Carouge – Thun

Carouge – Thun

Etwa um 19 Uhr passieren wir mit dem Car die erste Genfer Autobahnausfahrt. Wir sind fast da. Nur kann dieses Fast in Genf immer alles bedeuten. Hand aufs Herz: Gibt es jemanden, der sich noch nie verfahren hat auf der Fahrt durch Genf. Legendaer, wie einst Mattaeng einen Thuner Autokorso durch Genf angefuehrt hat und die Blechlawine eine halbe Stunde lang kreuz und quer durch die Innenstadt fuhr. Keine Machtdemonstration. Mattaeng hatte sich ganz einfach auf dem Weg zum Stade de Geneve grausam verfahren. So etwas wird heute Markus von Kander-Reisen zwar nicht passieren. Aber die Fahrt durch Genf zieht sich. Immerhin bieten die zahlreichen Ausfahrten und Wegschilder gute Gelegenheit, um sich ueber all die frueheren Thuner Spiele im Raum Genf auszutauschen. Da war doch mal was in Perly. Oder gegen Chenois. Klammerbemerkung: Damals hat sich der Car mit den Thunfans tatsaechlich verfahren. Und wie oft hat Thun eigentlich schon gegen Carouge gespielt? Die Website des Heimteams klaert auf: Es wird heute das vierte Aufeinandertreffen zwischen den beiden Mannschaften sein. Das allererste Mal trafen sie am 7. August 1999 aufeinander (Carouge-Heimsieg mit 1:0), das zweite Mal am 6. November 1999 (Thuner Heimsieg mit 1:0) und das dritte Mal am 2. August 2000 (Thun gewann in Genf mit 4:1). Ja, das ist ein paar Jahre her.

Ab 19.20 Uhr begleitet uns eine Polizeieskorte mit Blaulicht, was die Hoffnung auf ein baldiges Eintreffen beim Stadion steigert. Um 19.30 Uhr und damit nach rund 30 Minuten Tour de Geneve haben wir es geschafft. Nur um dort nochmals fast genauso lange beim Drehkreuz des Stadioneingangs anzustehen. Es ergeben sich dadurch die hitzigsten Szenen des Abends.

Eine Augenweide ist dafuer das Trio im Verpflegungsstand. Braun gebrannt und oben ohne wird Bier ausgeschenkt. Und mit dem gewohnten Westschweizer Charme, was die Preisgestaltung anbelangt. Party-Kernen zahlt fuer drei grosse Bier 21 Franken, ich zahle fuer drei grosse Bier 15 Franken. Was umso ueberraschender ist, weil ich dem Chippendales-Barkeeper punktgenau 21 Franken in die Hand gedrueckt habe. Der feine Unterschied: Ich habe mit ihm Franzoesisch gesprochen, Party-Kernen Deutsch.

Gesungen wird im Stadion ausschliesslich Deutsch. Die 150 Thuner singen nicht einfach nur lauter als das Heimpublikum, vom Heimpublikum singt ueberhaupt niemand. Es gibt keine Heimkurve, trotz fairen Ticketpreisen von 10 Franken fuer einen Stehplatz und 100 Franken fuer ein Saisonabo. Und trotz starkem Start des Heimteams, also nicht nur in die Saison, sondern auch ins heutige Spiel. Mit viel Vorwaertsdrang unterstreicht Carouge, das man die sieben Punkte in den ersten drei Spielen nicht per Zufall gewonnen hat. Die Angriffe sind sauber ausgefuehrt. Man moege mir verzeihen, dass ich die Carouge-Spieler aber noch nicht kenne. Kennen tue ich hingegen den Herrn, der in der 19. Minute sein Glueck mit einem Weitschuss versucht und den Ball ins Netz knallt. Herzliche Gratulation, Bertone. Thun fuehrt etwas entgegen dem Spielverlauf 0:1. Und setzt gleich nach. Das Spiel bekommt nun ein anderes Gesicht. Und mittendrin Gottbub, der in 29. Minute sein 0:2 mit Team und Fans feiert. Nun laeuft es bei Thun. Offensivszene um Offensivszene folgt, man hat den Gegner im Griff.

Zwischen der ersten und der zweiten Halbzeit gibt es nur einen kleinen Unterschied. Thun zieht sich zurueck, optisch kommt Carouge dadurch besser ins Spiel. Doch Torgefahr kommt eigentlich nur auf, wenn sich Carouge einen Freistoss oder gar Penalty ermogeln will. Nicht einmal das gelingt dem Heimteam. Thun hat noch ein paar Chancen zum 0:3. Doch selbst, als der Ball mal im Netz zappelt, wird es nichts damit. Der Schiedsrichter entscheidet auf Offensivfoul.

Thun gewinnt 0:2. Wir feiern noch eine Viertelstunde im warmen Sommerabend und machen uns dann wieder auf den Heimweg – samt obligater Genfer Stadtrundfahrt bei Blaulicht. Ca plane pour moi.

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