Es gibt Basler, die sammeln mit ihrem Charme jede Minute Sympathiepunkte. Unser Lieblingsbeppi Magnum ist so einer. Sein Rockeroutfit täuscht, der gute Mann bereitet mit seinen Witzen alle Thuner. Und die Thunerinnen (jedenfalls in der Kategorie 60+) zwinkern ihm sowieso immer verdächtig zu. Ami ist ein Kuttenfan, wie er im Buche steht. Und in der FCB-Kurve nicht mehr erwünscht. Dies muss er am heutigen Match erfahren. Weil er gerne was vom Spiel sehen möchte ? die Basler haben geschätzte drei Dutzend Pyros und noch mehr Fahnen in DIE ARENA geschmuggelt ? würde er gerne etwas weiter oben im Sektor stehen. Da er jedoch keine böse Ultravermummung eingepackt hat, wird er im entsprechenden Gästesektorbereich nicht geduldet. Magnum reagiert völlig richtig: Er verlässt das Stadion noch vor Anpfiff und verbringt den Rest des Spieltags im Bahnhofbuffet.
Magnum verpasst ein Spiel, das um Welten spektakulärer ist als kürzlich FCZ-Thun. Das Spiel ist gar so hochkarätig, dass sogar Bruno ansatzweise mit der Thuner Leistung zufrieden ist. In der Tat können wir schon früh jubeln, in der 16. Minute wird Lustrinelli blitzschnell angespielt. Er beweist endlich mal seinen Torriecher und schiesst zum 1:0 ein. Der Jubel ist gross, die Tormusik läuft, 1:0 stehts auf der Anzeigetafel? nur der Treffer, der zählt wegen einer vermeintlichen Offsidestellung nicht. Mais non, Monsieur Carrel!
Thun lässt sich aber nicht unterkriegen und powert weiter. Lustrinelli, Lezcano, Schneuxty, alle haben sie in der ersten Halbzeit gute Chancen. Bei Basel fällt dagegen nur Andrist auf ? wegen seinen gelben Schuhen. Er büsst für seinen abrupten Arbeitsplatzwechsel und ist alles andere als ein Lieblingsbeppi für uns. Er wird immer wieder von der Thuner Kurve ausgepfiffen und beschimpft. Besonders gross ist das Pfeifkonzert in der 29. Minute, als er tatsächlich ein Tor erzielt. E huere verdammte Schiss? doch halt, auch dieser «Treffer» zählt wegen Offside nicht. Das Spiel steht zur Pause 0:0.
Kaum hat der Schiedsrichter abgepfiffen, mache ich mich auf den Weg an den Bierstand. Top, die Wette gilt: Wie gut im Schuss ist mittlerweile das Catering. Meine Mission besteht auf dem Kauf von zwei Bierbechern samt Inhalt. Die 15 Franken zähle ich schon mal zusammen, während ich mich ganz hinten an der Schlange anstelle. Ich warte, ich warte und warte? und bekomme nach genau acht Minuten meine Biere. Doch, diese Leistung ist endlich mal nla-würdig. Überhaupt sind bei Wiederanpfiff in der Kurve praktisch alle bestens verpflegt. Allerdings: Den Versuch, an der Buvette etwas wirklich Essbares zu ergattern, hat von uns gar niemand gewagt. Vorerst bleibts bei der Bier- und-Bretzel-Diät.
Thun ist auch nach der Pause die offensivere Mannschaft. Schon nach wenigen Sekunden prüft Hediger FCB-Goalie Sommer . Und in der 50. Minute kann Lustrinelli im Strafraum nur mit einer penaltywürdigen Aktion gestoppt werden. Doch Carrell ist heute definitiv kein Mauro-Fan und zeigt ihm die Gelbe Karte für eine angebliche Schwalbe. Geht ja gar nicht!
Je mehr Thun in der Offensive sündigt, desto mehr befürchten wir einen Basler Glückschuss. Kaum ist Streller im Spiel, kann er eine Flanke von Xhaka zum 0:1 verwerten. 73 Minuten sind da gespielt. Und die Basler starten ihre zweite Pyroshow (schon bei Anpfiff vernebelten sie das Stadion) an diesem Abend.
Zum Glück ist bei Thun nun Rama im Spiel. Der sorgt ordentlich für Tempo. Vor allem aber beweist er wieder mal, wie gut er Spielsituationen einschätzen kann. Sein Dribbling durch den Strafraum ist zwar sehenswert. Aber noch denkwürdiger ist die an sich harmlose Szene, als er sich bei einem Einwurf einfach frei steht. Bättig spielt Rama an, der den Ball in seinen Füssen hält, während Verteidiger Kovac ausrutscht. Nun ist die Chance zum Ausgleich da: Rama zielt und trifft aus zehn Metern ins linke Toreck. 1:1. 81 Minuten sind da gespielt. Und wieder starten die FCB-Fans eine Pyroshow. Allerdings nicht für alle: Als die Schnellmerker jubeln, dass hier ein Thuntor gefeiert wird, werfen sie (mindestens) zwei Pyros. Wenigstens bleiben die Fackeln im eigenen Sektor liegen.
Nun liegen die Vorteile wieder bei Thun, die bis zum letzten Moment clever agieren. Na ja, mit einer (fast) entscheidenden Ausnahme: In der 93. Minute kommt der Ball zum freistehenden Streller. Er versucht sein Glück mit einem Seitfallzieher. Der Schuss ist hart, doch zum Glück fliegt der Ball knapp am Tor vorbei. Fertig, Schluss, Punkt gewonnen.
Magnum sehen wir nach dem Match im Bahnhofbuffet. Nicht sehen, aber beobachten können wir zudem einen ultra-krassen Extrazugfahrer. Der hat sich in eine Ganzgesichtsburka gehüllt, um so vermeintlich anonym auf einen Helfer in orange Weste loszurennen und diesen niederzuschlagen. Da lehrt man mal wieder: Langjährige Fans wie Magnum geniessen keinerlei Rückhalt in der Fanszene. Ein stupider Burkafanatiker wird dagegen geduldet, selbstverständlich darf er von seinen Kumpels bestens beschützt mit dem Extrazug nach Hause fahren. Das ist Selbstregulierung ad absurdum. Nein, die FCB-Auswärtsfahrer haben heute keine Sympathiepunkte gesammelt.
