Xamax – Thun

Xamax – Thun

Auf der Anreise nach Neuenburg lasse ich mich durch die österreichische (!) Fussballzeitschrift ballesterer aufklären, was eigentlich die Muttenzer Kurve mit ihrer Loriot-Pyro-Choreo im Spiel Basel ? Thun aussagen wollte. Man habe mit der Überschrift «Feurige Stimmung im Joggeli» die «Absurditäten des Alltags» aufzeichnen wollen. Man merke: Pyrobefürwortende Choreos sind stadion- und pressetauglich. Besser würde ich es ja finden, wenn der ballesterer darüber schreiben würde, wie Fans sich gegen fragwürdige ausländische Investoren wehren. Zum Beispiel mit den heutigen Spruchbänder der Thunfans gegen den Tschetschenien Zaren. Allerdings: Investorenkritik ist in der NLA scheinbar nicht mehr erlaubt, die Ксамакс-Security beschlagnahmt die Spruchbänder bei der Eingangskontrolle. Typisch tschetschenisches Demokratieverständnis halt.

Immerhin hat eine Mehrheit der Ксамакс-Fans erkannt, welch unerträgliches Menschenbild in diesem Klub gepflegt wird. Die Mitglieder der beiden Xamax-Fanklubs «Tigers» und «Fanatix» haben ihre (bereits erhaltenen) Saisonabonnements bislang nicht bezahlt, weshalb Bulat Tschagajew ein kollektives Stadionverbot verhängt hat. Gerade mal 2132 Zuschauer haben sich so ins Stadion verirrt, wobei alleine die Thuner mit 184 Reisenden am Start sind. Da die Ксамакс-Fanklubs auch diese Partie boykottieren, haben wir Thunfans die Stimmungshoheit im Stadion. Dauersupport ist angesagt ? was angesichts der unerwartet schlechten Leistung der Thunspieler Minute um Minute schwerer fällt. In der 27. Minute kommt Arizmendi im Spaziergang zum 1:0, in der 35. Minute kommt Tréand ähnlich einfach zum 2:0. Mit einem Doppelwechsel will Challandes in der 41. Minute sein Team wachrütteln: Milaim Rama und Secku sollen rein kommen. Nur: Christian Schneuxty und vor allem Muhamed Demiri spazieren im Schneckentempo ? und dementsprechend von uns beschimpft ? vom Platz. Selbst die Xamaxspieler werden in der zweiten Halbzeit schneller das Spielfeld verlassen. Was zur Läck-mir-Haltung von Schneuxty und Demiri passt: Auf der Ersatzbank schreiben und lesen sie SMS, statt mit dem Team mitzufiebern.

Wobei es ehrlich gesagt auch in der zweiten Halbzeit keinen Anlass zum Mitfiebern gibt: Thun kommt zu keiner nennenswerten Torchance und lässt sich immer peinlich einfach ausspielen. Und so schiesst Wüthrich in der 64. Minute das 3:0 und Paito in der 82. Minute das 4:0. Zut alors! Für uns Anlass genug, den Support einzustellen. Darauf ist es minutenlang mucksmäuschen Still im Stadion. Selten war ein 4:0-Heimsieg ein grösserer Stimmungskiller. Nur in den Schlussminuten können sich ein paar Ксамакс-Anhänger dazu aufraffen, ein wenig Stimmung zu machen.

Wir dagegen warten auf den Schlusspfiff, um unseren Spieler die Meinung zu sagen. Dabei kommt es zu zwei Überraschungen: 1. Kein einziger Fan im Sektor pfeift die Mannschaft aus. 2. Die Spieler kommen zu uns an den Zaun und entschuldigen sich bei uns. «Sorry», «Heute war das wirklich nichts» oder «Schön, dass dir sit cho». Immerhin herrscht in unserem Verein noch eine offene Gesprächskultur. Mit den Ксамакс-Fans möchte ich trotz dem klaren Resultat nicht tauschen.

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