Spiel 1 nach der Aeschle-Chilbi. Und Spiel 1 nach dem Ligaerhalt. Eigentlich gehts für uns ums nicht mehr. Ob deshalb am Bahnhof in Lausanne die Fans mit ein paar Böllern geweckt werden? Irgendwie werde ich mich an dieses laute Geknalle nie gewöhnen. Wenigstens sorgt die Polizei vor dem Stadion mit Strassensperren auf beiden Seiten dafür, dass wir nicht unerwünschten Besuch von Lausanne-Fans erhalten. Vorerst jedenfalls. Dafür komme ich heute günstig wie nie zuvor ins Stadion. Für minus zwei Franken, falls Kevä und ich richtig gezählt haben. Ist so ein Match, bei dem Lausanne um den Ligaerhalt spielt und Thun um irgendwelche exotische Früchte (goldene Ananas) spielt, überhaupt mehr wert? Wohl kaum.
Das Spiel ist jedenfalls ziemlich trocken, selbst der angekündigte Dauerregen bleibt aus. Thun ist leicht stärker, doch die zwingenden Torchancen bleiben in der ersten Halbzeit aus. Farbe ins Spiel bringt nur die Thuner Kurve mit Pyroaktionen. 0:0 steht zur Pause – was selbst Litteringteam-Pat vor dem Match bei ihrem Ich-kleb-mir-einen-gelben-Zettel-auf-die-Stirn-Spiel nicht herausgefunden hätte? Wer bin ich? Ein überbezahlter Lausanne-Spieler, der den Ball nicht in den gegnerischen Strafraum bringt, sei es nur Rapp oder ein ähnlich verwöhnter Schnössel.
Besser wirds in der zweiten Halbzeit. In der 49. Minute lanciert Glarner Spielmann, der aber am Ball vorbei schlägt. Stattdessen kommt Sorgic an den Ball, der zum 0:1 einschiesst. Besser geplant ist die Spielszene in der 62. Minute: Eckball Thun und der Ball zu Spielmann. Dieses Mal trifft er. 0:2.
Nun zünden die Lausanne-Fans Pyro. Und zwar so heftig, dass das Spiel unterbrochen werden muss. Samt Pyrowürfen aufs Spielfeld.
Viel geht jetzt nicht mehr. 10 Minuten stehen die Spieler noch auf dem Platz, wobei mehrere Auswechselungen kaum noch ein Spiel zulassen. Dann macht das Gerücht die Runde, dass die Heimfans unsere Kurve angreifen wollen. Wir rennen fast alle nach oben, kam doch mal ein Angriff von hinten über Trainingsfeld. Doch dort hält nur ein Polizist Wache. Stattdessen ist plötzlich ein Durcheinander auf der Stadioninnenbahn, auf der ein Dutzend Vermummter uns entgegen rennen. Ein paar Mutige stellen sich innen entgegen, wir besonneren (betrunkneren) Fans, warten geduldig auf den Wiederanpfiff. Doch dieser will und will nicht kommen. Der Schiri pfeift das Spiel schliesslich ab – mindestens 20 Minuten zu früh. Der Ball ist weg, Lausanne ist abgestiegen und wir Thunfans schauen ziemlich dumm aus der Wäsche. Da waren wir schon in Albanien, in Kiew und in Belgrad und ausgerechnet hier in der Waadtländer Provinz wird ein Spiel wegen Fangewalt abgepfiffen!? Verwirrt zünden wir halt noch mehr Pyros.
Und so müssen wir halt wieder den Heimweg antreten – mit zwei Toren und hoffentlich drei Punkten mehr auf dem Konto. Werden wir Lausanne vermissen? Mais non, Lausanne c?est fini!
