Thun – St. Gallen

Thun – St. Gallen

Es gibt jene Momente im Leben eines Fussballfans, die schier unvergesslich sind. So heute in der 52. Minute. Nachdem sich Thun wie in x Spielen wieder als offensiv schrecklich harmlos erwiesen hat und selbst die leichtesten Bälle nicht ins Tor bringt, erhalten sie wie schon gegen Aarau die goldene Elfmeterchance. Muntwiler hat Burgmeier ins Gesicht geschlagen ? ob er somit nach einem Titelkampf auch einen Abstiegskampf vorentscheidet? Scarione trifft zum Elfmeter an und trifft knapp an Lopar vorbei ins Netz. 1:0. Der Beginn eines letzten Frühlingsmärchens, sprich Ligaerhaltsmärchens, in der Thuner Kurve. Was singen und jubeln wir, wohlwissend, dass das gruselige Gekicke auf dem Platz kein Vergleich zu eigentlichen NLA-Spielen ist. In dieser Form gehören beide Teams in die NLB. Aber hey, die Thuner kämpfen im Gegensatz zu den Ostschweizern wenigstens. Und sie führen ja.

Es gibt jene Momente im Leben eines Fussballfans, die schier unvergesslich sind. So heute in der 75. Minute. Thun hat das 2:0 immer noch nicht geschafft, scheint heute kein Tor aus dem Spiel heraus erzielen zu können. Das Gleiche gilt Gott sei Dank für St. Gallen. Nur: Weil die Thuner seit x Monaten bei Standardsituationen ein unglaublich schlechtes Stellungsspiel haben, ist praktisch jeder Freistoss und jeder Eckball des Gegners mit einem Elfmeter gleichzusetzen. Mindestens einmal pro Spiel lassen sich die Thuner von jedem noch so schwachen Gegner überlisten. Heute ist es mal wieder ein Freistoss. Der Ball fliegt in den Sechzehner, Bettoni fliegt aus dem Tor hinaus ? den Ball fängt er jedoch nicht. 1:1 ? offizieller Verursacher Bratic. Nach 23 Minuten ist das Frühlingsmärchen bereits wieder vorbei. Klar, Bratic sieht wegen übermässigen Torjubels noch Gelb-Rot. Doch die Thuner erholen sich auch in Überzahl nicht mehr von diesem Gegentorschock. Und fünf Minuten später holt sich Bettoni auch schon wieder seine Rote Karte ab, weil er in einer 1:1-Situation den Ball mit den Armen abwehrt ? viel zu weit draussen. Dass St. Gallen in den Schlussminuten nur je einmal den Pfosten und die Latte trifft, ist mehr Qual als Glück. Somit ist Thun noch nicht ganz abgestiegen und liegt doch ?nur? sieben Punkte hinter dem Barrageplatz. Drei Runden vor Schluss.

Bleibt noch die Erwähnung der Trainerentlassung: Wegen dem letzten Tabellenplatz und schwindender Ligaerhalthoffnung hat der Vorstand durchgegriffen und den Trainer entlassen. Damit soll ein Zeichen gesetzt werden, das im Abstiegskampf neuen Mut verleiht. In Thun? Nein, beim Drittligisten Oberdiessbach. In Thun dagegen darf sich das Trainerduo weiter im Blick (? an dieser Stelle könnt ihr euch all die Fluchwörter, die sicher nicht nur mir bei der Erwähnung unserer ?Lieblings-Tageszeitung? auf der Zunge liegen, dazu denken?) ausheulen, dass seine Wohnsituation ach so schlimm ist. Verkehrte Welt.

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