1-5, eine klare Niederlage, die selbst in dieser Höhe ganz dem Spielverlauf entspricht. Und das wieder mal bei Servette, wo Thun noch nie einen Punkt gewann. Da wird man wirklich als Thunfan zum Gränni, schimpft über Gott und die Fussballwelt und möchte einfach ganz schnell weg. Wieso man da trotzdem noch bis zum Schlusspfiff im Stadion bleibt? Am ehesten wohl, um die Trauer über die Niederlage mit der Mannschaft zu teilen. So wird nach Spielende von uns die heute gewiss sehr schwache Mannschaft nicht ausgepfiffen, Team und Fans applaudieren sich vielmehr -sehr verhalten versteht sich – gegenseitig. Wir machen uns Mut, dass ein 1-5 in Genf nicht ein düsteres Vorzeichen für die ganze Saison ist.
Ja, es ist halt einfach kein Thuner Tag. Der Car trifft zu spät in Genf ein, so dass die Car-Thunfahrer die Anfangsminuten verpassen. Mitzu dagegen ist zwar pünktlich da, wütet aber derweil ungewollt mit seinen Füssen. Bierbecher um Colabecher um Trinkflasche bringt er in Minutenabständen zu Fall, was soll denn das. Und Rüpel-Alain hat erst recht Probleme mit seiner Colaflasche. Erst muss er am Eingang den Deckel abgegeben, dann muss er auf einmal mitten im Spiel(!) auf Befehl eines Security die Flasche in Becher umfüllen. Die Strafe dafür, dass er seinen Bier am Match-Konsum stoppen will?
Auf dem Rasen ist derweil das Gekicke äusserst müde. Die Thuner haben keine nennenswerten Torchancen, bei Servette-Angriffen wehrt vorerst noch Coltorti erfolgreich ab.
Vorerst! Denn plötzlich geht alles schnell und schief, einzig die Pause lässt uns kurz durchatmen. In der 38. Minute trifft Bratic zum 1-0, in der 48. Minute Yao schiesst zum 2-0 ein(oder wars ein Aegerter-Eigentor?), in der 57. Minute erhöht Kader auf 3-0, in der 70. Minute erhöht Comisetti zum 4-0 und in der 73. Minute erhöht Zambrella schliesslich für Servette zum 5-0.
Ein Graus, all die Tore und die ihnen vorangehenden verheerenden Thuner Abwehrfehler mitansehen zu müssen. Ein jeder von uns verwirft nur noch die Hände. Und als plötzlich während dieser Unglücksminuten meine beiden befreundeten Servettefangirls fröhlich auf der Grossleinwand im Stadion lachen, mag ich erst recht nicht mehr hinsehen. Ganz nach dem Motto «Die Frau wechselt man mehrmals im Leben, den Fussballverein nie» bin ich weit davon entfernt, mich auch nur ein Stück weit mit ihnen zu freuen. Und ja, am letzten Samstag habe ich noch 90 Minuten lang einen Servetteschal getragen…
Nur einmal huscht noch ein Lächeln über meine Lippen an diesem Abend: Als Milicevic in der 75. Minute zum 5-1 einschiesst. Da darf man wenigstens noch ein paar Sekunden stolz als Thuner sein. Und dann beginnt schon wieder der Thuner Blues, das abendfüllende Grännigefühl.
Matthias Engel
