Aarau – Thun

Aarau – Thun

«FC Aarau, FC Aarau, wisst ihr noch, wisst ihr noch, könnt ihr euch erinnern, könnt ihr euch erinnern, 7-1, 7-1.» Dieses hämische Lied ertönt heute während dem Spiel. Laut protestiere ich: «Das war ein Scheissspiel.» Und nach einer Pause: «Dieses Stadion ist nicht 7-1-tauglich.» Ja, das war damals, als ich nach dem sechsten Thuner Tor auf den Zuan kletterte und nach dem siebten Thuner Tor und dem Abpfiff wieder runter – mit blutiger Hand. Wie sagt doch Miriam: «Du gehst aber nicht mehr auf den Zuan hinauf.» Wie könnte ich denn. Meine linke Hand ist nach einer Attacke von hinten gestern am Bahnhof Langnau schon blutig genug. Wäre nicht noch ein SCL-Fan halb unter den Zug gekrochen, um meine Brille zu suchen, müsste ich das heutige Spiel halbblind verfolgen. Ob das jedoch wirklich bei der aktuellen Form der Thuner etwas Negatives gewesen wäre? Eines aber nervt: Ich kann heute nicht nur nicht auf den Zaun klettern, sondern auch nicht klatschen. So fühle ich mich im lärm- und klatschintensiven Stimmungsblock fast einwenig ausgeschlossen. Immerhin darf ich mithelfen, diverse Choreospruchbänder mit dem Motto «Abstiegskampf» oder «Leidenschaft zeigen» hochhalten.

Ob Andres Gerber sie sich genau ansieht? Der ist heute einmal in bester Position – auf der Tribüne. Gut für ihn, so muss er gar nicht mit dem Gedanken spielen, eventuell noch in Kontakt mit den unfairen Fans zu kommen. Ob die anderen Thunspieler nach Abpfiff Applaus oder Pfiffe ernten werden, bleibt lange offen. Das Spiel der Thuner ist – wenig überraschend – nicht wirklich gut. Aarau ist die bessere Mannschaft, ohne dass die Rüebliländer aber zwingend ein Tor schiessen müssten. Erst gegen Schluss, als es immer noch 0-0 steht, wird klar: 1. Thun hat ein Sturmproblem, das mittlerweile so ist, dass der eingewechselte Rama besser ist als der ausgewechselte Mäkelä. 2. Thun hat mit Bettoni einen soliden Goalie, der zumindest dann gut hält, wenn Fusssballsternchen à là Sermeter scharf schiessen. 3. Die Thuner Verteidigung hat ihre Schwächen, aber wenn wie heute jeder für den anderen läuft und kämpft, ist sie nur schwer bezwingbar.

So endet das Spiel 0-0. Und es klettern tatsächlich vier Fans auf den Zaun hinauf. Wollen sie bloss ganz zuvorderst sein, wenn der Mannschaft applaudiert wird (ja, sie erhält für ihren Kampfgeist Applaus) oder wollen sie einen letzten Blick auf Peischl werfen?

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