Wil – Thun

Wil – Thun

Der Match Wil-Thun steht ganz im Zeichen des Delta. Der «Boss» der entsprechenden Sicherheitsfirma, die im Thuner Sektor die Ordnung beibehalten will, strahlt bereits bei der Eingangskontrolle mächtig Autorität aus. Über jedes Mitbringsel muss zuerst minutenlang diskutiert werden, bevor der strenge Mann endlich einen Kompromiss eingeht. Denn in seinen Augen birgt jedes Fanutensil grosse Explöosionsgefahr. Ein Plakat im Thomysenf-Design mit der Aufschrift «Wir wollen Senf» lässt sich schliesslich ebenso entzünden wie ein zuerst beschlagnahmtes Bündel Konfetti! Boss Delta weiss (nicht), was er tut.

Wir Thunbfans bleiben trotzdem überaus gut gelaunt, haben wir doch dank mitgebrachten und beim Eingangsgitter deponierten (super Idee, Delta!) Senftuben endlich Senf für die sonst kaum genissebaren Wiler Würste. Da beisst man doch noch so gerne zu und stösst mit in Bechern umgefülltes Bier an.

Schliesslich beginnt das Spiel, das uns vor die Frage stellt, ob wir nun «Wil ist ein Hafenstadt» oder «Ohne Russenmafia habt ihr keine Chance» singen sollen. Stark ist der Gegner aus der Ostschweiz auf jeden Fall. Immer wieder greifen die Himmelblauen an. Besonders stark erscheint Lustrinelli. Und er schiesst auch nach rund 20 Minuten das 1-0- Dafür braucht es aber schon ziemliches Unvermögen in der Thuner Verteidigung, wo erst ein paar Fehler zum Gegentreffer führen.

Die Anzahl Thuner Fehler ist auch heute noch recht gross, weil sich die Mannschaft immer noch nicht ganz gefunden hat. Spontane Aktionen scheitern meistens an fehlendem gegenseitigen Vertrauen, aber wenigstens sitzen die Standartsituation. So kommt es in der 32. Minute zu einem gelungenen kurzen Freistoss, den Milicevic mit einem tollen Kopfballtor krönt. 1-1.

Nur eben: Diese tolle Aktion steht ziemlich alleine in dem Spiel, vorher und vor allem nachher spielen vor allem die Wiler. Besonders in der zweiten Halbzeit stehen die Thuner arg unter Druck. An einen Oberländer Sieg darf man da gar nicht mehr denken, eine Niederlage muss vielmehr vermieden werden.

Und dies macht vor allem ein Mann: Nein, nicht Boss Delta, der bis und mit Spielschluss weiterhin an uns Fans herumnörgelt, sondern Topgoalie Coltorti. Erstmals seit dem Cuphalbfinal Basel-Schaffhausen darf man als Coltortifan den Schlachtruf «Schüüüse la!» so so richtig mit vollem Stolz anstimmen. Was dieser Mann alles hält, unglaublich! Und dabei wird er von der Verteidigung gar nicht gross unterstützt, Afrolook-Deumi sieht in der 87. Minute gar nach seinem zweiten Foul Rot. So kommt Schuss auf Schuss auf Coltorti geflogen, doch der wehrt ab und wehrt ab und reisst schliesslich gemeinsam mit allen Thunern am Spielschluss die Arme hoch. 1-1, ein gewiss gewonnener Punkt.

Da zeigt sich sogar Boss Delta versöhnlich. Wie sagt er doch so nett: «Danke dass ihr euch so fair verhalten habt, sonst hätte ich wie gegen Basel- und GC-Fans auch gegen euch Stadionsp4rren aussprechen müssen.»

Matthias Engel

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