?Go for Gold? Ein Olympiatag in der Arena
Das erste Heimspiel an einem Sonntag um 13:45 Uhr. Anstatt wie sonst gemütlich zu brunchen, muss man sich zuerst daran gewöhnen, bei Sonntagsheimspielen, die das SF DRS nicht interessiert, nach dem Aufstehen direkt mit dem Eintrinken zu beginnen (was für hartgesottene Fussballfans ja kein Problem sein sollte). Neben der neuen Anspielzeit sind im Moment auch noch Sommerferien und im Fernsehen wird man von Olympischen Nullnummern der Schweizer Delegation nur so überhäuft. So heisst es auch in Thun ?Go for Gold? und trotz dieser grossen Auswahl an Alternativen finden 5500 Zuschauer den Weg in die Arena Thun.
Unter den Zuschauern (BTW, Freiheit für alle Schlagzeuger) befindet sich auch ein gewisser Nelson Ferreira. Genau, dieser Nelson Ferreira der in der Sommerpause vom heutigen Gegner zum FC Thun zurückgekehrt ist. Warum Er aber wie die 5500 anderen auch nur Zuschauer im Stadion ist, verstehen die wenigsten. Irgendjemand kam auf die Idee, eine Klausel in seinen Vertrag zu setzen, dass Er gegen seinen Ex-Club nicht spielen darf. So eine Klausel wäre ja allerhöchstens bei einem Transfer während der Saison und gegen einen direkten Konkurrenten verständlich, aber wir Fans haben ja sowieso keine Ahnung vom Fussballgeschäft.
Auch die Aufstellung von Bernard Challandes überrascht einige, unser neuer Stürmer Cassio kommt zu seinem Startdebüt und Marco Schneuxty darf zusammen mit Bättig und Ferreira wie wir als Zuschauer agieren. Was sich schlussendlich als ?go for goldiges? Händchen von Challandes herausstellen wird.
In der Startviertelstunde sind die Innerschweizer besser im Spiel. Bis sich dann in der 25. Minute Lustenberger dazu entscheidet, sich bei einem Rückpassversuch auf Zibung den Ball von ?Eddi? Ngamokul wegspitzeln zu lassen. Der Ball kommt zu Cassio, der dann die Thuner 1:0 in Führung bringt. Danach hat Thun das Spiel mehrheitlich im Griff, bei den wenigen Chancen, die Luzern bis zur Pause noch hat, scheitern die Innerschweizer am eigenen Unvermögen.
Nach der Pause macht Thun Druck und kommt in der 46. Minute zu einem Freistoss. Der Ball fliegt in den Sechzehner und Hochstrasser reisst Cassio zu Boden, ein klarer Penalty, der von Schirinzi souverän zum 2:0 versenkt wird. In der 50. Minute wird dann Cassio verletzungsbeding durch Schneuxty ersetzt. Dieser kommt in der Folge zu mehreren Torchancen, doch leider landet der Ball immer knapp neben dem Tor.
Nach 70 Spielminuten müssten die Thuner eigentlich schon mit 4:0 führen. So kommt es wie es kommen muss, in der 74. Minute schiebt Gygax – notabene umringt von Thunspielern – nach einem Pass von Lustenberger den Ball ins Tor zum 2:1. Die letzte Viertelstunde ist an Dramatik kaum zu überbieten, Luzern macht Druck und spielt sich eine Chance nach der anderen heraus.
Vier Minuten Nachspielzeit, vier Minuten, die einem wieder daran erinnern, dass zur Zeit Olympische Spiele stattfinden. Luzern ist in der Nachspielzeit dermassen überlegen und trotzdem gewinnt die Thuner Abwehr endlich eine Olympiamedallie, und zwar nicht irgendeine, sondern die Goldene im «Nachspielzeitschwimmen» der Abwehr. Am Schluss dieses ereignisreichen Olympiatages in der Arena stellt sich einmal mehr die Frage, wer wohl mehr Ahnung hat, die sogenannten Experten oder wir Fans. Schliesslich sind wir in der Tabelle nach dem heutigen Spieltag vor Basel, YB, Zürich, Luzern und GC platziert. Und weil Olympia so schön ist: Thun hat heute im Fussball Gold geholt, Basel im Tennis nur Silber.
