GC – Thun

GC – Thun

Kaum Fans im Stadion. Klar, es ist wieder einmal GC-Match. Wir Thunfans-Zugfans sind gar so einsam, dass wir uns knapp eine Stunde vor Matchbeginn mit dem über den Rasen schlendernden Sportguru Sascha Ruefer unterhalten. Fan von ihm sind wir nicht unbedingt, denn weshalb er plötzlich Chelsea und Arsenal zum Uhrencup in Grenchen einladen will statt Thun, verstehen wir nicht.

Aber eben, schnelle und unüberlegte Meinungsänderungen gehören schliesslich zum Fussballbusiness, weshalb beispielsweise ein Budi Latour heute auch für ganz viel Geld als GC-Trainer an der Linie steht.

Zu Spielbeginn sehen das aber nur wenige Thunfans. Grund ist nicht ein Fankurveprotest à la Fribourg-Gotteron, sondern eine Pleiten, Pech- und Pannenserie unsere Cargspändli. Ausgerechnet an jenem Tag, an dem ich mein Mami erstmals zu einer Auswärtsfahrt habe überreden können, verpassen die Carfahrer wegen Staus und einigen Irrfahrten den Spielbeginn. Erst nach etwa zehn Minuten sind alle Thuner im Stadion – es sind zwischen 50 und 70 Leute.

Auf einen 5-1-Sieg für die Thuner habe ich vor dem Spiel getippt. Doch GC ist nicht der erhoffte leichte Gegner, entschlossen präsentiert sich die Zürcher Mannschaft heute. Das Spiel ist ausgeglichen, Torchancen sind selten. Es ist dementsprechend auch ein mehrfacher Thuner Abwehrfehler, der dem wiedergenesenen Eduardo in der 34. Minute das 1-0 ermöglicht. Ein freches Tor in einem mutmasslichen 0-0-Spiel.

Der Match ist nach dem Tor noch ereignisloser als zuvor. Grosse Langweile für uns Fans, wir können bloss auf den Ausgleich hoffen. Doch der will nicht fallen, wie auch, Thun hat keine zwingenden Torchancen.

Stattdessen müssen wir froh sein, dass Lustrinelli nach einem Handgemenge im GC-Strafraum kurz vor Schluss nicht die zweite Gelbe Karte an diesem Abend sieht. Ein Schiri mit weniger Fingerspitzengespür als Laperriere heute hätte den Thun-Tessiner vom Platz gewiesen.

Und so gewinnt Latour tatsächlich mit seinem Geldfresser-Club das Spiel gegen den Ex-Klub. Dumm gelaufen.

Wir Thunfans bleiben nach der Niederlage trotzdem einigermassen gelassen – von Spuckattacken durchs Gitter à là Alex Frei einmal abgesehen. Hitzig wirds erst im Tram Richtung Hauptbahnhof. Eine Horde GC-Fans machts sich den Spass, eine Art Aggro-Polonaise zu veranstalten und vom hinteren Teil des Trams aus auf uns Thunfans loszustürzen. Da sie auch gleich einen zweiten «Angriff» in die entgegengesetzte Richtung ankündigen, lege ich vorsichtshalber einmal meine Brille zur Seite. Doch bei der zweiten Aggro-Polonaise gibt es keine blauen Flecken. Ende gut, alles gut! Nein, denn mit einer Attacke habe ich bestimmt nicht gerechnet. Urplötzlich zieht ein GC-Fans die Notbremse, das Tram stoppt sofort und ich pralle mit meinem Kinn voll gegen ein Geländer, bevor ich grogy zu Boden stürze. Ein Notbremsefoul im wahrsten Sinne des Wortes, nachdem sich wohl jeder GC-Spieler minutenlang am Boden gewälzt hätte. Ich stehe dagegen sogleich wieder auf – voller Wut. Dass da meine Hass-Schlachtrufe fälschlicherweise gegen den nur scheinbar unfähigen Tramfahrer gerichtet sind, ist ein dummer Irrtum. Gott sei Dank bin ich ein paar Minuten später wieder weg von Zürich.

Matthias Engel

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