Ich mache heute mal wieder mit einer FCA-Kollegin einen Abstecher ins Bruegglifeld. Den Schal hat sie zwar wie eine Fussballfachexpertin umgebunden und als sie in der Pause wegen der Kaelte wegen etwas herumspazieren will, geht sie natuerlich eiskalt mit mir direkt unter dem Capo-Podest hin und her. Und doch ist das hier ihr erster Stadionbesuch ueberhaupt, seit sie vor ziemlich genau zwei Jahren mit mir am 23. April 2022 am Match Aarau-Kriens war. Damals war perfektes warmes Fruehlingswetter mit viel Sonnenschein und einem spannenden 3:2. Heute hingegen ist beschissenes kaltes Fruehlingswetter mit Dauerregen und einem FC Thun auf dem Platz, der laengst nicht so gut mit dem FCA mithalten kann, wie damals der SCK. Also wie erwartet. Was wohl auch der Grund ist, warum die Kollegin heute keine Sekunde daran gedacht hat, auf den Spielbesuch zu verzichten. Schliesslich weiss sie dank mir und auch dank serioeseren Quellen: Der FC Thun ist bei seinen Gastspielen haeufig Garant dafuer, dass das Heimteam drei, vier oder gar fuenf Tore schiessen kann. Allein in dieser Saison habe ich das mehrmals erlebt.
Das Spiel beginnt mit einem tollen Thuner Farbtupfer. Im Gaestesektor praesentieren die rund 300 Thunfans erst eine wahrhaft stimmungsvolle Choreo mit einem gigantischen Stadionmotiv. Und dann wird so viel Feuerwerk gezuendet, dass mehrere Minuten lang kein Anpfiff moeglich ist. Dabei ist meine Kollegin wie andere FCA-Fans schon kribbelig, ob das Heimteam wie im waermeren November so nach etwa 19 Minuten wieder 3:0 vorne liegen wird. Nun ja, heute schlaegt sich Thun besser. Wenn auch nur ganz minim. Weil, ach soll der AZ-Journalist Stefan Wyss genau hinschauen statt ich. Ich behaupte jetzt mal, ich sei durch die kecke Zoepfchenfrisur und die selber gehaekelte Muetze meiner Kollegin abgelenkt gewesen und haette das Aarauer Startfurioso gar nicht mitgekriegt.
Also griffen die Aarauer keck an, schon frueh zog Shkelqim Demhasaj allein auf das gegnerische Tor zu, liess sich aber noch abdraengen. Kurz darauf wurde ein Schuss des Stuermers geblockt, ehe der dritte Anlauf dann schon der richtige war. Nach einem brillanten Zuspiel von Olivier Jaeckle auf Demhasaj sprang der Ball letztlich zu Nikola Gjorgjev, der in der 19. Minute mit dem Aussenrist sehenswert unter die Latte traf. Und weil dieser Gjorgjev nur fuenf Minuten spaeter eine Freistossflanke perfekt auf den Kopf von Isaac Pappoe zirkelte, lag der FC Aarau noch vor Ablauf einer halben Stunde 2:0 vorne.
So liegt Thun also nach 24 Minuten auswaerts mal wieder 2:0 zurueck. Ich hole mir einen Gluehwein, den der FCA heute wegen diesem Wetter ausnahmsweise nochmals ausschenken laesst. Meine Kollegin verzichtet und laesst sich lieber durch Regenwasser und den Aarau-Sturm begluecken. Und so ertraegt jeder auf seine Art die 48 Minuten der ersten Halbzeit. Besten Dank auch fuer die drei Nachspielminuten.
Nach unserem erwaehnten Spaziergang an all den Hardcore-Ultras vorbei, die heute uebrigens im Heimsektor nicht zuenden, stellen wir uns auf eine aehnlich einseitige zweite Halbzeit ein. Doch Lustrinelli bringt nun Dos Santos ins Spiel und der erweist sich tatsaechlich sofort als staerkster Thuner. In der 52. Minute koennte er zum Held der Arbeit werden, doch er setzt seinen satten Schuss an die Latte. Stattdessen trifft in der 53. Minute Ihsan Sacko. Doch der Treffer zaehlt nicht. Angeblich hat ein Mitspieler den Ball vor der Torlinie im Abseits noch beruehrt. Lustrinelli tobt. Und irgendwann wird er vom Schiedsrichter noch auf die Tribuene geschickt. Behauptet jedenfalls mein Aaraukollege, der sich von Zuhause als Telefonjoker einschaltet. Ich will das gar nicht erst verifizieren. Mir genuegt, dass ich besten Blick auf jene Szene habe, in der Djacko nach wiederholtem Foulspiel mit Gelb-Rot vom Platz gestellt wird. Es ist die 71. Minute, Thun schwimmt nun endgueltig im Bruegglifeld. Nicht wahr, lieber Herr Wyss von der AZ?
Spaetestens nach dem Platzverweis uebernahm wieder das Heimteam das Diktat – und setzte mit dem Tor von Valon Fazliu nach einem 50-Meter-Zuspiel von Torhueter Marvin Huebel auf Milot Avdyli und dessen guter Uebersicht mit dem 3:0 den Schlusspunkt.
Es ist ein Abend zum Vergessen. Auch weil meine Kollegin trotz Sieges- und Bierrausch keine Lust darauf verspuert, wie das letzte Mal noch einen Abstecher ins Penny Farting zu machen. Aus Angst, in diesem Regenlook vom Tuersteher oder wahlweise vom Chefalki abgewiesen zu werden? Denn meine Kollegin sieht nun aus wie Annalisa zu Beginn ihres Sinceramente-Videos. Und ich sehe vielleicht nicht gerade aus, wie die beiden Maenner im Laura Mueller-Video, wuerde mir aber am liebsten ebenso die Kleider vom Leib reissen. Aber das bitte ganz weit weg von Aarau. Immerhin hat meine Kollegin noch einen Trost fuer mich: Am Barragespiel im Letzigrund Ende Mai ist sie mit dabei. Aber nur wenn es nicht regnet!
