«In deinem Spielbericht muss mindestens dreimal ACAB stehen.»
«Ich muss den Bericht stark entschärfen. Wir spielen in sechs Wochen mit Thun in Amsterdam. Vielleicht gibt dann nach jenem Spiel eine unzensurierte Version über unsere Erlebnisse in Enschede.»
«Kämpfe in der Nähe des Stadions oder des Bahnhofs?»
«Bei der Ankunft des Extrazugs 500 Meter Fanmarsch mit Gesang und ohne Pyro in die Altstadt. Dort Mittagessen auf dem zentralen Oude Markt, was Stammgebiet der Heimfans ist. Aber wir gehen doch zum Essen nicht in den McDonald’s. Und schon hatten Polizeichef und Bürgermeister Panik.»
«Niederlande fallen auch immer negativer auf im Umgang mit Fussballfans».
«Tiefpunkt war, wie vor Abfahrt des Extrazugs in Hengelo die Polizei einem Typen freien Lauf liess, mehrmals den Hitlergruss in unsere Richtung zu machen. Was bin ich froh, dass ich in sechs Wochen mit Thun nach Amsterdam fahre, um hoffentlich eine weltoffenere Niederlande zu erleben.»
Ob beim Abschied am Extrazug oder in der grenzüberschreitenden Debatte auf Twitter/X: Unter echten Fussballinteressierten sorgt beim Stichwort «Enschede» nicht Schiedsrichter Genc Nuzas Platzverweis gegen Thun-Spieler Patrik Kristal für Gesprächsstoff, sondern jener von Bürgermeister Roelof Bleker gegen sämtliche Thunfans. So bleibt uns die 28-stündige Extrazugfahrt mit ihrem intensiven polizeilichen Begleitprogramm bittersüss als ein Erlebnis in Erinnerung, das unsere Fanszene zusammenschweisst.
Los geht’s am Mittwochabend in einem ganz normalen SBB-Zug. In unseren beiden reservierten Wagen erleben wir, wie antiautoritär die Durchschnittsschweizer doch sind: Nur weil die Plätze reserviert sind und die Fans laut singen und trinken, wechselt noch längst nicht jeder in ein anderes Zugabteil. Man lebt und leidet miteinander, ohne gleich den Staatsapparat zum Einschreiten aufzurufen. Dass dies noch nicht der Extrazug ist, liegt daran, dass die SBB für den Schweizer Teil der Fanreise keinen Lokführer zur Verfügung stellen wollte. Der Extrazug samt Personal wartet deshalb erst kurz vor 21.00 Uhr am Basel Badischen Bahnhof. Umso freundlicher fällt die Begrüssung auf der elektronischen DB-Anzeigetafel aus: «Thun internationau – Äxtrazug Enschede». Ja, genau in diesem breiten Berndeutsch steht es in Deutschland angeschrieben. Freundlich und gewitzt war der Umgangston beim Bahnfahren in Deutschland ja schon immer. Wird sich noch herausstellen wie pünktlich das Bahnfahren ist. Party-Kernen und ich sind jedenfalls noch optimistisch, als wir zu zweit unser Sechserabteil im Familie- und Ruhebereich beziehen. Auch wir werden langsam alt. Eigentlich wollen wir aber vor allem dem Rauch ausweichen, denn das Rauchen ist im hyperaktiven Zugbereich erlaubt. Und Rauch lässt mich einfach nicht schlafen. Mit dem auffällig platzierten 24er-Pack-Bier von Party-Kernen setzen wir aber ein Zeichen, dass wir längst noch nicht zum alten Eisen gehören. Und dass auch wir noch einen Abstecher in den Bar- und Partywagen machen, ist natürlich klar. Wie steht dort auf dem Boden auf einem roten Band mit weisser Schrift: «Verbundenheit Zukunft Erfolg» und noch mehr Wörter, die aus einem Werk von Konfuzius oder einer Sprachnachricht von Party-Kernen stammen können. Genau! Zusammen sind wir stark und zusammen macht es Spass. Auch wenn wir mit dem FC Thun dereinst eine eher schwierige Zeit durchmachen. Und dabei ist für einmal nur der sportliche Bereich gemeint. Aber der Zusammenhalt ist gross und so tanzen mehrere dutzend Thunfans gemeinsam bis weit in die Nacht hinein zu lautem Sound, Boxer-Bier, Hot Dogs und Wasser mit, wobei mir immer noch keiner verraten will, ob mit «mit» Gin oder bloss Kohlensäure gemeint ist.
Bis weit nach 2.00 Uhr machen wir Stimmung, dann legen wir uns hin. Ich bin gewiss nicht der Einzige, dem die laute Zugfahrt viel Energie und Schlaf raubt. Beim Aufwachen lästere ich entsprechend. Hätte ich das doch sein lassen, denn damit beschwöre ich natürlich den Mythos Deutsche Bahn herauf. Zunächst rollt der Zug nur noch langsam durch ein Waldstück, bleibt stehen, fährt endlich weiter und setzt sich dann am Bahnhof Bad Bentheim fest. Seit 8.30 Uhr. Wenige Kilometer vor dem Ziel verkündet eine schrille Stimme über den Bahnhofslautsprecher eine «Oberleitungsstörung». So stehen wir bis 11.00 Uhr und handeln uns eine typisch deutsche Verspätung von mehr als zweieinhalb Stunden ein. Mentales Training für spätere ungewollte Begegnungen an diesem Tag. Schliesslich geht es weiter, und statt wie geplant um 9.00 Uhr fahren wir um 11.45 Uhr in Enschede ein.
Voller Euphorie steigen wir aus und stimmen das erste Klublied an. Nun zeigt sich, wie gross unsere Extrazugtruppe tatsächlich ist: 280 Thunfans sind mitgekommen, um dem Verein den Rücken zu stärken. Voller Stolz marschieren wir Richtung Altstadt zum Oude Markt. Wir singen, wir trommeln, und längst sind nicht alle nur rot-weiss gekleidet; viele tragen schlicht Schwarz. Doch es gibt weder Pyro noch Sturmmasken und vor allem keine Provokationen gegen Einheimische. Dabei filmt uns gefühlt jede dritte Person mit dem Smartphone, wohl um sogleich im Internet Panik vor dem Mob aus Thun zu verbreiten. Wir nehmen es gelassen, auch weil unser Fanmarsch nur knapp 500 Meter dauert. Am Oude Markt teilen wir uns auf die Restaurants mit Aussenplätzen auf. Party-Kernen und ich wählen das Sam Sam, wo wir erstmals die niederländische Gastfreundschaft erleben. Nach 40 Minuten können wir endlich Bier und Essen bestellen; eine weitere Stunde später wird das Essen serviert. Um 13.40 Uhr ist Mahlzeit, kurz darauf Diskussionszeit. In einer Ecke des Platzes zeigt sich immer mehr Polizei, in einer anderen sammeln sich immer mehr Fans von Twente. Wir fühlen uns wie ausgestellt. Vor allem aber fühlen wir uns nicht willkommen – anders als in Zagreb, Reykjavik oder Posen. Unsere kurveneigenen Friedensvermittler versuchen noch, die Polizei zu besänftigen. Doch schliesslich drücken Polizeichef und Bürgermeister den Panikknopf. Um 14.15 Uhr ergeht der Befehl, den Platz zu räumen, und wird sogleich durchgesetzt. Selbst wer noch nicht aufgegessen hat, muss umgehend aufstehen. Das Geld wurde schliesslich bereits bei der Bestellung einkassiert. Zahlreiche Polizeikräfte kreisen uns ein und zwingen uns zum Abmarsch. Zunächst hoffen wir noch, dass sie uns in eine andere belebte Altstadtgasse führen. Stattdessen werden wir zum Willem Wilminkplein in Bahnhofsnähe gebracht, einem kleinen Platz mit Rasenfläche und einem Pub, das noch gar nicht geöffnet hat. Die wirklich böse Überraschung: Das Verweilen hier ist nicht bloss eine Empfehlung in Form eines Reise- und Gastrotipps, sondern ein Polizeikessel, der von 14.30 Uhr bis zur Abfahrt der Stadionbusse stundenlang strikt durchgesetzt wird. Kurz in die Seitengasse, um in einem Laden etwas zu kaufen? Nee! Kurz den Kindern die Altstadt zeigen? Nee! Kurz rüber in den Coffeeshop? Nee! Sich über eine Stunde lang von einem Randständigen mit Twente-Fanliedern beschallen lassen? Ja hoor! Von 14.30 bis 19.15 Uhr werden 280 Thunfans festgehalten. Allen ist verboten, die Innenstadt zu betreten. Dass im Laufe des Nachmittags das Pub öffnet, ist keine Entschuldigung für den Scheiss! Zumal in diesem dubiosen Metropol Café keine wirkliche Freude aufkommen will. Unter den Fans wird zwar spekuliert, das Lokal gehöre einem Sohn von Bürgermeister Roelof Bleker und die Familie wolle damit Zehntausende Euro verdienen. Sicher ist hingegen: Das Bier kostet 9 Euro, und das Etablissement verfügt gerade einmal über zwei Unisex-Toiletten. Zur Erinnerung: für 280 festgehaltene Fans, die eine Nacht im Zug hinter sich haben.
Um 19.15 Uhr erfolgt endlich der Abmarschbefehl zum Stadion. Nein, natürlich nicht als Startsignal für einen Fanmarsch, sondern knapp 100 Meter unter grosser Polizeibegleitung weiter zu vier unbeschrifteten Cars. Alle müssen zwingend beim Chauffeur einsteigen, der Einstieg in der Mitte widerspricht offenbar dem niederländischen Allmachtsprinzip. Wirklich krass wird es nach der 20-minütigen Fahrt beim Stadion. Die Fans aus den ersten drei Cars dürfen sofort aussteigen, doch der Fahrer unseres Cars lässt uns einfach nicht hinaus. Logisch: Es hat ja kein Polizist in Vollmontur an die Eingangstür geklopft und den Ja hoor-Befehl erteilt. Wir müssen beinahe meutern und auf den Fahrer einreden, bis er die Tür endlich öffnet. Also hinaus und zur ersten Vorkontrolle für den Zutritt zum Stadiongelände. Ich will noch kurz mein Wasserfläschchen austrinken. Doch weil irgendwelche Twente-Fans auf einem nahen Feld ein Feuerwerk zünden, drücken Polizeichef und Bürgermeister gleich wieder den Panikknopf. Auch ich muss sofort durch die erste Eingangsschleuse, weil «Polizei, Polizei kommt gleich!». Die Security-Mitarbeiterin lässt nicht mit sich reden, worauf ich mir mein Wasserfläschchen über den Kopf schütte. Ich gehe hinein, und tatsächlich fahren unmittelbar darauf die Polizeifahrzeuge vor. Nur ins Stadion geht es noch immer nicht. Das Eingangsprozedere dauert Ewigkeiten. Einer unserer kurveneigenen Friedensvermittler telefoniert herum, bis die Organisatoren von Twente endlich mehr Sicherheitskräfte zum Abtasten an den Gästeeingang schicken. Als ich endlich vor einem der Kontrolleure stehe, wird mir klar, warum alles so lange dauert. Zahlreiche Gegenstände werden beschlagnahmt, konsequenterweise auch jede einzelne Snus-Dose. Dafür erhalte ich einen nummerierten Fundbürozettel, mit dem ich meine Dose nach dem Spiel zurückfordern kann. Ob das klappt, bezweifle ich. Immerhin schnüffelt der Drogensuchhund des Sicherheitspersonals nur anderen Fans am Hintern und nicht mir. Also endlich die Treppen hinauf zu den Gästesektoren. Der Plural ist angebracht, denn unsere Plätze liegen gefühlt im 13. Stock. Liegt es an der entsprechenden Höhenluft, dass ein Fan auf der Toilette den WC-Deckel für sein grosses Geschäft nicht mehr rechtzeitig hochheben konnte? Oder war das sein politisches Statement zu Enschede? Doch wie schreibt die Heimkurve auf einem grossen Banner mit Totenkopfsymbol: «Don’t stop the madness». Darauf stimmt das ganze Stadion völlig ironiefrei «You’ll never walk alone» an. Als wäre nicht schon vor Jahren eine Fanzene aus der englischen Kleinstadt Liverpool auf dieselbe Idee gekommen.
Anpfiff. Und jetzt tatsächlich noch Fussball. Twente übernimmt sofort das Kommando, drängt Thun tief in die eigene Hälfte und kommt durch Weghorst und Taha früh zu Chancen. Steffen hält stark, während Reichmuth, Roth und Kristal mit vereinzelten Vorstössen zeigen, dass Thun nicht nur zum Verteidigen angereist ist. In der 25. Minute zappelt der Ball erstmals im Thuner Netz. Vorausgegangen ist ein Doppelpass, nach dem Weidmann plötzlich viel zu viel Platz erhalten hat. Er ist durch die Hälfte der Berner Oberländer gesprintet und hat eiskalt zur vermeintlichen Führung eingeschoben. Doch der VAR entdeckt in der Entstehung einen Kontakt: Käit ist nach einer Berührung am Knie aus dem Gleichgewicht geraten und gestürzt. Schiedsrichter Genc Nuza schaut sich die Szene mehrfach am Bildschirm an und entscheidet schliesslich auf Foul. Das Tor wird aberkannt, was von uns gefeiert wird. Twente bleibt trotzdem klar überlegen. Zur Pause steht es trotz eines Chancenverhältnisses von 25:7 noch 0:0. Schmeichelhaft, aber willkommen.
Also ab zum Verpflegungsstand, Bier holen. Bezahlt wird nur mit Kreditkarte. Meine Bestellliste wird entsprechend länger, denn längst nicht jeder Kollege besitzt eine. Am Zapfhahn überrascht mich dafür ein sympathischer Herr: Er spricht tatsächlich Deutsch mit mir. Das ist in dieser grenznahen Stadt keineswegs selbstverständlich: Sonst wird mit uns konsequent Englisch gesprochen, selbst wenn das der angesprochene Fan gar nicht versteht.
Nach der Pause ersetzt bei Thun Zoukit den angeschlagenen Captain Bamert. Wohl auch um die nächste Rote Karte gegen Thun zu verhindern. Am Spielbild ändert das wenig: Twente drückt, Thun verteidigt, und auf den Rängen werden die Liverpool-Imitatoren zunehmend ungeduldig. Dann kommt die 58. Minute und die Szene mit dem zweiten unerklärlichen Platzverweis am heutigen Tag. Twente-Spieler Zerrouki steigt mit grossem Einsatz gegen den erst 18-jährigen Kristal ein und kommt deutlich zu spät. Nuza zeigt Zerrouki folgerichtig zunächst Gelb. Der VAR bittet ihn jedoch an den Bildschirm. Wir jubeln schon, weil Thun umgehend in Überzahl spielen könnte. Doch der VAR-Check fokussiert sich plötzlich auf Kristals Bewegung: Der Thuner trifft Zerrouki offenbar am Schienbein beziehungsweise steht auf dessen Bein. Nuza stellt seine ursprüngliche Beurteilung vollständig auf den Kopf und zeigt in der 60. Minute Kristal Rot. Wir in der Fankurve sind entsetzt. Zerrouki hat doch den gefährlichen Zweikampf mit seinem späten Einsteigen provoziert, darf aber weiterspielen; Kristal muss vom Platz. Aus Gelb für den Verursacher wird Rot für den Getroffenen. VAR-Logik auf Niederländisch.
Fünf Minuten später folgt die nächste Pointe. Ausgerechnet Zerrouki erhält vor dem Strafraum den Ball, zieht ab und trifft unhaltbar zum 1:0. Das Tor zählt, diesmal ohne Intervention vom VAR. Für Thun doppelt bitter: Erst der umstrittene Platzverweis, dann das entscheidende Tor durch jenen Spieler, der den Zweikampf ausgelöst hat. In Unterzahl stemmt sich Thun gegen die Niederlage. Ein Handspielverdacht gegen Bürgy führt nach VAR-Prüfung nicht zum Penalty, Goalie Steffen hält erneut stark gegen Weghorst. Selbst in der Nachspielzeit versucht Thun noch einmal den Ausgleich, doch mein Lieblingsitaliener Braschi kann sich nicht entscheidend durchsetzen. Kurz darauf ist Schluss. Thun verliert 0:1. Angesichts von Twentes Überlegenheit ist das Resultat nachvollziehbar. Vom Stadionbesuch bleibt trotzdem weniger Zerroukis Tor in Erinnerung als Nuzas Platzverweis gegen Kristal.
Doch wir Fans sind noch längst nicht unter freiem Himmel. Vor dem Gästesektor hat sich die Polizei mit zahlreichen Fahrzeugen und in Vollmontur aufgestellt. Wir dürfen nur einzeln hinaus, und die Polizisten führen jeweils noch eine kurze Gesichtskontrolle durch. Derweil prüfen wir, was aus unseren beschlagnahmten Gegenständen geworden ist. Sie liegen auf dem nackten Asphalt herum, sofern sie nicht bereits vernichtet worden sind. Mein Fundbürozettel erweist sich als wertlos: Sämtliche Snus-Dosen wurden entsorgt. Party-Kernen erlebt dafür einen Aha-Moment. Statt einer Snus-Dose drückt man ihm ein Ladekabel in die Hand, das er zunächst gar nicht haben will. Vor dem Match hatte er nicht einmal bemerkt, dass ihm auch dieses aus dem Turnbeutel genommen worden war. Erleichtert steigen wir wieder in einen der unbeschrifteten Cars. Sie bringen uns zum Extrazug, der um diese Uhrzeit nicht mehr in Enschede, sondern im Nachbarort Hengelo parkiert sein darf. Die Ankunft am «falschen» Bahnhof beschert zwei Thunfans, die im Hotel übernachten, ebenfalls einen Aha-Moment. Nicht ganz zu Unrecht waren sie davon ausgegangen, dass der Bustransfer dieselbe Strecke zurücklegt wie vor dem Anpfiff. Zu ihrem Glück fahren noch S-Bahnen zurück nach Enschede. Bevor wir in den Extrazug einsteigen dürfen, gibt es in der Perronunterführung noch eine Viertelstunde Fanbetreuung nach dem Polizeikesselprinzip. Ein Fan, dessen Blase drückt, erhält den Tipp, doch einfach in die Unterführung zu pissen. Nee! Auf diesen Deal lässt er sich nicht ein. Als wir schliesslich aufs Perron dürfen, werden wir dort von gehässigen Twente-Fans mit Gesängen empfangen. Besonders ans Herz wächst uns jener, der hinter den Polizisten steht und mehrmals den Hitlergruss in unsere Richtung zeigt. Die Polizei lässt ihn gewähren. Dann sind endlich alle im Zug, und wir können losfahren. Endlich weg von Enschede. Eine Stadt, die wohl keiner von uns je wieder betreten will. Falls Bürgermeister Roelof Bleker so rechtsextrem sein sollte wie der Typ in Hengelo und Ausländer vertreiben will, um billige Wählerstimmen zu gewinnen, hat er sein Ziel bei uns Schweizern bereits erreicht. Wir werden überall erzählen, dass in diesem Provinzkaff niemand willkommen ist, der kein Niederländisch spricht. Ja hoor!
Kaum haben wir die deutsche Grenze überquert, steigt im Barwagen die nächste Party. Allerdings köchelt die Stimmung ähnlich schwach wie das Risotto. Als Party-Kernen und ich um 3.00 Uhr noch einmal den Beat spüren wollen, tanzt nicht einmal mehr ein Dutzend Fans. Ein prüfender Blick in die Küche zeigt zudem: Vor Morgengrauen wird das nichts mehr mit dem Risotto. Also legen auch wir uns bald hin und verschlafen ein wahres Wunder: Unser Zug fährt Hunderte Kilometer durch Deutschland, ohne auch nur eine Minute Verspätung einzufangen. Um 10.30 Uhr sind wir zurück am Basel Badischen Bahnhof. Zeit für einen letzten Schnappschuss. Auf der elektronischen DB-Anzeigetafel steht: «In unseren Bahnhöfen ist der Konsum von Alkohol und das offene Mitführen alkoholischer Getränke untersagt.» Also posiert Party-Kernen mit dem Überbleibsel seines 24er-Pack Bier. Es lebt sich gut als antiautoritärer Durchschnittsschweizer.