Thun – YB

Thun – YB

Thun ist eine schöne Stadt (ja, auch wenn ich nicht dort bin). Thun ist eine Fussballstadt (nein, nicht wegen den paar YB-Fahnen auf den Balkonen). Thun ist immer am Puls der Zeit. Hm, über letzteres lässt sich streiten. Kam 2013 nicht ein homophober Freikirchenchor am Song Contest ausgerechnet aus unserer Stadt (soll übrigens dasselbe Heilsarmeekorps sein, bei dem auch sündige Fussballfans nicht an Beerdigungen willkommen sind)? Nun haben wir aber 2014. Und da gewinnt eine Frau Wurst das europäische Wettsingen. Gut gemacht! Nur was macht unser Capo in einem Jahr, in dem (fast) in ganz Europa Frauen mit Bart akzeptiert sind? Er rasiert sich direkt vor dem Match seinen Bart weg und zeigt unfreiwillig Herzblut. Dabei gibt?s dich doch heute gar nicht in Grossaufnahme auf SRF2 zu sehen. Die zeigen jetzt statt dem Berner Derby doch lieber die Basler Meisterfeier (wie Hediger gratuliere auch ich dem FCB herzlichst zum x-ten Kübel). Aber eben, Thun ist wohl wirklich nicht am Puls der Zeit, in Thun wird der Zeitgeist schlichtweg ignoriert. Wie ist sonst zu erklären, dass einige Ignoranten mit schlechter Kinderstube auch heute wieder jenen unsäglichen Homophobie-Gesang anzustimmen versuchen. Allein deshalb sollte sich der Capo bis zum nächsten Derby wieder einen Bart wachsen lassen. Ich schaue derweil mal bei mir Zuhause, ob ich noch ein schönes Frauenkleid finde. Tom hätte das bestimmt gefallen.

Als nicht besonders helle zeichnet sich aber auch die YB-Kurve aus. Deshalb beleuchten sie sich wohl geschätzte 10 Mal immer von neuem mit Feuerwerk, stinkendem Rauch oder gleich beidem. Wie stur muss man sein: Da beginnt mal ein Spiel um 20.30 Uhr, so dass man in der zweiten Halbzeit genügend Gelegenheit hätte, beim Eindunkeln für eine schöne Pyro-Atmosphäre zu sorgen. Aber nein, lieber zäuselt man schon bei Tageslicht bei jeder Gelegenheit und setzt somit ein Zeichen GEGEN Pyrotechnik. Grund für ein paar Stadionverbote? Nein, Glück gehabt, Polizei und Bronchos konzentrieren sich weiterhin ganz auf den Terrorvorfall in Allmendingen, wo doch tatsächlich zwei Fackeln an einem JuniorenA-Match gezündet worden sind. Die Bronchos finden nur noch gerade Zeit, im Thun-Sektor Fans vom Zaun fernzuhalten. Man muss die Prioritäten eben richtig setzen.

Vor dem Spiel werden Lüthi, Zuffi und Marco Schneuwly verabschiedet. Nur einer erhält keine Blumen: Role Bättig! Wie kann man nur unseren Mittelfeldhelden vergessen. Bleibt zu hoffen, dass sich sein Abgang erneut um ein Jahr verzögern wird. Einen fitten Bättig könnten wir heute sehr gut gebrauchen, ist doch Thun wegen der Gelb-Sperre von Secku ein ziemlicher Hühnerhaufen. Das spitzt sich noch zu, als Reinmann sich eine Verletzung zuzieht und nur noch herumhumpelt. Klar hat Thun in der ersten Halbzeit Chancen und einiges Pech. Aber wenn man ehrlich sein will: Heute liefern 11 Männer auf dem Platz eine gute Leistung ab und deren 14 eine schlechte. Und mit den Vorzeigebüetzern meine ich die Young Boys, nur dass das klar ist. Mal abzüglich von Michael Frey, der lieber durch Gehässigkeiten auffällt. Hoffe mal, dass er mit den Enten am Thunersee netter umgeht. Nebst den somit 10 starken Bernern zeigt auch Faivre eine gute Leistung. Die anderen Beteiligten dagegen, uiuiui. Auch über das Schiedsrichtertrio verliere ich lieber keine Worte. Ich vermerke einfach, dass YB über 90 Minuten hinweg keine einzige Karte erhält. Ganz anders als Marco Schneuwly: Jetzt mal ehrlich. Fair und angemessen wäre gewesen, wenn du statt deiner 8. Gelben Karte und der Einfach-Sperre für den Luzern-Match direkt Rot geholt hättest. Angesichts der ständigen Fouls gegen dich hätten wir dich gut verstanden.

Thun wird heute mit der Höchststrafe bedient: Renato Steffen erzielt das 1:0. Michael Frey erzielt das 2:0. Und in der zweiten Halbzeit gönnt sich YB den Luxus, mit Fussballspielen aufzuhören. Dennoch schiesst Kubo in der 91. Minute noch das 3:0. Die Arena samt ihren 9114 Zuschauern (die Anwohner werden noch monatelang Albträume haben) ist bedient. Auch mit dem Speaker. Der ruft die YB-Fans während dem Spiel mehrmals dazu auf, den YB-Sieg zu geniessen. Mal schwafelt er was von einem Feuerwerk auf dem Platz (als ob es ein gutes Spiel wäre), mal soll sich die YB-Kurve einfach «fröie». Hoffe, Alex Wäfler nimmt Kollege Speaker im Sommer gleich mit zu Swiss Olympic. Soll er doch besser mal irgendwelche Tischtennis-, Rugby- oder Twirling-Fans vollquatschen.

Wir Fans haben dagegen vor dem Sommer noch was vor: Unser Team am Sonntag zu einem grossartigen Sieg zu schreien. Oder zu einem erknorzten 0:0, das aber auch für den Europa League-Platz reichen würde. Einfach ohne homophobe Gesänge. Denn alles hat ein Ende, nur die Wurst hat zwei. (Wollte schon immer mal einen Spielbericht mit diesen weisen Worten beenden).

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