FCZ Frauen – FCT Frauen

FCZ Frauen – FCT Frauen

Zahlreiche FCZ-Spieler machten Werbung für das nach dem Männerspiel gegen

den FC Aarau stattfindende Frauenspiel zwischen dem FC Zürich Frauen und den

Frauen des FC Thuns – sowohl auf der Homepage des FCZ, als auch in Zürcher

Lokalradios. Man sollte nach dem Männerspiel einfach sitzen bleiben und sich

das Frauenspiel ansehen, ein paar Profispieler wären auch dabei. Hätten sich

die lieben Herren doch lieber aufs Trainieren konzentriert…

Der Zuschaueraufmarsch hielt sich eher in Grenzen. Viele Zuschauer gingen

bereits nach dem ersten Spiel des Abends nach Hause. Anfangs waren blieben

noch etwa 1500 Zuschauer im Letzigrund. Ich befürchtete, dass sie eher auf

das «Exklusiv-Interview» eines FCZ-Spielers beziehungsweise auf die

Rechtfertigung der Scheissleistung warteten, als dass sie sich wirklich das

Frauenspiel antun zu wollten. Unverständlich für mich die

«Kinder-Ficker»-Kommentare auf der Osttribüne, als die Stadionspeakerin

sagte, dass der heutige Gegner aus dem Berner Oberland komme. Das darf doch

nun wirklich nicht wahr sein, dachte ich und schaute mir die Leute an.

Aha… So sehen Leute mit erbärmlichen IQ aus. Ich schämte mich als FCZ Fan

für diese Aussagen. Es scheint, als haben die letzten Erfolge der

Männermannschaft, das Team, den FCZ-Vorstand und einige Fans völlig den

Anstand und den sportlichen Respekt vor dem Gegner völlig verloren.

Inzwischen hatte das Spiel begonnen. Mit Axpo-Chläpf-Päng-Dinger, die von

FCZ-Juniorinnen auf den Zuschauerrängen verteilt wurden und die laut der

FCZ-Speakerin dazu dienen sollten, das Frauenteam so richtig «mega läss»

anzufeuern. «Wieso bekomme nur ich auf der Osttribüne kein solches

Chläpf-Ding?», fragte ich mich, «schaue ich nach der peinlichen Niederlage

des Männerteams zu böse drein? Hatten die FCZ-Juniorinnen Angst vor mir?»

Insbesondere Heliane Canepa, Gattin des FCZ-Präsidenten, hatte ihren Spass

an diesen Chläpf-Päng-Dingern, sie sprang in der Westtribüne wie ein

Gummiball auf und ab zu Beginn des Frauenfussballspiels. Doch leider

verliessen sie nach 10 Minuten ihre Kräfte;-) Herrlich, dies von der

Osttribüne aus beobachten zu dürfen.

Es war ein nettes Spiel – engagiert und gleichzeitig sehr fair von beiden

Seiten. Während der ersten Halbzeit zumindest auf der Osttribüne ein

kompletter «Zuschauerwechsel» statt. Fans mit tiefem IQ verliessen die

Osttribüne spätestens nach 15 Minuten, dafür stiessen neu einige Kinder mit

ihren Vätern zum Publikum, deren Mütter vermutlich auf dem Feld waren und

Freunde, deren Freundinnen für den FCZF spielten.

Die Zuschauerzahl sollte nun auch auf die offiziellen 800 Zuschauer sinken.

Eine sehr friedliche Stimmung. Schade, dass keine Thuner Fans anwesend

waren. So wurden leider nur die Zürcher Frauen von der Südkurve und

Osttribüne aus unterstützt. Das Spiel war nach 20 Minuten immer noch nett.

Warum ich mich mit dem Goalie der FCZ-Frauen bestens identifizieren konnte,

wird mein kleines Geheimnis bleiben;-) Die Torwartfrau der Thunerinnen, auf

deren Trikot der Nachname Schwery stand, sah hingegen gross und stark aus.

Es ist ein bisschen frustrierend, dass ich keine Kaderliste der FC Thun

Frauen auf der Homepage des FC Thuns gefunden habe, so kann ich leider nur

die Nachnamen in meinem Spielbericht schreiben kann. Auch der Schweizerische

Fussballverband (SFV) hält es nicht für nötig, die Kaderlisten der

verschiedenen Frauenfussballklubs auf seiner Homepage zu publizieren. Tut

mir leid, Frau Schwery, so kann ich Ihren Vornamen nicht in Erfahrung

bringen. Wäre doch eine Idee, den Frauenfussball beim FC Thun so

aufzuwerten, dass sie mit einem Mannschaftsfoto und mit Spielerinnenprofilen

auf der Homepage des FC Thuns vertreten sind? Auf der FCZ-Homepage sind

jedenfalls die Frauen bereits aufgetaucht. Sicherlich wäre dies kein grosser

Aufwand für den FC Thun. Und für die Thuner Spielerinnen, die an diesem

Abend während 90 Minuten mit Herzblut spielten, wäre es sicherlich eine

grosse Freude!

Nach 28 Minuten fiel das 1:0 für die Frauen des FC Zürich. Doch super, dass

sich die Thunerinnen nicht aufgaben. Es war ein munteres Spiel, immer noch

mit kleineren und grösseren Chancen auf beiden Chancen. Kurz darauf die

grösste Chance der Thunerinnen: Ein Lattenschuss von Frau Schenkel in der

33. Minute nach einem kräftigen Schuss aus etwa 20 Metern! Die

Chläpf-Päng-Dinger wurden inzwischen fleissig gebraucht, nach Aufforderungen

der Stadionsspeakerin und «Go, Go, Go»-Einblendungen auf dem schweizweit

grössten Screen. (Irgendwie muss ich ja positive Werbung für dieses Stadion

machen…! 😉 ) Wie aus dem nichts ertönten plötzlich Schüsse im Stadion!

Pyros an Frauenspielen fragte ich mich verängstigt? Oder wird mit einer

richtigen Pistole geschossen? Alles falsch, die ersten Chläpf-Päng-Dinger

wurden hauptsächlich von Kindern kapputt getreten und weil diese Gegenstände

aus Plastik waren, machte dies so einen Angst einflössender Lärm. Inzwischen

war es Halbzeit und die FCZ Frauen führen mit 2:0.

Herrlich, fast niemand war mehr im Letzigrund. Ich konnte eine Bratwurst für

3 Franken und für 4.50 CHF einen Ice-Tea geniessen und kam auf der

Osttribüne mampfend zum Schluss, dass es keinen spielerischen Unterschied

gab zum Männerspiel. Dabei war ich ja noch SMS gewarnt worden:

«Frauenfussball ist viel langsamer, im Fall.» Nein, nein… Das war ein

gutes Fussballspiel von beiden Seiten, das mit Leidenschaft geführt wurde,

meine lieben FCZ-Profifussballer. Interessanterweise war am Frauenspiel die

Westtribüne nun die bestgefüllteste Seite im Letzigrund. Obwohl dort

momentan miserable Sichtbedingungen herrschen, die Letzi-Minarette lassen

grüssen.

Die Geschichte der zweiten Halbzeit ist schnell erzählt: Die Zürcherinnen

erhöhten auf 3:0, 4:0, ja auf 5:0. Da konnten auch die Einwechslungen von

Frau Dubach und Frau Oehrli auf Seiten der Thunerinnen leider nichts mehr

daran ändern. Leider war den bis zuletzt um jeden Ball kämpfenden

Thunerinnen auch das Ehrentor nicht vergönnt, die beiden Sturmspitzen Frau

De Alem da Eira und Frau Schenkel waren immer einen Schritt langsamer als

die Zürcher Verteidigerinnen. Und mit der Zeit ging den Thunerinnen die

Kondition etwas aus. Erstaunlich, dass die erste Gelbe Karte erst in der 90.

Minute durch die Thunerin Frau Kernen eingeholt wurde.

Alles in allem ein unterhaltendes und fair geführtes Frauenfussballspiel auf

Schweizerischem Frauenfussball-Spitzenniveau.

PS: Leider bekam ich kein Axpo-Chläpf-Päng-Ding, vielleicht schaute ich

tatsächlich zu finster drein?

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