Seltsam ist sie die Stimmung vor dem Match im Hardturm. Irgendwie sind die Thuner, obwohl viel billiger und starloser spielend als die GC-Millionaros, Favorit im heutigen Match. Die Begeisterung der blauweissen Fans hält sich dementsprechend vor dem Match in Grenzen. Zumindest floriert aber noch der Schwarzmarkt vor dem Stadion, mehrere Zürcher dealen mit Züspa-Gewinnlosen, die gleichbedeutend mit GC-Thun-Eintrittskartten sind. 10 statt 20 Franken werden da noch verlangt, ich schnapp mir da doch das Ticket lieber gleich umsonst.
Beim Eingang treffen wir wieder einmal auf die geliebte Delta Security. Für den heutigen Match haben sie sich eine neue Schikane ausgedacht: Transparente, die ihnen textlich nicht passen, werden kurzerhand beschlagnahmt. Das bekommen vor allem unsere Ragazzi zu spüren.
Im Sektor selber wartet wieder einmal ein Schock auf uns: Der eigentliche Bierstand bleibt heute geschlossen, hunderte Meter müssen wir für unserem geliebten Gerstensaft zurücklegen. Das gibts doch nicht!
Bei Spielanpfiff spüren wir daher schon genügend Aggressionen gegen die Zürcher, um ihnen das Schlimmste im heutigen Match zu wünschen. Wir wollen drei Thuner Punkte sehen. Doch im heutigen Regen entscheidet leider nicht das Können, sondern das Glück, und so geht GC gleich beim ersten Angriff in Führung. Nach drei Minuten steht es 1-0 für den Schweizer Meister.
Droht nun eine Kanterniederlage? Nein, nein, GC steckt zumindest spielerisch weiterhin in der Krise. Die wenigen Angriffe werden weiterhin verstolpert, die Thuner Vorstösse sind weitaus gefährlicher. Und doch liegt GC zur Pause immer noch 1-0 in Führung.
Halbzeit Zwei bringt mehr Regen und viel Aufreger. Wieder einmal pfeift ein Schiri gegen Thun. Wir fühlen uns Pfiff um Pfiff betrogen. Doch die Thuner lassen sich nicht unterkriegen und streben weiter nach dem Ausgleich. Und nach 75 Minuten ist es soweit, Hodzic trifft zum 1-1. Unser Jubel kennt keine Grenzen.
GC wankt. Doch wenige Minuten später pfeifft der Schiri bereits einen fragwürdigen Freistoss, der GC die Chance zum erneuten Führungstreffer gibt. Nunez läuft an – und trifft. 2-1.
Die Entscheidung? Immer noch nicht. Die Thuner geben nie auf und kämpfen auch in den letzten 10 Minuten verbissen. Und fast fällt wieder der Ausgleich, fast. Schliesslich gewinnt GC halt doch 2-1, wenn auch eher unverdient. Und dieser glückhafte Sieg von GC gegen Thun wird plötzlich im Hardturm fast wie ein Meistertitel gefeiert, wiederum echt seltsam.
Matthias Engel
