Thun – GC

Thun – GC

Die Erkenntnis des Tages stammt aus dem SonntagsBlick: Mit 8,4 Millionen Franken hat der SC Langnau ein doppelt so grosses Budget wie der FC Thun. Womit einmal mehr zwei Sachen bewiesen wären: 1. In finanzieller Hinsicht ist Thun trotz aller Erfolge weiterhin ein absoluter Provinzverein und 2. Ende November ist doch Eishockey- und nicht Fussballzeit.

Heute ist es jedenfalls wieder mal so richtig arschkalt im Lachenstadion, auch wenn es immerhin nicht schneit. Für GC-Spieler jedenfalls gilt: «Ich bin ein Star, gib mir ein paar Handschuhe.»

Die Fans haben es da ein bisschen einfacher mit Aufwärmen. Ein Ehepaar, das den Match besucht, trinkt locker zusammen 12 Glühweinbecher während des Spiels. Damit wären ja schon fast die Aebikurve-Aufnahmebedingungen erfüllt. Doch die haben heute dummerweise ein anderes Trinkmotto, wie der neue Doppelhalter mit der Aufschrift «Zaubertrank» und einer schönen Zeichnung von einer tschechischen Schnapsflasche zeigt. Ich dagegen will – das mir in die Hand gedrückte Bier soll die Ausnahme sein – erst nach dem ersten Thuner Tor richtig mit dem festfreudigen Trinken beginnen. Dummerweise wird es wegen dieser Idee ein sehr trockener Nachmittag für mich.

So ohne Lustrinelli und ohne Deumi steht keine starke Thuner Mannschaft auf dem Platz. Nur weil GC defensiv beginnt, können die Thuner überhaupt ihr Spiel zu Beginn aufziehen. Doch Gefahr vor dem GC-Tor kommt nur selten auf, selbst wenn die Oberländer mit zehn Mann in der gegnerischen Platzhälfte stehen. Der Ball kommt einfach nicht wirklich in den Strafraum. Dagegen sind die Zürcher Konter umso effektiver, mehrmals werden die Thuner eiskalt überrannt. Zum Glück sind die Zürcher Schüsse entweder unpräzise oder trotz aller Wucht zumindest berechenbar für Coltorti. So stehts 0-0 in der Pause.

Die zweite Halbzeit bringt eine wesentliche Änderung: Die Thuner verlangsamen ihr Spieltempo, statt in der Offensive wird nun in der Defensive das Glück gesucht. Das Dumme dabei: Diese Taktik liegt den Thunern überhaupt nicht, sie kommen in der zweiten Halbzeit zu keiner einzigen Torchance aus dem Spiel heraus, einzig bei zwei Freistössen ist ein wenig Torgefahr verspürbar.

Nun macht GC das Spiel. Und wie. Immer wieder müssen Coltorti oder einer seiner Verteidiger gute Torchancen vereiteln. Das kann irgendwie nicht gutgehen, manch einer von uns Thunfans wünscht sich gegen Spielschluss ganz einfach noch ein Unentschieden. Und das gegen den «Absteiger», wie wir immer wieder witzeln.

Schlussendlich bleibt uns das Lachen im Hals stecken: In der 90. Minute erzielt Toure doch noch den Siegestreffer für GC. Und damit ist Schluss. Ob eine Niederlage bei einem 4,2-Millionen-Budget für einen Thuner Fan nun nur halb so schlimm ist wie all die Niederlagen für einen Langnauer Supporter? Ich glaube kaum.

Matthias Engel

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