Thun – Winterthur

Thun – Winterthur

Wie war das noch gegen Xamax? Viele von uns haben uns bis kurz vor Anpfiff gekämpft, um trotz der Thuner IT-Schwierigkeiten an unser längst bezahltes Abo oder Matchticket zu kommen. Schliesslich haben wir unser Abo endlich in der Hand, womit wir jedes Heimspiel sicher haben diese Saison. Nur eben, was ist schon sicher im 2020. Plötzlich explodieren die Corona-Zahlen im Kanton Bern und der selbe Schnegg, der monatelang nie Zeit hatte, ausserhalb der Stadien auch nur an einem einzigen Scheissort eine Maskenpflicht zu beschliessen, verbietet in einer Hauruck-Aktion ein Verbot von Grossveranstaltungen. Also bis auf Weiteres nur noch maximal 1000 Zuschauer bei allem was Spass macht – und zudem auch bei Thunspielen. Nach viel Ärger kommt für Kevä und ein paar andere wenigstens eine Einladung des FCT fürs Spiel gegen Winti – ohne Aussicht darauf, diese Saison noch regelmässig im Stadion sein zu können. Es ist wirklich ein Scheissjahr!

Und so ist bereits wieder nur ein Teil von uns im Stadion. Die Warteschlangen sind wenigstens kurz, vor allem beim ?Nur Karte?-Guckfenster. Ich merke schnell, warum. Nicht einmal Twint wird hier im Stadion akzeptiert. Was mache ich nur mit meinem 120 Franken-Guthaben, das ich aus anderen Gründen ja auch nicht am Gottéron-Spielen einlösen kann in diesen verrückten 2020er-Tagen?

Und das Spiel an sich? Na ja, in der ersten Halbzeit ist Winterthur klar das bessere Team. Drei Hundertprozentige zählen wir für die Gäste, wobei Thun zweimal nur vom Pfosten gerettet wird. Eigene Chancen Fehlanzeige. Es ist, als würde unter Neu-Trainer Bernegger (Schneider ist seit dem Xamax-Spiel wirklich raus) der FCT so richtig argentinisch spielen. Nie über die Flügel, stets nur mitten durchs Gewühl nach vorne. Nur das uns halt ein Messi oder schon nur ein Munsy fehlt. Mit Glück rettet das Heimteam das 0:0 in die Pause.

Thun ist nach Wiederanpfiff dann zwar stärker, aber von Überlegenheit keine Spur. Dass Schiedsrichter Gianforte fast nie auf Ballhöhe steht, hilft dabei auch nicht wirklich. Im Genteil. Im Zweifelsfall zeigt er nach Duellen halt dem nächstbesten Thuner jeweils die Gelbe Karte, was dazu führt, dass wir Fans zeitweise mehr ?Gäub, da muesch Gäub zeige? rufen als Hopp Thun. Und ja, das Fluchwort ?Dräcks Tschingg!? ist auch ein paar Mal zu hören. Aber der Tagi wird da sicher wieder schreiben, dass diese Beleidigung nur selbstironisch gemeint ist. Pure Selbstironie ist in dem Fall auch diese Szene in der 78. Minute. Eckball für Winti und dann hüpft der Ball irgendwie ins Tor. Torschütze Pepsi. Auf diesen Schreck würden wir gerne noch ein Bier holen, aber die Buvette schliesst ja punktgenau in der 80. Minute. Wohl noch so eine Schnapsidee von Schnegg.

Die meisten von uns in der spärlichen Fankurve verkraften diese nebulöse Atmosphäre, einer schreit aber lieber stehend und ohne Maske herum. Er sei ja Pfleger. Covid-Idiot trifft es wohl besser. Die Diskussion mit den durchwegs korrekten Bronchos endet nur deshalb einigermassen im Einvernehmen, weil schliesslich nach nur mit viel Herzblut gesund anzuschauendem 94 Minuten endlich der Schlusspfiff ertönt. Thun hat den 9. Platz erfolgreich verteidigt – in der NLB. Aufs nächste Spiel freut sich da nur Mattäng, hat der doch ein Kriens-Abo. Wenn der SCK soeben den Rekordmeister 5:2 zerstört hat, wollen wir gar nicht wissen, was die Zentralschweizer erst mit Thun anstellen. Immerhin wird das nächste Thunspuel Schnegg-konform nur mit 700 Zuschauern stattfinden. Sicher ist sicher, aber gewonnen ist so noch lange nichts – wie wie Thuner nur zu gut wissen. Hopp Thun!

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