Endlich wieder Cup! Endlich wieder Auswärtsfahrt! Ich fühle mich heute federleicht wie ein Moskau-Reisender. Schon nur, weil der Besammlungspunkt heute sieben Stunden vor Spielbeginn ist. Wir Thunfans leben den Fussball noch und wie. Als möchten wir die Matchprognose auf der FC Thun-Website ab absurdum führen, gemäss der der FC Châtel im Waadtland spielt, fahren wir über Château-d?Oex ans Spiel. Wunderschöne Meitschi treffen wir tatsächlich, auch wenn sie US-Amerikanerin sind und schon in Gstaad einsteigen. Aber diese knackigen Hintern, da würden JayLoo und Beyonce neidisch werden. Ai ai ai. Aber wir steigen in Gstaad ebensowenig aus wie in Saanen, wo ein Impftruck des Kantons Bern auf impfbereite Kundschaft wartet. Schliesslich ist heute Fussball ohne Zertifikatspflicht. Was auch die Geimpften unter uns fröhlich stimmt. Aussteigen tun wir stattdessen in Montbalvon. Das schmucke Bergdorf liegt wie unser Zielort im Kanton Freiburg. Hier machen wir eine halbe Stunde Zwischenhalt, später in Bulle sogar eine ganze Stunde. Das nützen wir für einen heissen Famarsch durchs Städtchen ohne Feuer. Ziel ist eine nette Altstadt-Beiz mit – das ist bei 30 Grad sehr wichtig – Brunnen. Gut, ich habe im WC um ein Haar eine Schlägerei, weil ein junger Thuner wegen meiner Puck-Off-Maske erst nicht schnallt, dass ich nicht nur Gottéron-Fan bin, sondern auch für Thun. Und dann rückt noch die Freiburger Kantonspolizei aus wegen einem besorgten Nachbarn aus. Da hat uns einer wegen den nur halbwegs gefürchtigen Block Süd-Shirts für Satanisten gehalten. Wir mögen zwar je nach Alkoholpegel böse sein, aber eine Corona-Demo planen wir sicher nicht. Und wenn ein Freiburger Beizer ein Hopp Thun anstimmt, sind wir sowieso happy.
In Bulle ist einfach die Baustelle am Bahnhof so weitläufig, dass es uns so vorkommt, als wären wir auf einem Fanmarsch Richtung Châtel-St.Denis. Aber schliesslich taucht da doch noch ein Perron auf und eine S-Bahn-Fahrt später sind wir am wunderschönen Zielort. Und nein, als Gottéron-Fan bin ich sicher nicht voreingenommen. Mich regt aber wirklich auf, dass am Bahnhof ein Bier fliegt Richtung den drei Kantonspolizisten. Die sind doch einfach froh, läuft 30 Jahre nach dem NLB-Abstieg des FCC wieder etwas läuft im Dorf. Die Hälfte von uns geht ins Stadion, die andere Hälfte bleibt draussen. Wobei die Zaungästen mit ihren ständigen Bierbestellungen dem Verein wohl ebenso viel Umsatz bringen wie die Fans, die wie ich die Stellung im Stadion halten. Das Buvettetam ist sehr freundlich, was sich allein dadurch zeigt, dass der Bratwurst-Preis kurzerhand von 6 auf 5 Franken gesenkt wird. Bon appetit et santé!
Das Spiel verläuft ganz im Sinne der Thuner.
14.Minute 1:0 durch Dzonlagic. Und dann trifft Kyeremateng kurz vor der Pause doppelt. Mit 0:3-Vorsprung geniessen wir unter der brennenden Freiburger Sonne das Pausenbier. Und wer jetzt noch nicht Oben ohne ist, ist es sicher, als Ndongo in der 47. Minute auf 0:4 erhöht. Nun zaubert Thun und schiesst Tor um Tor um Tor: 64. Minute Roth 0:5 (weil ich das Tor wegen einem Bierholdienst verpasse, bekomme ich von Matros einen Snus), 79. Minute Ahmed 0:6, 81. Minute Chihadeh 0:7., 87. Minute Josué 0:8. Und dann glückt Châtel-St-Denis mit dem Schlusspfiff noch das 1:8. Glücksgefühle pur im Thunsektor auch bei denjenigen, die nicht von Chihaded ein original verschwitztes Trikot erhalten.
Auf der Rückreise verteilt Chrige eine ordentliche Portion Lebens- und Frauenweissheiten und Party-Kernen Passoa. Ich kann beides sehr gebrauchen. So glücklich wie heute war ich seit Moskau nie mehr. Und nein, heute muss mich Lärsu auf dem Heimweg nicht stützen. Knapp nicht.
