Düdingen – Thun

Düdingen – Thun

Willkommen in der neuen Cupsaison. Das Los hat Thun einen Klub aus der Nachbarschaft beschert, den FC Düdingen. Im Gegensatz zu den vergangenen Jahren kann Thun sich also nicht in der 1.Runde gegen einen kleinen Dorfverein aus der 2. oder 3. Liga einschiessen, sondern muss sich gleich gegen einen Erstligisten bewähren. Wobei man von einem Champions League-Teilnehmer auch bei dieser Konstellation ein paar Tore erwarten darf. Es sei denn, Ädu Moser ist heute nicht zu übermotiviert. Vielleicht schiesst er ja heute endlich einmal Tore in einem wichtigen Thunmatch.

Das Interesse der Düdinger an diesem Spiel ist gross, das kleine Birchhölzli ist schon gut gefüllt, als das Gross der Thunfans eine Stunde vor Spielbeginn eintrifft. Manche kommen später – die Zugfahrer sind bei einem Stadion, das weg vom Zentrum direkt an der Autobahnausfahrt liegt, klar im Nachteil. Völlig verspätet ist aber meine Mutter, die erst den 14.13-Zug in Thun nimmt. Da kann sie nun wirklich keine Ankunft in Düdingen um halb drei erwarten…

Wo aber wollen wir Thuner uns in einem vollen Stadion ohne Sektorentrennung positionieren. «Komm hier links, dort sind die Thuner», meint Kevin zu mir und zieht mich mit sich. Dummerweise irrt er, weshalb wir kurz einmal der Seitenlinie entlang fast das ganze Spielfeld umrunden können. Die Thunfans stellen sich nämlich – wie könnte es auch anders sein – zuvorderst auf der Hauptribüne auf. Hier soll gesungen und getrommelt werden. Doch die Stimmung ist nicht allzu laut, ab und zu werden wir gar von Düdingen-Rufen überstimmt.

Ein paar Thuner Tore würden der Stimmung unter den Oberländern gut tun. Doch das Spiel verläuft harzig, die Thuner bekunden Mühe gegen die Düdinger Elf. Und mit Ädu Moser hat sogar ein Düdinger die erste Grosschance. So nennt man jedenfalls eine Spielszene, wenn ein Stürmer alleine auf den Torhüter losrennen kann. Doch Ädu verstolpert den Ball, noch bevor er schiessen kann. Erinnert irgendwie an seine Auftritte im Thundress.

Es ist schliesslich der FC Thun, der in der 32. Minute strandesgemäss in Führung geht. Eren Sen, ansonsten Ersatzspieler, erzielt den erlösenden Treffer.

Nun könnte man Spassfussball der Thuner erwarten. Doch sie sind nach dem Spiel in Arsenal sichtlich zu müde, das Tempo der Thuner Spielzüge ist nicht merklich schneller als die Angriffe der Düdinger. Wenigstens kommt der FCT zu mehr Chancen als der SCD.

Sogar dies ändert sich aber nach der Pause. Düdingen kommt nun eigenen gefährlichen Abschlüssen, es knallt an Pfosten und Latte. Besonders herausragend bei den Düdinger Aktionen ist die rote Nummer 2 Christophe Henchoz. «Der wäre tauglich für den FC Thun», meint mein Kollege. Wobei ein Fribourg-Gotteron-Fan derzeit akzeptable Spielerleistungen wohl recht überbewertet. Dazu ermahnt er mich noch, den SCD-Henchoz nicht auszubuhen, als der minutenlang am Boden liegt. «Das ist an einem Cupspiel doch nicht nötig.» Na ja… bei aller Friedlichkeit wollen wir Thuner ja vor allem einen Sieg und da darf man auch einmal böse Worte über die Gegner verlieren.

Bejublen können wir unsere Spieler nur bei den Auswechslungen – Bravo Adriano, Bravo Lustrinelli – Thuner Tore gibt es keine mehr. Es bleibt beim 1-0.

Grund genug für ein wenig Pyro. Was gar nicht allen Thuner Anwesenden gefällt. «Seid ihr jetzt auch schon so wie die Basler!» ist noch die netteste Bewertung. Ein paar «Arschloch»-Bemerkungen sorgen für einen nicht so netten Tagesabschluss im Thuner Block.

Wenigstens geniessen die Düdinger derweil das Cuperlebnis. Die Autogramme der Thunspieler sind jedenfalls heiss begehrt. «Das ganze Dorf ist da» ist für einmal kein Spottgesang, sondern die Bezeichnung für 5300 fröhliche Zuschauer, die auch nach dem Match noch im Stadion verweilen.

Matthias Engel

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