Thun – Sion

Thun – Sion

Porca vacca! Der «Blick» hat diese Woche tief im Thuner Fussballmilieu ermittelt und dank einem Exklusivinterview mit Gabi S. enthüllen können, dass sich ein tiefer Riss durch die Arena zieht. Die Rede ist nicht etwa von einem erneuten Baumangel, sondern von unterschiedlichen Fanansichten. Die bittere Wahrheit heisst «Ultras gegen die Alten» oder «Heftiger Fan-Zoff beim FC Thun». Wie hat doch der «Blick» eines der grössten Geheimnisse der Sportwelt entlüftet: «Wie eine Wand stehen Fussball-Fans normalerweise hinter ihrem Team. Nicht in Thun, die Anhänger haben sich in Lager geteilt.»

Ich gestehe in diesem Spielbericht nun exklusiv: Ja, ich habe mich klar positioniert und mich fürs Lager der Fussballkenner entschieden. Wenn ich im Matchprogramm Sätze lese wie «Der Weltfussballer Gennaro Gattuso in der Arena Thun zu Gast», wird mir ganz warm ums Herz. Und wenn ich dann sehe, wie der Kämpfer und Abräumer mit der Nummer 8 bereits beim Einlaufen Kampfgeist ausstrahlt, kann ich mir den ersten Schlachtruf nicht mehr länger verkneifen: «Siamo campioni del mondo! Siamo campioni del mondo!» Ich gehöre dem Lager der Gattuso-Bewunderer, bei mir daheim hängt ein rot-weisser Schal mit seinem Namen. Und was auch stimmt, lieber «Blick»: Es braucht nur diesen einen Ruf, damit sich ein Fan aus FC Thun Lager Nummer 2, einer von den Gattuso-Verachtern, dazu berufen sieht, mich zu übertönen – mit Fluchwörtern Richtung Gattuso. Wenn das kein Beispiel von «Ultras gegen die Alten ist».

Es gibt also tatsächlich Fussballfans, die jederzeit Schönwetter-Defensivleute wie Ghezal und Bättig einem Gattuso vorziehen würden. Wobei die beiden Thuner heute tatsächlich durch eine geringe Fehlerquote auffallen: Bättig wird nämlich erst in der 88. Minute eingewechselt. Und Ghezal kann sich mangels Walliser Angriffen weit weg vom Thuner Tor aufhalten. Auch in der 44. Minute bleibt er seiner heutigen Strategie treu, möglichst wenig ins Spielgeschehen einzugreifen. So positioniert er sich bei einem Corner der Thuner im Sittener Strafraum ? also an einer Stelle, an der die Thuner Eckbälle praktisch nie landen. Wahrscheinlich träumt er vom fernen Tunesien oder von seinen Streichen, die er einst den Young Boys gespielt hat. Jedenfalls ist er so überrascht, dass Lüthis Eckball direkt auf ihn zufliegt, dass er den Ball reflexartig ins Tor köpfelt. 1:0.

Wahrscheinlich passt in diesem Moment Eddie Murphy alias Anatole Ngamukol gerade nicht auf. In bester Slapstick-Manier schafft er es heute jede noch so klare Chance zu vergeben. Eigentlich könnte man bei jedem seiner Strafraumszenen ein Liedchen anstimmen. Nicht etwa die Beverly Hills Cop-Titelmelodie, sondern «Es Buurebüebli». Den Anatlole schiesst heute «mal füre, mal hindere, mal links, mal rechts, mal ufe, mal abe, mal links, mal rechts?» – nur nicht ins Netz, das wäre zu einfach. Ist es eigentlich eine Verklärung der Vergangenheit oder war Rama beim Chancenauslassen tatsächlich nicht ganz so krass wie sein Nachfolger als Nummer 9?

Was dagegen feststeht: Gattuso ist nicht mehr ganz so top wie in früheren Jahren. Dass er sich ab und zu einen Fehlpass leistet, ist ja das eine. Aber er bleibt vor allem in den Duellen mit seinen Gegenspielern seltsam blass, wo ist bloss seine bewundernswerte Zweikampfhärte geblieben? Es sind tatsächlich schon 90 Minuten gespielt, als sich der Schiedsrichter endlich erbarmt und Gattuso «für hartes Einsteigen» die Gelbe Karte zeigt. Doch Gattuso hat natürlich ein Alibi für seinen braven Auftritt: Es sei seine erste Partie überhaupt auf Kunstrasen, das ganze heute sei eine andere Sportart als Fussball.

Wie auch immer, in der heutigen Sportart ist Thun klar die bessere Mannschaft. Das Heimteam hat das Spiel so sehr im Griff, dass in der zweiten Halbzeit über weite Strecken hinweg einzig die Auswechslungen der Gäste für Aufregung sorgen ? beziehungsweise die Art, wie sie der Speaker verkündet: immer zuerst auf Französisch! Dagegen gibt er seine ausführliche Benotung für die Pyroaktion der Sionesen in Deutsch ab. Verstehe, wer will.

Thun gewinnt? natürlich nicht! Auch wenn sich Gattuso auf dem Kunstrasen nie wirklich Zuhause fühlt, kann er dennoch sein Ritual des Wassertrinkens nach einem Tor beibehalten: Denn kurz vor Schluss fällt das 1:1, da den Thunern wohl niemand gesagt hat, dass die Walliser für gewinnversprechende Freistösse bekannt sind. In der 85. Minute verwertet Margairaz einen solchen Freistoss per Kopf.

Das Spiel endet 1:1. Porca Miseria!

Äxtrazug nach Enschede: Jetzt anmelden!
Vaduz – Thun
Thun – Servette
Thun – GC
Sion – Thun
Thun – Lausanne
St. Gallen – Thun
Thun – Lech Posen
Lech Posen – Thun
Saxon – Thun
Vinkigur Reykavik – Thun
FCB – Thun
Thun – Vikingur Reykjavik
Thun – YB
Dinamo Zagreb – Thun
Luzern-Thun
Thun – Dinamo Zagreb
Fanfilm: FC-Thun-Legenden feiern das Meistermärchen 2025/26
Unterstütze den Thuner Stamm
St. Gallen – Thun
Thun – YB
Sion – Thun
St. Gallen – Sion
FCB – Thun
Thun – Lugano
Thun – FCB
Lugano – Thun
MVP – Meister Vogler Podcast: Der Underdog im Meisterfieber
FCZ – Thun
Thun – GC
YB – Thun
Thun – St. Gallen
Thun – Luzern
Winterthur – Thun
Thun – Sion
Thun – Lausanne
Servette – Thun
FCB – Thun
Thun – YB
GC – Thun
Thun – FCZ
Winterthur – Thun
Thun – St. Gallen
Thun – Luzern
Lausanne – Thun
Thun – Lugano
Servette – Thun
Thun – Sion
Thun – Winterthur
Sion – Thun
Kommendes Spiel
10/10/2026
Letztes Spiel