Was für eine Farbenvielfalt unter brennend heisser Sommersonne auf dem Sportplatz Leimen. Viele rot-weisse Trikots mit und ohne Rückennummer, mit und ohne Härzbluetlogo. Und auch jede Menge Kids in gelb-schwarzen Trikots, so viele wie seit dem letzten Derby nicht mehr. Nur ist der Fussballnachwuchs hier nicht für YB, sondern beim Gastgeberverein FC Oberdiessbach voll dabei. Und dann bin noch ich da mit dem Shirt mit rot-weissem Aufdruck: ?Free Hongkong?. Dieses Wochenende ist der 25-jährige Jahrestag der Übergabe von Hongkong an die chinesische Diktatur und der Anfang vom Ende der Menschenrechte dort. 25 Jahre ist es in diesem Juli auch her, seit ich zum ersten Mal ein FC Thun-Abo gekauft habe. 25 Jahre später habe ich kein Abo in meinem Portemonnaie, während der FC Thun jede Saison mehrere hunderttausend Franken aus Hongkong in die Vereinskasse steckt. Jeder hat seine eigene Schmerzgrenze.
Das mit den Schmerzen passt zum heutigen Testspiel. Denn Gegner Ouchy spielt gewohnt überhart. Was nach 35 Minuten Dos Santos zum Verhängnis wird. Er bleibt nach einem Zweikampf lange liegen und muss ins Spital. Zu diesem Zeitpunkt führt Thun bereits, denn Nias Hefti hat in seinem Welschlandhalbjahr zumindest etwas gelernt: Wie man den Ouchy-Goalie, mit dem er zusammengespielt hat, bezwingt. Sein Weitschusstor ist Klasse. Der zweite Torschütze heisst dann Mattäng. In der 57. Minute erzielt der stärkste Stürmer auf dem Feld das 2:0. So sehr wie er kämpft, könnte er gut und gerne noch zwei, drei weitere Tore erzielen. Ouchy rettet sich aber häufig mit Fouls aus schwierigen Szenen und schafft dann noch fast die Wende. In der 79. Minute verkürzt Koré auf 2:1. Und er und seine Kollegen setzen dann zum Schlussfurioso an. Thun wankt bei den vielen Angriffen sichtlich, rettet aber den Vorsprung doch über die Zeit. 2:1-Sieg in Oberdiessbach.
Ist zwar nett so ein Testspielsieg, aber vor 25 Jahren hätte er mir weit mehr bedeutet. 2022 ist nicht 1997, weder in der Region Thun, noch in Hongkong.
