag? Wer möchte es ihr Übel nehmen: Jedenfalls hat Thun NOCH NIE bei einem Ernstkampf im Tourbillon gewonnen.

Andere Supporter zeigen definitiv viel Leidensfähigkeit: über 100 Thunfans hoffen im Gästesektor auf DIE WENDE. Zu unserer Überraschung greift Challandes mal in die Trickkiste und lässt Lustrinelli und Rama gleich beide draussen. Wer stürmt denn nun für Thun? Mein SMS an einen Fan, der lieber eine andere Tragödie (eine Hochzeit und ihre Folgen?) erleben wollte, ist eine präzise Analyse der Thuner Taktik: Stürmer isch «?e chli Volina, e chli Lezcano u e chli kene (wie Fipu meint).» Dennoch erarbeiten sich die Thuner in der ersten Halbzeit ein Chancenplus. Nur eben, Arbeitseifer alleine reicht noch nicht zum Torerfolg, an der spielerischen Raffinesse mangelt es auch heute.

0:0 stehts zur Pause ? immerhin. Und mit ein paar Bieren kann man sich die zweite Halbzeit ja dann sicher schön trinken. Nur: Wird dieser gelbe Becherinhalt mit 2,4-Bier betitelt, weil das Plastikgefäss so klein ist oder ist darin wirklich ein Spur Restalkohol enthalten?

In der zweiten Halbzeit nerve ich mich dann über die Ultrakurve. Warum um Himmels willen SEID ihr so politisch-korrekt? Da legen sich mal für mal die Sion-Spieler direkt vor unserer Kurve den Ball zu Eckbällen zurecht und ihr singt immer munter weiter. Ihr singt fröhlich weiter, als Da Costa einen Eckball im letzten Moment entschärfen kann. Ihr singt fröhlich weiter, als der Ball im Tor landet, der Treffer von Vanczak wegen einem Foul an Da Costa aber nicht zählt. Und ihr singt fröhlich weiter, als der Ball wieder im Tor landet und sich Vanczak als 1:0-Torschütze feiern lässt. SEID bloss froh, gibt es noch keine Fröhlichkeits-Sheriffs in unserer Kurve!

Ab der 55. Minute liegt Thun also wieder im Rückstand ? und ist fortan klar die schlechtere Mannschaft auf dem Platz. Sion könnte, ja müsste in den verbleibenden 40 Minuten vier bis fünf Tore schiessen. Es ist bezeichnend für die Misere der Thuner Mannschaft, dass nicht einer der vielen Sion-Kontern zum Gegentor führt, sondern eine der wenigen Situationen, in denen die Thuner Hintermannschaft den Ball in aller Ruhe kontrollieren kann. Nur eben: In Bättigs Füssen ist kein Ball sicher. Vor dem Strafraum will er den Ball einem Mitspieler zuschieben ? doch der Ball landet stattdessen bei Feinduno. Der passt schnell auf Dragan Mrdja ? und wir zählen 1, 2,3? – und schon liegt der Ball im Tor. 2:0. Es ist die Entscheidung.

Thun ein Abstiegskandidat? Nein, nein. Wir haben schliesslich schon alle schlechtere Thuner Jahrgänge gesehen ? nicht wahr, liebe «verfolge den FC Thun seit über 20 Jahren…so eine negativ Serie null Tore null Punkte hab ich echt noch nie erlebt», zuhause bleibende FCT-Kritiker!? Wer hat eigentlich bei «Happy Day» gewonnen?

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