Bei meiner Aushebung wurde mir einst gesagt: «Herr Thunfan, ich kann Sie leider nicht in unsere Armee aufheben. Denn wenn Sie im Nahkampf die Brille verlieren würden, wären Sie dem Feind hilflos ausgeliefert.» Bis heute belastet es mich, nicht Mitglied bei der besten Armee der Welt zu sein. Wenigstens bin ich aber Fan der besten Fussballmannschaft der Schweiz. Das hat jedoch auch Schattenseiten. Die Sicherheitsmassnahmen in Basel sind nämlich verschärft, so ein Leader hat ja sicher böse Fans. Und verlangt tatsächlich zum ersten Mal ein Security von mir, die Brille abzuziehen und vor ihm auf den Tisch zu legen. Wirklich toll, den Rest der Kontrolle halb blind über sich ergehen lassen zu müssen. Probleme mit dem Sehvermögen scheint aber auch er zu haben. Er schaut sich meinen hippen Turnsack genau an, nimmt mein Rama-Dress heraus und fragt mich dann völlig ironiefrei: «Was ist das? Eine Fahne?» Als ich meine Brille wieder aufsetzen darf, gehe ich zum Bierstand. Gemäss Anschrift ist im Bier auch wirklich Bier. Ich zähle mein Münz ab, frage aber zur Sicherheit nochmals nach. «Ist 2,4-Bier.» Und tschüss, wieder mal 5,50 Franken gespart.
Auch bebrillt erkenne ich den Sinn der FCB-Choreo nicht so ganz. Klar, eine sich wandelnde Zeitungsseite im Grossformat will zeigen, dass Pyrozünder 2001 beliebt waren und 2011 verhasst sind. Daraufhin wird in der Muttenzer Kurve Pyro gezündet. Und ja liebe FCB-Fans, wenn jetzt einer von heute Pyros werfen würde, würde ich dies fotografieren und euch verpfeifen. Als grosser Loriotfan stört mich aber weniger eure Kernbotschaft, als die Tatsache, dass eure Choreo von zwei Loriot-Knollnasenfiguren umrahmt wird. War Loriot etwa Pyrowerfer?
Aber manchmal hat man in Basel halt eine sehr verzerrte Wahrnehmung. So wird das FCB-TV 45 Minuten später in der Halbzeitzusammenfassung fünf Basler Chancen zeigen ? und sonst keine einzige Spielszene der Thuner. Als ob nicht Thun in den Startminuten die ersten beiden Chancen gehabt hätte. Und als ob nicht Lustrinelli ausnahmsweise in der 34. Minute ein Laufduell gegen Shaqiri gewonnen hätte und im Strafraum hart bedrängt worden wäre. Penalty? Studer sagt leider nein. Doch im FCB-TV werden nur Frei und Streller gefeiert. Hier eine Chance, da eine Chance? und schliesslich auch ein Tor. Noch einmal sehen wir auf der Grossleinwand, wie Pascal Schürpf in der 13. Minute Marco Streller mit einem Steilpass lancierte, dieser den Ball quer in die Füsse von Alex Frei spielte, der Da Costa mit einem leichten Heber überwand.
In der48. Minute sieht Lüthi für die Gelbe Karte. Er ist in eine Schwalben-Falle des FCB getappt. Alex Frei tritt an der Strafraumgrenze den unberechtigten Freistoss. Ein zweiter Frei ist dummerweise im Strafraum frei: Fabian Frei schiesst zum 2:0 ein. Alex Frei zeigt später bei einem weiteren Freistoss aber auch noch sein «Böser Zwillingsbruder»-Gesicht. Als er den Abstand der Thuner Mauer provokativ nachmisst, sieht er die Gelbe Karte. Der Freistoss bringt nichts ein.
Wirklich unsportlich sind die Basler aber in der 70. Minute. Als ein Kopfball von Lustrinelli von der Latte hinter die Linie springt, spielen die Basler einfach weiter. Zum Glück behält das Schiritrio aber die Übersicht. Nach einer kurzen Diskussion mit dem Fändlima entscheidet Studer auf Tor. Lange nach dem Anspiel taucht dann die «1» auch noch auf der Anzeigetafel auf.
Das Spiel ist nun ausgeglichen, wenn auch auf schwachem Niveau. Ich zweifle ja, aber eines der beiden Teams wirklich das nötige Potenzial hat, bis im Frühling um den Meistertitel mitzuspielen. Thun braucht aber vorerst zur erneuten Übernahme der Tabellenführung nur ein Unentschieden. Und fast gelingt der erneute Coup: Lustrinelli flankt von der Grundlinie in den Fünfmeterraum, FCB-Goalie Sommer ist bereits geschlagen, das Tor demnach leer? doch da ist verdammt noch mal kein Thuner, der den Ball einschieben könnte. Thun verabschiedet sich somit auf Platz 2 in die Natipause, was aber immer noch ein schöner Erfolg ist.
